Presse

Die französische Presse ist wahrscheinlich die jüngste in Europa. Fast die Gesamtheit der Zeitungen in Frankreich hat ihre Arbeit auf Grund der Kollaboration mit der Vichy-Regierung nach dem 2. Weltkrieg juristisch gesehen beendet. Tatsächlich wurden jedoch nur kosmetische Veränderungen vorgenommen und einige Zeitungen erschienen lediglich unter einem anderen Namen, aber mit der gleichen Aufmachung (Le Temps wurde zu Le Monde), andere haben nur teilweise ihren Namen geändert (Le Parisien hat das Adjektiv "libéré" hinzugefügt) und nur wenige erschienen nach dem 2. Weltkrieg unter ihrem alten Namen, wie z.B. Le Figaro, der rechtzeitig seine Auflage einstellte. Diese Erneuerungsmaßnahmen waren ein wichtiger Schritt, da sie den Bruch mit der kompromittierenden Vergangenheit markierten und für einen Neuanfang der französischen Presse standen.

Die französische Presse zeichnet sich heute durch eine stabile, gewachsene Struktur aus, die unterschiedliche Segmente des Informationsmarktes abdeckt. Unter den 4218 Titeln mit unterschiedlicher Erscheinungsweise, Verbreitungsgebiet oder Thematik findet man in Frankreich eine passende Zeitung mit unterschiedlichsten Informationen. In der Beschaffung dieser Informationen sind verschiedene Nachrichtenagenturen tätig, deren Korrespondenten überall in der Welt arbeiten und die Redaktionen mit aktuellen Berichten beliefern.

Je nach Erscheinungsweise unterscheidet man zwischen Tageszeitungen (Le Monde, Le Figaro, Libération...), Wochenzeitungen oder -zeitschriften (Le Canard enchaîné, L’Express, Le Point…), 14-tägig erscheinenden Titeln (Le Journal des Arts, Le temps des conquètes…) und Monatsausgaben (Le Monde diplomatique, Le Spectacle du Monde…). Außerdem gibt es Titel, die alle 2, 3, 4 Monate oder jährlich erscheinen (Cahiers du Collège de Pataphysique, La France pittoresque...). Den größten Abstand im Erscheinungsdatum hat eindeutig die humoristische Zeitung La Bougie du sapeur, die mit 200000 Exemplaren nur alle 4 Jahre am 29. Februar erscheint. Seit 2004 ist die Zeitung mit einer Sonntagsbeilage versehen, La Bougie du sapeur – Dimanche. Da der 29. Februar nur alle 28 Jahre auf einen Sonntag fällt, muss man bis zur nächsten Beilage mit längeren Wartezeiten rechnen.

Eine weitere Unterteilung der französischen Presse erfolgt nach dem Verbreitungsgebiet. An erster Stelle steht die sogenannte nationale Presse, die jedoch nicht selten als Pariser Presse bezeichnet wird, da die Nachrichten aus den Regionen nur am Rande erwähnt werden. Um den Bedarf an überregionalen und regionalen Informationen abzudecken, existieren zahlreiche Titel (Ouest-France, L'Indépendant, Les Dernières Nouvelles d'Alsace…), die die Lücke zwischen nationaler und lokaler Presse ausfüllen. Die lokalen Zeitungen (La Presse de la Manche, Var Matin…) konzentrieren sich auf das örtliche Geschehen im Departement oder in der Gemeinde.

Thematisch gesehen bietet die Presselandschaft in Frankreich ein reichhaltiges Angebot. Traditionell unterscheidet man zwischen Fachpresse, die für einen engen Kreis von Spezialisten bestimmt ist und Publikumszeitschriften, die einem breiten Publikum verschiedene Themen nahe bringen. Die größte Verbreitung haben die Fernsehzeitschriften (Télé 7 Jours, Télé Z...), gefolgt von Frauenzeitschriften (Femme Actuelle, Prima...), Nachrichtenmagazinen (Le Nouvel Observateur, L’Express...) und Wirtschaftstitel (Le Particulier, Capital...). In letzter Zeit erfreuen sich auch Männermagazine, wie z.B. Entrevue großer Beliebtheit.

Finanziert wird die Presse in der Regel aus dem Verkauf und nicht zuletzt durch Werbung. Im Jahre 2004 wurden aus dem Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften in Frankreich insgesamt 6,02 Milliarden Euro erzielt. Die Werbeeinnahmen beliefen sich in diesem Jahr auf 4,49 Milliarden Euro. Dabei muss man berücksichtigen, dass je nach Art der Zeitung deutliche Unterschiede in den Werbeeinnahmen bestehen. Den größten Umsatz durch Werbung mit 1,6 Milliarden Euro in 2003 machen die Zeitschriften, allerdings verbunden mit hohen Herstellungskosten (hochwertiges Papier, aufwendige Bildbearbeitung, teures Druckverfahren). Ebenfalls erfolgreich sind die regionalen Tageszeitungen mit 1 Milliarde Euro und die Fachpresse mit 0,6 Milliarden Euro Werbeeinnahmen. Die Politik der Finanzierung durch Werbung gibt vor allem im lokalen Bereich die Möglichkeit eine Zeitung kostenlos anzubieten. In diesem Fall wird der redaktionelle Teil thematisch auf die Werbung abgestimmt, um bei den Lesern ein Interesse für das jeweilige Thema zu wecken und ihre Aufmerksamkeit auf die Anzeigen zu lenken.

Diese kostenlosen Zeitungen werden in der Regel ausgelegt oder in Briefkästen verteilt, sodass sie ein breites Publikum erreichen. Die übrige Presse muss derart vertrieben werden, dass sie zu Tagesbeginn auch an die entferntesten Regionen gelangt. Dies wird durch eine gut durchdachte Infrastruktur gewährleistet, die zum größten Teil in den Händen von zwei Logistikunternehmen liegt:

  • Presstalis und
  • Les Messageries Lyonnaises de Presse (MLP)

Diese Logistikunternehmen beliefern verschiedene lokale Subunternehmen, die die Verteilung der Zeitungen übernimmt. Die Zeitungen gelangen so an 32000 Verkaufsstellen, vor allem an Kioske, Pressehäuser, Kaufhäuser, Bars-Tabac und Tankstellen. Da der Verkauf in Frankreich die meistgenutzte Vertriebsart ist, muss der Herausgeber die Zahl der voraussichtlich verkauften Zeitungen an jedem Ort möglichst genau bestimmen. Auf Grund äußerer Umstände (Regen, Kälte, Streiks...) gestaltet sich der Vertrieb sehr schwierig und oftmals bleibt eine große Anzahl an Exemplaren unverkauft, während an anderer Stelle die Zeitungen zu früh vergriffen sind. Daher ist die Auflage einer Zeitung nicht unbedingt aussagekräftig, viel wichtiger sind die Vertriebszahlen, d.h. die Zeitungen die tatsächlich an die Leser gelangen. So z.B. lag die Auflage von Le Monde im Jahr 2004 bei 505763 Exemplaren, tatsächlich wurden jedoch nur 380592 verkauft. Um die Überwachung dieser Zahlen, die eine große Bedeutung für die Anzeigentarife haben, zu gewährleisten, wurde in Frankreich eine Gesellschaft zur Kontrolle der Verbreitung von Medien (OJD) eingerichtet.

Der Vertrieb der Zeitungen per Abonnement liegt trotz steigender Zahlen deutlich hinter dem Direktverkauf, da eine abonnierte Zeitung mit der Post deutlich später beim Leser eintrifft und die Verteilung durch Boten in Frankreich sich gerade erst im Aufbau befindet. Zu Beginn des Jahres 2006 verfügen nur 500 Gemeinden über einen Botendienst. Aus diesem Grund nutzen nur 37,8% der Leser ein Abonnement gegenüber 62,2%, die ihre Zeitung täglich kaufen. Eine Ausnahme bilden die Fachzeitschriften, die zum größten Teil (ca. 60%) per Post vertrieben werden. Die neueste Entwicklung ist die Online-Ausgabe vieler Zeitungen, die zu einem günstigen Preis angeboten wird.

Seit den 60-er Jahren beobachtet man in Frankreich eine Konzentrierung mehrerer Titel in Verlagsgruppen. Dies erlaubt den Herausgebergesellschaften eine bessere Positionierung auf dem Werbemarkt, eine Optimierung iher Wirtschaftlichkeit und nicht zuletzt ein höheres politisches Gewicht. Exemplarisch ist in diesem Bereich die Verlagsgruppe Socpresse, die außer Le Figaro noch über 30% der regionalen Zeitungen vereinte und ihrem Begründer Robert Hersant eine politische Karriere ermöglichte. Nach seinem Tod konnte die Verlagsgruppe auf Grund gravierender finanzieller Schwierigkeiten ihre führende Position nicht mehr halten und fiel auf den 2. Platz hinter Hachette Filipacchi Presse zurück. Ebenfalls wichtig für die französische Presselandschaft sind die Verlagsgruppen Editions Philippe Amaury, Prisma Presse, Le Monde, EMAP France, Bayard Presse, Ouest-France und Groupe Sud Ouest.

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