Gotik

Die Gotik entwickelte sich Mitte des 13. Jahrhunderts aus der Romanischen Kunst und wurde dann im 16. Jahrhundert von der Renaissance abgelöst.

In dieser Zeit verlagerte sich das geistige Zentrum vom Land in die Stadt. Das wichtigste Bauwerk ist jetzt nicht mehr die Abteikirche, sondern die städtische Kathedrale. Um ihren Einfluss auf die Bevölkerung nicht zu verlieren wurden neue Klöster in unmittelbarer Stadtnähe oder in der Stadt selbst errichtet. Profanbauten gewinnen zunehmend an Bedeutung. Dazu zählen das Rathaus, die Markthalle, das Spital und die Privathäuser reicher Bürger. Burgen werden nur noch mit Erlaubnis des Königs errichtet und verlieren ihre militärische Bedeutung.

Der Begriff Gotik wurde von den Künstlern der Renaissance eingeführt, die diesen Baustil als "barbarisch" ansahen, da er ohne jeden Bezug auf die Architektur der Antike entstand. Sie assoziierten die Verbreitung der Gotik in Europa mit den zerstörerischen Einfällen der Goten am Ende der gallo-römischen Epoche.

Die Gotik verfolgte die Absicht mit einer lichtdurchfluteten Bauweise den Blick der Gläubigen in den Himmel zu richten. Dies wurde mit der Verwendung von neuen Bauformen erreicht:

  • Strebewerk am Außenbau
  • Spitzbogen
  • Rippen-, Netz- oder Sterngewölbe

Diese Verfahren minderten den Druck auf die Außenwände. Demzufolge konnten sie dünner und höher errichtet werden, ohne die Stabilität des Baus zu gefährden.

Hohe und mit Maßwerk verzierte Fenster, reich geschmückte Portale, spitze Türme, Schmuckwerk an den Fialen und Wimpergen, etc. veränderten das Aussehen der Sakralbauten, aber auch das von öffentlichen Gebäuden und Privathäusern.

Während es in der Romanik noch einzelne regionale Bauschulen gab, herrschte in der Gotik ein einheitlicher Baustil vor, der sich durch die Verstärkung der Zentralgewalt in Frankreich erklären lässt.

Die Gotik herrschte in Frankreich über drei Jahrhunderte lang und verlief in mehreren Phasen.

Die Bauten der Frühgotik (1140 - 1200) in Saint-Denis, Sens, Noyon, Soissons, Laon und Paris zeugen noch von dem deutlichen Einfluss der romanischen Architektur. Die vorsichtige Verwendung von Strebebögen nimmt Druck von den Wänden, führt aber nicht zur Auflösung ihres Volumens.

Dies wurde erst in der Hochgotik (1200 - 1270) bei dem Bau der Kathedralen in Chartres, Amiens, Reims und Bourges verwirklicht. Die Wände dieser Bauwerke werden durch immer größere Fensteröffnungen mit Glasmalereien verdrängt, die Darstellungen biblischer Szenen, Heiliger oder Ornamente aufwiesen.

Während der Rayonnant-Gotik (1270 - 1375) bekamen die Buntglasfenster eine noch größere Bedeutung. Man nahm die Höhe der Sakralbauten zurück und schuf so mehr Platz für die Fenster, die durch das Überlappen verschiedenfarbiger Gläser besonders eindrucksvolle Lichteffekte hervorbrachten. Bei den Bauwerken dieser Stilepoche (Saint-Chapelle in Paris, Saint-Urbain in Troyes, Kathedrale von Evreux) reichen die Fenster nicht selten vom Boden bis zur Decke.

Die letzte Periode der gotischen Architektur, der sogenannte Flamboyant-Stil (1375 - 1500) manifestierte sich durch reichen Dekor, der jede freie Fläche ausfüllte. Skulpturen, Krabben, Wasserspeier usw. bildeten ein umfassendes ornamentales System, das oft als gotisches Barock charakterisiert wird. Besonders aufwendig waren die Verzierungen der Gewölbe, deren Rippen ein Netz komplizierter Muster formten. Das beliebteste Element war das Maßwerkfenster in Form windbewegter Kerzenflammen, das dem Stil seinen Namen gab (flamboyant = flammend). Zu sehen ist dieser Stil im Justizpalast in Rouen, in der Klosterkirche von Brou u.a.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts fiel die Gotik jedoch in Ungnade. Eine neue Stilrichtung, die Renaissance, war geboren und ersetzte die Gotik in der französischen Kunst.

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