Herrschaft der Nationalversammlung

Die Revolution entwickelte sich aus der tiefen Staatskrise der 80er Jahre des 18. Jahrhuderts. Unfähig die Staatskrise zu bewältigen, wurde Ludwig XVI. gezwungen die Generalstände einzuberufen, die am 5. Mai 1789 in Versailles zusammenkamen. Bisher bestanden die Generalstände aus drei Kammern, die je 300 Abgeordnete pro Stand zählten und getrennt abstimmten. Somit überstimmten der Klerus und der Adel bei einem Machtverhältnis 2:1 im Zweifelsfall immer den Dritten Stand. Da nach dieser Aufteilung die Anzahl der Abgeordneten keine Rolle spielte, sprach sich Ludwig XVI. unter dem Druck der Reformatoren als symbolische Geste für eine Verdopplung der Abgeordneten der Dritten Standes aus.

Nach diesem neuen Wahlverfahren bekam nun der Dritte Stand mit 578 Abgeordneten die absolute Mehrheit gegenüber 291 Abgeordneten des Klerus und 270 Abgeordneten des Adels. Die Abgeordneten des Dritten Standes setzten sich überwiegend aus Vertretern des Großbürgertums und Rechtsanwälten zusammen. Sie hatten jedoch den Anspruch , die Interessen des gesamten Dritten Standes zu repräsentieren, u.a. Bauern, Handwerker, Tagelöhner..., grob geschätzt 96% der Nation. Am 17. Juni 1789 in der „Erklärung über die Konstituierung der Versammlung“ bestimmten sich die Abgeordneten des Dritten Standes selbst zur Nationalversammlung.

Bei diesem neuen Machtverhältnis versuchten die Vertreter des Dritten Standes nun den Abstimmungsmodus zu ändern. Sie schlugen vor, in einer gemeinsamen Sitzung aller drei Kammern, einzelne Entscheidungen zu treffen, was den Widerstand des Adels und des Klerus zur Folge hatte. Der König unterstützte den Adel und ließ den Beratungssaal schließen, um eine gemeinsame Sitzung zu verhindern. Die Abgeordneten des Dritten Standes widersetzten sich dieser Entscheidung. Sie versammelten sich am 20. Juni im nebenan gelegenen Ballhaus und legten den Schwur ab, sich nicht zu trennen, bevor sie dem Land nicht eine neue Verfassung gegeben hätten. Auf diese Weise wollten sie nicht die Abschaffung der Monarchie erreichen, sondern sie durch eine Verfassung einschränken.

Zeitgleich brodelte es heftig in Paris und anderen Städten. Das Volk gewann durch den Machtverlust des Königs an Selbstbewusstsein. In Paris wurde am 12. Juli eine eigene Stadtverwaltung und einen Tag darauf eine Nationalgarde unter der Leitung des populären Generals La Fayette geschaffen. Auf der Suche nach Waffen stürmte das Volk am 14. Juli 1789 zuerst den Invalidendom und danach das ehemalige Staatsgefängnis Bastille. Nachdem sich die Situation entspannte, kam Ludwig XVI. am 17. Juli nach Paris. Als Symbol der Verbundenheit mit dem Volk trug er eine dreifarbige Anstecknadel (Blau und Rot als Farben für Paris und dazwischen Weiß als Farbe für die Monarchie), aus der später die Französische Nationalflagge entstand. Um die Situation zu retten, billigte Ludwig XVI. die Errungenschaften des Aufstandes und erkannte die Pariser Stadtverwaltung und die Nationalgarde an. Infolgedessen emigrierten breite Schichten des Adels, einerseits aus Protest gegen die Handlungen des Königs, andererseits aus Angst vor Plünderungen und Übergriffen der Bauern und der lokalen Miliz, die zahlreiche Herrensitze, Klöster und Schlösser zerstörten. Unter dem Druck der entfesselten Massen, versuchte die Nationalversammlung einzulenken und verkündete am 5. August 1789 die Steuergleichheit und die Abschaffung aller Privilegien von Klerus und Adel. Diese Ideen wurden programmatisch in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August festgeschrieben. Da der König sich gegen die Augustbeschlüsse stellte, kam es zu Unruhen in Paris. Die aufgebrachten Massen, gestärkt durch die Politischen Clubs, marschierten nach Versailles und forderten die Übersiedlung des Königs und der Nationalversammlung nach Paris. Ludwig XVI. kapitulierte und wurde am 5. Oktober 1789 quasi als Gefangener der Revolution in die Tuilerien gebracht. Die Nationalversammlung verabschiedete in den nächsten Monaten eine Reihe von grundlegenden Gesetzen, die ein neues Verwaltungs-, Rechts- und Wirtschaftssystem schufen:

  • Exekutive, Legislative und Judikative wurden streng voneinander getrennt.
  • Das Nationalgebiet wurde in 83 Departements aufgeteilt und somit die alte Struktur der Provinzen aufgelöst. Direkt vom Volk gewählte Amtsträger ersetzten die vom König ernannten Intendanten und Beamten.
  • Kirchengüter wurden nationalisiert und stückweise verkauft.

Die neuen Gesetze schwächten die Position des Königs in Frankreich erheblich und Ludwig XVI. unternahm einen Versuch, aus dem Land zu fliehen. Kurz vor der Grenze, in Varennes, wurde er zufällig erkannt und nach Paris zurückgeführt. Dieser missglückte Fluchtversuch diskreditierte entgültig den König und brachte auch die der Monarchie wohlgesonnenen Abgeordneten in Verruf. In dieser Situation blieb dem König keine Wahl und er musste die Verfassung akzeptieren, die in Frankreich am 3. September 1791 die konstitutionelle Monarchie einführte, welche dem König nur noch ein beschränktes Vetorecht und repräsentative Funktionen zusprach.

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