Kultur

Als wichtiger Bestandteil des Römischen Reiches profitierte das Territorium des heutigen Frankreichs in der Antike vom Können der römischen Ingenieure und Künstler. Gut erhaltene Meisterwerke jener Zeit, wie zum Beispiel die Pont-du-Gard, das Maison Carrée in Nîmes und das Theater in Arles, beeindrucken noch heute durch ihre Kunstfertigkeit.
 
Unter dem Zusammenbruch des Römischen Imperiums gerieten auch die Kunstfertigkeiten in Vergessenheit und die Kultur des Frühmittelalters konnte nicht mehr an die hochentwickelte Kunst der gallo-römischen Epoche anknüpfen. Unter den Merowingern entstanden eher bescheidene Bauten aus unbearbeitetem Stein, die in ihrer Form an eine römische Basilika oder einen Rundtempel anknüpften (Saint-Pierre in Vienne, Baptisterien in Fréjus und Riez...). Der selten erhalten gebliebene Baudekor zeigt die Einflüsse der germanischen Kunst.
 
Unter den Karolingern erhielt die Kunst einen herausragenden Stellenwert. Nicht nur die Architektur (Saint-Martin in Tours, Abtei von Beauvais, Kirche von Ottmarsheim...), sondern auch die Buchmalerei und das Kunsthandwerk kamen zu neuer Blüte. Aus dieser Zeit stammen ebenfalls die ersten Zeugnisse literarischen Schaffens, die zunächst auf lateinische Vorlagen zurück gehen und zum besseren Verständnis für das einfache Volk mehr oder weniger frei in Französisch übersetzt wurden. Im 11. Jahrhundert entstand die weltliche Literatur mit Fabeln und Parabeln, später auch mit Heldenliedern, worunter das berühmteste Werk das Rolandslied ist. Zeitgleich entwickelte sich aus der karolingischen Architektur die Romanik (Saint-Michel-de-Cuxa, Cluny, Vézelay, Clérmont-Ferrand, Périgueux, Fontevraud-l’Abbaye, Arles), die Mitte des 13. Jahrhunderts von der Gotik (Paris, Laon, Chartres und Amiens) abgelöst wurde. Erstmalig gab es Skulpturen, die als eigenständige Kunstwerke gelten konnten. Nach und nach trennte sich auch die Malerei von ihrer rein dekorativen Rolle. Berühmte Maler, wie Jean Fouquet, Maître de Moulins oder Jean Bourdichon, begrenzten sich nicht nur auf die Buch- oder Glasmalerei. Die Tafelmalerei gewann immer mehr an Bedeutung, wobei Porträts und religiöse Kompositionen dominierten.
 
Während der Renaissance erwachte nach Italien auch in Frankreich das Interesse für die Kunst und Philosophie der Antike, deren Verbreitung durch die Erfindung des Buchdrucks nicht mehr auf klösterliche Schreiber angewiesen war. Die geistige Befreiung zeigte sich in allen Bereichen der Kultur. In der Literatur tauchten mit den Autoren François Rabelais oder Michel de Montaigne gesellschaftskritische Themen auf. In der Lyrik (Clément Marot, Pierre de Ronsard und Joachim du Bellay) dominierten die Darstellungen persönlicher Erlebnisse oder Gefühle. In der Architektur (Gilles Le Breton, Pierre Lescot, Jean Goujon, Philibert Delorme) und der Malerei (Jean Clouet, François Clouet, Jean Cousin) entstand nach einer Periode der Nachahmungen italienischer Meister ein nationaler Stil, der sich am Besten im Schloss Fontainebleau oder im Louvre zeigt.
 
In enger Anlehnung an die Kunst der Renaissance entwickelte sich im 17. Jahrhundert das Barock, das sich vor allem in der Architektur (Palais du Luxembourg und Sorbonne-Kirche in Paris) zeigte. Bei der Gestaltung der Bauwerke spielte die Bildhauerei eine außerordentlich wichtige Rolle. Parallel zum Barock entwickelte sich in Frankreich der Klassizismus, der mit seinen klaren Regeln eine Gegenbewegung darstellte. Die Künstler bedienten sich der Vorgaben königlicher Institutionen, durch die sie auch gefördert wurden. Auf diese Weise bekam die Kultur in der französischen Gesellschaft einen einmaligen Stellenwert. Die Künstler dieser Zeit erlangten nicht nur europaweite Anerkennung (Molière, La Fontaine, Poussin, Lorrain, Ledoux, Soufflot), sondern konnten auch einflussreiche Positionen am Hof gewinnen (François Malherbe, François de La Rochefoucauld u.a.).
 
In der Kunst des 18. Jahrhunderts stand der philosophische Geist im Vordergrund, der von den großen Philosophen Montesquieu, Voltaire, Diderot und Jean-Jacques Rousseau geprägt wurde. Mit Rousseaus Forderung einer Rückkehr zur Natur bezweckte er im Bereich der Architektur landschaftsgebundene Bauprojekte, wobei das Gebäude und der umliegende Garten eine Einheit bilden sollten (Tuilerien und Gartenanlagen in Versailles von André Le Nôtre). Die Malerei zeigte zunehmend realistische Züge in den durch einen tiefen Psychologismus gekennzeichneten Darstellungen (Chardin, Antoine Watteau, Jean Fragonard und Jean-Baptiste Greuze).
 
Am Ende des 18. Jahrhunderts kam mit der Französischen Revolution die Politisierung der Künste, auch der Malerei auf. Diese brauchte ideologisch wirksame Bilder, die an die Vernunft und die gesellschaftliche Verantwortung appellierten. Genau diese wurden von David und seiner Schule des Neoklassizismus (F. Gérard, N. Guérin, Ingres, Th. Chassériau, J.-F. Peyron, J.-B. Regnault, Puvis de Chavannes) erschaffen. Dem Neoklassizismus folgten der Realismus (Courbet, Daumier) und der Impressionismus (Degas, Monet, Renoir, Manet). In den 80-er Jahren des 19. Jahrhunderts zerfiel die Bewegung in mehrere voneinander unabhängige Strömungen, die unter dem Sammelbegriff Postimpressionismus zusammengefasst werden. Die Postimpressionisten (Cézanne, Gauguin, Toulouse-Lautrec, Signac, Seurat und Van Gogh) verwendeten unterschiedliche Techniken und entwickelten eigene Prinzipien. In der Literatur setzte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Romantik (Chateaubriand, Hugo) durch. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurde sie durch den Realismus (Flaubert) und den Naturalismus (Zola) ersetzt. In der Architektur hingegen wurden keine neuen Stile entwickelt, sondern auf die vergangenen Epochen zurückgegriffen. Das äußere Erscheinungsbild der Bauwerke (die Basilika Sacré-Coeur, die Opéra Garnier in Paris und die Kathedrale von Marseille) wurde sorgfältig an die alten Stile angepasst, jedoch wurden bereits nicht sichtbar neue Materialien (Metall, Glas, Beton) verwendet, deren breite Nutzung später zu der Entstehung der modernen Architektur führten, wie zum Beispiel der Eiffelturm zeigt.

Die jungen Künstler des 20. Jahrhunderts demonstrierten eine komplette Ablehnung aller bisherigen Traditionen. Dies erklärt die Vielfältigkeit der Erscheinungsformen und Techniken, die jetzt genre- und länderübergreifend Einzug in die Moderne Kunst halten. Die bedeutendste Bewegung dieser Zeit war der Surrealismus, der zahlreiche Künstler aus unterschiedlichen Bereichen vereinte:

Dem Prozess der Internationalisierung der Kunst entzog sich lediglich das Chanson (Edith Piaf, Georges Brassens, Jacques Brel, Barbara), das durch die enge Verbundenheit mit der französischen Sprache einen überwiegend nationalen Charakter trägt.

Unsere Buch-Empfehlungen: Frankreich. Ein Länderporträt

 

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