Rosenroman

Le Roman de la rose (ca. 1235-1280).
 
Dieser allegorische Roman von über 22.000 paarweise reimenden Achtsilblern war vermutlich einer der meistgelesenen französischsprachigen literarischen Texte des Mittelalters. Er wurde begonnen von einem als Person nicht näher bekannten Guillaume de Lorris und ab Vers 4059 fortgesetzt von Jean de Meung, der auch als Übersetzer und Bearbeiter lateinischer Werke bekannt ist.
 
Der Rosenroman enthält die als Bericht eines Traums angelegte Geschichte eines Ich-Erzählers (eines der ersten in der franz. Literatur), der in eine Art Paradiesgarten, den Garten Amors, gelangt und sich dort, von dessen Pfeil getroffen, in eine Rose verliebt, welche die/eine Frau symbolisiert. Bei seinen Annäherungsversuchen an die Rose erfährt der Liebende zwar Unterstützung von vielerlei allegorischen Figuren (Bel-Accueil, Richesse, Beauté, Hardement usw.) sowie von einer hilfreichen Alten (la Vieille), wird aber von ebenso vielen behindert (u.a. Jalousie, Malebouche, Peur, Honte und vor allem von Dangier, diesem anschließend in der franz. Literatur des Hoch- und Spätmittelalters allgegenwärtigen Bösewicht, der das Zusammenkommen Liebender nach Kräften zu behindern versucht).
 
Die ursprüngliche, im ersten Teil des Romans noch deutliche Gesamtkonzeption ist die einer idealistischen höfischen ars amatoria (=Liebeskunst), wobei der Liebende durch die Belehrungen Amors und in der beharrlichen Überwindung von Widerständen und Hindernissen die Künste der Liebeswerbung und des Liebens lernen und dabei eine moralische Läuterung erfahren sollte. Der ungleich längere zweite Teil verliert dieses Ziel jedoch fast aus den Augen, auch wenn der Liebende die begehrte Rose, d.h. die Frau, schließlich dank der Hilfe von Amor und seiner Mutter Venus und am Ende einer Schlacht der allegorischen Figuren um das "Rosenschloss" erlangt.
Jean de Meung, der Fortsetzer, steht sichtlich in einer ironischen, oft satirischen Distanz zur höfischen Denkungsart seines Vorgängers, Guillaume de Lorris. Aus einer fast misogynen Grundhaltung heraus sieht er die Liebe nicht als Ideal, sondern als von der Natur gesteuerten Trieb, die Frau nicht als Mittel der Läuterung, sondern als Versuchung, vor der er die Vernunft den Liebenden warnen lässt. Er ergeht sich zudem in vielen gelehrten und moralisierenden Exkursen, aber auch adels- und kirchenkritischen Abschweifungen und zeigt eine insgesamt rationalistisch-skeptische, fast materialistische, bürgerlich-nüchterne Mentalität.
 
Dem Erfolg des Rosenromans tat die Divergenz der beiden Teile keinen Abbruch, denn über 300 Manuskripte (eine für mittelalterliche Texte enorme Zahl) sind erhalten. Entsprechend groß war der Einfluß des Werkes auf die franz. Literatur, wo es die Gattung Traumgedicht heimisch machte und allegorische Figuren zur Selbstverständlichkeit werden ließ. Es wurde bis weit ins 16. Jh. hinein gelesen, zumal nachdem Clément Marot 1527 eine sprachlich modernisierte Druckfassung erscheinen lassen hatte. In der Übertragung Chaucers hat der Rosenroman die englische Literatur beeinflusst, in einer parodistischen, vielleicht von Dante verfassten Version, auch die italienische.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

Terminkalender

S M D M D F S
 
 
 
1
 
2
 
3
 
4
 
5
 
6
 
7
 
8
 
9
 
10
 
11
 
12
 
13
 
14
 
15
 
16
 
17
 
18
 
19
 
20
 
21
 
22
 
23
 
24
 
25
 
26
 
27
 
28
 
29
 
30
 
 
 

Ferienhäuser

Hotels in Frankreich