Mittelalter

Nach dem Zerfall des römischen Imperiums existierten auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs mehrere selbständige Königreiche:

  •     Nordfrankreich war von den Franken besetzt.
  •     Das Gebiet des heutigen Elsass besiedelten Alemannen.
  •     Im Rhônetal etablierten sich die Burgunder.
  •     Südostfrankreich wurde von den Ostgoten kontrolliert.
  •     Das übrige Südfrankreich war in der Hand der Westgoten.
  •     Zwischen Loire und Seine gab es eine römische Restherrschaft des Dux Syagrius, ein Nachfahre des römischen Senators.
  •     Die Halbinsel Bretagne war durch die von England fliehenden Kelten besetzt.

In diesem machtlosen Vakuum versuchten die Franken unter König Chlodwig aus dem Geschlecht der Merowinger die Nachfolge der zerfallenden römischen Herrschaft in Gallien anzutreten. Im Jahre 486 besiegte der 19 Jahre alte Chlodwig bei Soissons den Dux Syagrius. Um 500 wurden dann die Alemannen unterworfen. Die Westgoten wurden im Jahre 507 mit Hilfe der Burgunder besiegt, bis schließlich auch die Burgunder im Jahre 532 bei Autun eine Niederlage erlitten. Auf diese Weise beherrschten die Franken ein riesiges Gebiet vom Rhein bis zu den Pyrenäen.

Während seinen Eroberungszügen verlor Chlodwig die politische Ebene nicht aus den Augen. Im Jahre 498 trat er zum römisch-katholischen Christentum über. Dies sicherte ihm die Unterstützung der Kirche und der gallo-römischen Aristokratie in den von Burgundern und Westgoten besetzten Gebieten. Nach und nach lies Chlodwig alle potentiellen Konkurrenten und nahen Verwandten ermorden, die ihm bei seinen Machtbestrebungen gefährlich werden konnten. Ein weiterer politischer Schachzug Chlodwigs war die Legitimierung seiner Herrschaft durch den oströmischen Kaiser. Im Jahre 508 bekam er die Insignien eines römischen Konsuls und zog in die neue Hauptstadt Paris ein.

Bald darauf starb Chlodwig und sein Reich wurde unter seinen vier Söhnen nach der fränkischen Tradition zerstückelt und aufgeteilt. Jeder der vier Söhne bekam den Titel Rex Francorum und erhielt ein Gebiet um Île-de-France mit Residenzen in Paris (Childebert), Reims (Theuderich), Orléans (Chlodomer), Soissons (Chlothar) und weitere Gebiete im Land. Diese juristische Gleichberechtigung der Frankenkönige führte im Endeffekt zu einem erbitterten Machtkampf zwischen den Brüdern. Nach dem Tod von Chlodomer ließen Childebert und Chlothar dessen Söhne ermorden. Letztendlich vereinte Chlothar das gesamte Reich unter seiner Herrschaft und teilte es unter seinen Söhnen auf: Charibert I. (Paris), Guntram I. (Burgund und Orléans), Sigibert I. (Austrasien) und Chilperich I. (Neustrien). In ständigen Machtkämpfen, Morden und Intrigen schwächte sich die Position der Monarchen. Der Hausmeier, der zunächst nur mit der Verwaltung des Hofes betraut war, bekam mit der Zeit mehr und mehr Macht und wurde schließlich zum eigentlichen Herrscher im Lande. Im Jahre 751 wurde der letzte merowingische Herrscher Childerich III. von dem Hausmeier Pippin III. abgesetzt. Im gleichen Jahr wurde Pippin III. mit Zustimmung des Papstes zum König gewählt und es begann die neue Herrscherdynastie der Karolinger.

Die Karolinger bekamen ihren Namen von dem Sohn Pippins III., Karl der Große, der das Reich wieder vereinte und nach Süden und Osten erweiterte. Während seiner Regierung intensivierte sich die Beziehung zur katholischen Kirche. Er wurde im Jahre 800 von Papst Leo III. zum Kaiser gekrönt und verpflichtete sich im Gegenzug das Land zu christianisieren. Nach seinem Tod erbte sein einziger überlebender Sohn Ludwig der Fromme das Reich. Nach karolingischer Tradition ließ er noch zu seinen Lebzeiten seinen Sohn Lothar I. zum Mitkaiser krönen, die beiden anderen Söhne Ludwig II. der Deutsche wurde in Bayern und Pippin I. in Aquitanien zum König gekrönt. Als der vierte Sohn aus seiner zweiten Ehe Karl II. der Kahle geboren wurde wollte Ludwig der Fromme das Land neu aufteilen. Seine älteren Söhne rebellierten und zwangen ihren Vater im Jahre 832 zur Abdankung. Lothar I. wurde zum alleinigen Kaiser proklamiert, worauf Ludwig II. der Deutsche und Pippin I. von Aquitanien sich wieder mit ihrem Vater verbündeten und ihren Halbbruder Karl II. der Kahle bei der Reichsaufteilung berücksichtigten. Mit vereinten Kräften schlugen sie am 25. Juni 841 Lothar I. bei Fontenoy in Burgund. Nach dieser Niederlage wurde er gezwungen mit seinen Brüdern neu zu verhandeln. Im Vertrag von Verdun wurden die strittigen Gebiete zwischen den drei Brüdern aufgeteilt. Karl II. der Kahle bekam Gallien, Ludwig II. herrschte über Deutschland und Lothar I. erhielt die Gebiete dazwischen (Lothringen, Rheinland, Provence und Oberitalien), die nach seinem Tode zwischen den zwei Brüdern wieder aufgeteilt wurden. Nach dem Tod von Pippin I. von Aquitanien zwang Karl II. der Kahle dessen Sohn ins Kloster Senlis und übernahm seine Gebiete.

Auf diese Weise herrschte Karl II. der Kahle über das Territorium, das annähernd dem heutigen Frankreich entsprach. Daher gilt der Vertrag von Verdun als Geburtsdatum von Frankreich. Jedoch verloren seine Nachfolger Ludwig II. der Stammler, Ludwig III. und Karl III. der Einfältige mehr und mehr Macht an den aufstrebenden Adel, der nur durch Landschenkungen seine Unterstützung zusicherte. Als kein Land mehr verteilt werden konnte, verloren die Herrscher ihren Einfluss und das Land zerfiel in zahlreiche mehr oder weniger selbständige Grafschaften. Ein besonders großes Ansehen gewannen die Grafen von Paris, die die Verteidigung des Reiches gegen normannische Einfälle übernahmen, da der König über keinerlei Macht und notwendige Mittel verfügte. Dieser Prozess der Schwächung der karolingischen Dynastie fand seinen Abschluss im Jahre 987 als Hugo Kapet, Graf von Paris, sich von den Großen des Reiches zum König wählen ließ. Er wird damit zum Begründer der neuen Dynastie der Kapetinger.

Als die neue Herrscherdynastie an die Macht kam, war nur ein kleines Stück Land zwischen Compiègne und Orléans in ihrem Besitz. Erst im 12. Jahrhundert unter Ludwig VI. dem Dicken verstärkte sich der königliche Einfluss in Frankreich. Er beendete die Kleinkriege unter seinen Vasallen, richtete eine zentrale Verwaltung ein, verstärkte die Rechte der Städte und überwachte die Bischofswahlen. Seine Krondomäne blieb aber im Vergleich zu den Herzogtümern seines Reiches eher unbedeutend. Jedoch bedeuteten diese umliegenden Herzogtümer und Grafschaften keine direkte Bedrohung seiner Macht, solange sie isoliert waren und in Konkurrenz zueinander standen. Erst als unter Ludwig VII. dem Jungen eine Allianz zwischen dem Herzogtum von Aquitanien und dem Haus Plantagenet erfolgte, vereinte Heinrich Plantagenet das gesamte westliche Gebiet Frankreichs. Dies umfasste die Herzogtümer Normandie, Aquitanien und die Grafschaften Bretagne, Auvergne, Anjou, Gascogne. Als Heinrich Plantagenet den englischen Thron als Heinrich II. bestieg, befand sich so mehr als die Hälfte des französischen Territoriums unter englischer Kontrolle. Die Präsenz einer derart starken Macht auf französischem Boden führte zwangsläufig zum Konflikt mit den Kapetingern. Die Situation verschärfte sich nach dem Tod des letzten Königs aus dem Geschlecht der Kapetinger Karl IV., der keine direkten Nachfolger hatte. Gleichzeitig zwei Kandidaten erhoben ihre Ansprüche auf den Thron:

Dieser Machtkampf war der Auslöser für den Hundertjährigen Krieg, der jahrzehntelang die Entwicklung des Landes blockierte und erst durch das Engagement der Volksheldin Jeanne d’Arc im Jahre 1453 erfolgreich für das Haus Valois beendet werden konnte. Karl VII. der Siegreiche wurde nach der alten Tradition in Reims zum König gesalbt und als Herrscher im ganzen Land akzeptiert. Er schuf eine Berufsarmee und modernisierte das Steuersystem. Dies führte zur Stabilisierung der Stadtfinanzen und lieferte die notwendigen Geldmittel für die Regierung.

Als sein Sohn Ludwig XI. König geworden war, herrschten stabile Bedingungen im Land. In dieser Situation versuchte er die königliche Macht zu verstärken, nicht nur in seiner Krondomäne, sondern im ganzen Reich. Dies rief eine offene Opposition des Adels hervor, der sich in der "Liga für das öffentliche Wohl" vereinte. Eine führende Rolle in dieser Liga spielten die Herzöge von Burgund. Karl dem Kühnen gelang es, seinen Einfluss auf den nördlichen Teil der Niederlande, Elsass, Lothringen, Franche-Comté, Flandern, Luxemburg und die Picardie auszuweiten. Durch Krieg, Bestechung und geschickte Diplomatie konnte sich Ludwig XI. gegen diesen mächtigen Gegner durchsetzen. Kurz vor seinem Tod erhielt er die Picardie und das Burgund zurück und setzte damit dem burgundischen Anspruch auf ein eigenes Königreich ein Ende.

Nach Ludwigs Tod war Karl VIII. Thronfolger. Zunächst mit Unterstützung seiner älteren Schwester Anna und deren Mann Pierre de Beaujeu, später übernahm er selbständig die Herrschaft. Durch seine Heirat mit Anna von Bretagne bekam er die Bretagne. Viele weitere Gebiete (Franche-Comté, Artois, Roussillon...) musste er jedoch abtreten, um den Krieg in Italien zu führen. Sein früher Tod beendete den finanziellen und militärischen Abstieg Frankreichs. Mit ihm endete der ältere Stamm der Valois und Ludwig XII. aus dem Haus von Orléans, Urenkel Karls V., übernahm die Regierung.

Ludwig XII. erhob Anspruch auf das Herzogtum Mailand und führte Frankreich in den Krieg gegen Italien. Seine militärischen und diplomatischen Erfolge ermöglichten ihm 1499 die Besitznahme von Mailand und Neapel. Papst Julius II. verbündete sich jedoch mit der Schweiz, Spanien, Habsburger und England und gründete eine Heilige Liga gegen Frankreich. Nach mehreren verlorenen Schlachten zogen sich die Franzosen aus Italien zurück und nur der Tod des Papstes 1514 rettete Frankreich vor einer ausländischen Eroberung. Im darauf folgenden Jahr starb Ludwig XII., ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen. Als Nachfolger wurde sein Schwiegersohn Franz I. aus dem Haus Orléans-Angoulême bestimmt, der Frankreich in ein neues Zeitalter führte, die Renaissance.
 
Unsere Empfehlungen:

Terminkalender

S M D M D F S
 
 
 
 
1
 
2
 
3
 
4
 
5
 
6
 
7
 
8
 
9
 
10
 
11
 
12
 
13
 
14
 
15
 
16
 
17
 
18
 
19
 
20
 
21
 
22
 
23
 
24
 
25
 
26
 
27
 
28
 
29
 
30
 
 

Ferienhäuser

Hotels in Frankreich