Theater der Aufklärung

Das Theater des 18. Jahrhunderts verabschiedete sich schnell von der strengen Regelhaftigkeit des Klassizismus. Die berühmten Drei Einheiten des Theaters des 17. Jahrhunderts (Zeit, Ort und Handlung) standen im Widerspruch zur hoch angesehenen Vernunft und wurden durch eine realistische Darstellung ersetzt. Die moralisierende Wirkung des Theaterstückes sollte verstärkt werden, was zur Folge hatte, dass die positiven Helden der Tragödien am Ende des Stückes nicht mehr sterben durften. Jedoch ohne dramatischen Ausgang wurde die Tragödie ad Absurdum geführt.

Auf Grund dieser intensiven Tragödienkritik wurden nur sehr wenige Stücke verfasst. Lediglich Voltaire, Crébillon und Houdar de La Motte nahmen sich der Tragödie an, wobei Voltaire sich durch sein großes Talent deutlich abhob. Trotz vehementer Kritik blieb er der klassischen Form der Tragödie treu, passte aber die Inhalte seiner Stücke dem aufklärerischen Zeitgeist an. Voltaire gestaltete die Handlung lebendiger und fand seine Helden im Mittelalter und in der Renaissance. Die Bühnengestaltung und die Kostüme entsprachen bei ihm der Zeit und dem Herkunftsland der handelnden Personen. Vor Allem nutzte Voltaire die Tragödie, um seine philosophischen Ideen zu propagieren. Z.B. stellt er in seinem Werk Brutus die konstitutionelle Monarchie über die Tyrannei des Absolutismus und lässt die Werke Zaïre und Mahomet von antiklerikalischen Gedanken durchdringen.

Die Komödie des 18. Jahrhunderts knüpfte an den Erfolg von Molière an. Gemäß dem Zeitgeist bewegte sie sich jedoch weg vom ausschließlich komischen zum einfühlsamen Theater. Einen entscheidenden Schritt in diese Richtung tat Pierre de Marivaux, der eine analytische Komponente in die Komödie einführte. Sein Hauptthema war die Liebe, die er mit übertrieben galantem Stil in allen Schattierungen beschrieb.

Nivelle de la Chaussée, Michel Sedaine und Diderot gingen noch weiter und eliminierten konsequent jegliche Komik aus ihren Werken, die sie durch Einfühlsamkeit ersetzten. Dadurch entstand die sogenannte Comédie larmoyante – ein rührseliges Stück, das zwischen Tragödie und klassischer Komödie angesiedelt ist. Die Autoren beschreiben hier nicht die Charaktere, sondern die Lebensumstände der handelnden Personen mit eindeutig moralisierender Absicht. Die Rührseligkeit ist nicht durch die spannende Handlung bedingt, sie entsteht aus der hohen Identifizierung des Publikums mit den bürgerlichen Helden der Comédie larmoyante.

Der Höhepunkt der französischen Komödie des 18. Jahrhunderts ist die Figaro-Trilogie von Beaumarchais. Vor Allem die ersten beiden Stücke Der Barbier von Sevilla und Die Hochzeit des Figaro stellen eine bissige Satire der Gesellschaft dar, wobei der positive Held aus dem einfachen Volk stammt und auf Grund seiner geistigen Qualitäten die Oberhand über die Aristokratie gewinnt. Indem er das herrschende Privilegiensystem aufs Schärfste kritisierte, das auf der Herkunft des Menschen und nicht auf dessen Fähigkeiten basierte, trug er wesentlich zum schnelleren Untergang des Ancien Régime bei.

Nach dem Niedergang des Ancien Régime wurde das Theater auf Grund der allgemeinen gesellschaftlichen Politisierung zur politischen Tribüne und zum Instrument der revolutionären Propaganda. Oft griffen die Autoren dabei auf Ereignisse in der römischen Republik (Vincent Arnault und Népomucène Lemercier) oder in der französischen Geschichte (Marie-Joseph Chénier) zurück. Nicht selten verlies man die engen Theaterräume, um Revolutionsfeste im Freien wie Theaterstücke zu inszenieren, bei denen die Errungenschaften der Revolution prachtvoll gefeiert wurden.

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