Le Figaro

Le Figaro ist die älteste, noch heute erscheinende, französische Tageszeitung. Sie wurde im Jahre 1826 von den beiden Künstlern Maurice Alhoy und Etienne Arago gegründet. Die 4-seitige Wochenzeitung im Kleinformat übermittelte Informationen z.B. aus dem Leben des Theaters, der Gesellschaft oder der Mode, wobei Skandale keine unbedeutende Rolle spielten. Die Anfänge der Zeitung waren wenig beeindruckend. In einem Jahr wechselte Le Figaro zwei Mal den Besitzer und am Ende des Jahres 1826 wurde die Zeitung für die symbolische Summe von 300 Francs an Lepoitevin-Saint-Alme verkauft, der genauso wie sein Nachfolger Victor Bohain die Auflage nicht stabilisieren konnte. Selbst die Mitarbeit von herausragenden Schriftstellern wie z.B. George Sand, Balzac und Théophile Gautier brachte nur einen momentanen Erfolg.

Im Jahre 1854 wurde Le Figaro von Hippolyte de Villemessant übernommen. Dies war ein entscheidendes Ereignis in der Geschichte der Zeitung. In der Zeit als fast täglich neue Zeitungen erschienen und zugrunde gingen, ist es Villemessant gelungen, ein eigenes Profil für Le Figaro zu schaffen. Er erweiterte den Inhalt der Zeitung und bemühte sich um ständige Modernisierung. Er führte permanente Rubriken ein, u.a. Leserbriefe und Todesanzeigen, die sehr gut bei den Lesern aufgenommen wurden und die Verkaufszahlen steigerten. Im Jahre 1856 erscheint Le Figaro zwei Mal die Woche und 1866 wird Le Figaro zur Tageszeitung.

Nach dem Tod von Villemessant im Jahre 1879 wurden seine Aufgaben zwischen drei talentierten Journalisten aufgeteilt:

  • Francis Magnard, Chefredakteur
  • Fernand de Rodays, Verwaltungsdirektor
  • Antonin Périvier, literarischer Direktor

Unter ihrer Leitung gewann Le Figaro an Autorität und Seriosität und wies zwischen 1879 und 1895 stabile Auflagen mit über 80000 Exemplaren auf.

Am Ende des 19. Jahrhunderts engagierte sich Le Figaro in der Dreyfus-Affäre und veröffentlichte am 1897 das komplette Dossier Scheurer-Kestner, sowie eine Artikelreihe von Zola zur Verteidigung von Dreyfus. Die konservative Leserschaft reagierte ablehnend auf diese Publikationen und die Auflage fiel auf 20000 Exemplare, was einen Führungswechsel zur Folge hatte. Dem neuen Direktor Gaston Calmette, sowie seinen Nachfolgern Alfred Capus und Robert de Flers gelang es durch eine Rückkehr zum alten Programm die Auflage zu erhöhen.

Im Jahre 1922 übernahm der milliardenschwere Parfumhersteller François Coty Le Figaro. Unter seiner Leitung blieb die Zeitung rechtskonservativ, jedoch mit zahlreichen Veröffentlichungen zu Gunsten der faschistischen Ideologie. Die dadurch sinkende Auflage konnte Coty selbst durch immense Investitionen (85 Mio Francs) nicht wettmachen und er musste 1933 die Zeitung verlassen, jedoch ohne sich von seinen Anteilen zu trennen. Nach seinem Tod fielen die Aktien seiner Witwe zu, die im Gegensatz zu den früheren Besitzern die redaktionelle Arbeit den Journalisten überlies. Sie setzte Lucien Romier und Pierre Brisson als Direktoren ein, die hervorragende Mitarbeiter für die Zeitung gewinnen konnten, u.a. François Mauriac, Georges Duhamel, Jean Giraudoux und André Maurois.

Der zweite Weltkrieg unterbrach den Erfolgskurs der Zeitung und nach der Besetzung von Paris zog die Redaktion nach Lyon in die sogenannte „freie Zone“. Trotz aller Bemühungen konnte sich Le Figaro einerseits in der neuen Umgebung nicht etablieren und andererseits hat sich die Redaktion dem Druck der Vichy-Regierung regierungstreue Artikel zu veröffentlichen nicht gebeugt. So blieb der Direktion keine andere Wahl als die Erscheinung der Zeitung auszusetzen. Diese Entscheidung sollte sich nach der Befreiung als positiv erweisen, da Le Figaro im Unterschied zu anderen Zeitungen sofort wieder aufgelegt werden konnte und den Erfolgskurs fortsetzte.

Nach dem Tod des Direktors Pierre Brisson im Jahre 1964 ergriff Jean Prouvost durch einen Aktienkauf die Möglichkeit Le Figaro zu übernehmen. Seine Machtansprüche stießen jedoch auf den Widerstand der Journalisten und die Auseinandersetzungen begleiteten Le Figaro mehrere Jahre bis der 90 Jahre alte Jean Prouvost seine Anteile im Jahre 1975 an Robert Hersant verkaufte.

Robert Hersant, einer der größten Pressemagnaten dieser Zeit mit wichtigen Verbindungen zu Politik und Wirtschaft, machte Le Figaro durch Modernisierung des Unternehmens, Änderung der Belegschaft und durch zahlreiche redaktionelle Innovationen zum Flagschiff seines Imperiums, das in den 80-er Jahre ein Drittel der frz. Tagespresse umfasste. Unter der Leitung von Robert Hersant gelang es, nicht zuletzt durch seine erfolgreiche Strategie zur Gewinnung von Werbekunden, Le Figaro unter wirtschaftlichen Aspekten zu der erfolgreichsten Zeitung Frankreichs zu machen. Je nach Marktsituation lag der Anteil der Werbung zwischen 70 und 80% des Umsatzes. Dieses Imperium zerfiel jedoch nach Hersants Tod im Jahre 1996 und Le Figaro kam in den Besitz des Dassault–Konzerns.

Politisch und redaktionell gesehen gilt Le Figaro mit Serge Dassault auch heute noch als Sprachrohr der konservativen Rechten und sieht sich als Gegengewicht zu linksliberalen Zeitungen.

Internet: www.lefigaro.fr

 

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