Französisches Kino

Frankreich hat einen festen Platz in der Geschichte des europäischen Kinos. Am 28. Dezember 1895 fand in Frankreich die weltweit erste öffentliche Filmvorführung statt. An diesem Tag organisierten Louis und Auguste Lumière im Grand Café in Paris eine Vorführung ihrer Kurzfilme, weswegen seither dieser Tag als Geburtstag dieser Kunst gilt. Bei dieser Vorstellung war auch der berühmte Illusionist Georges Méliès anwesend, der sofort das Potential des neuen Mediums erkannte. Er filmte zuerst seine Zauberstücke und entwickelte dabei mehrere Kniffe, die bereits in diesem Anfangsstadium das Kino revolutionierten, wie zum Beispiel Stop-Motion. Noch viel wichtiger war der Verdienst von Méliès in der grundsätzlichen Veränderung der Wahrnehmung des Films. Das Publikum, gewohnt an die Zauberstücke seines Theaters, war bereit zu akzeptieren, das nicht alles, was man auf der Leinwand gezeigt bekommt, der Realität entspricht. Dies scheint für einen modernen Zuschauer banal, vergessen wir jedoch nicht, dass die Menschen im 19. Jahrhundert nicht so versiert waren und sich nicht vorstellen konnten, dass man am Filmanfang einen älteren Mann sieht und später in einer Rückblende die selbe Person als einen Jugendlichen erlebt. Nach seinen Zaubervorstellungen, bei denen z.B. eine Frau aus dem geschlossenen Käfig verschwindet, wundert man sich nicht, wenn in den Filmen von Méliès Personen verschwinden, erscheinen oder wie im "Un homme de têtes" der Hauptdarsteller seinen eigenen Kopf mehrmals klont und auf den Tisch setzt.

Die anfängliche Erfolge der Brüder Lumière und Georges Méliès begünstigten die Entwicklung des Kinos in Frankreich. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts lieferten die französischen Kinofirmen ca. 90% der Kinoproduktion weltweit. Besonders gut vertreten waren die Produktionen der Unternehmen Pathé und Gaumont. Aber auch kleinen Studios wie Film d'Art leisteten ihren Beitrag zur Entwicklung des Kinos, nicht zuletzt durch das Engagement talentierter Theaterschauspieler und -regisseure.

Auf diese Weise begann eine erfolgversprechende Annäherung der französischen Kinokunst an die traditionsreiche Kunst des Theaters, die bis heute sein charakteristisches Kennzeichen ist. Diese Art des Filmemachens brachte zwar internationale Anerkennung (René Clair, Marcel Carné, Jacques Prévert, Jean Renoir, Jean-Luc Godard, François Truffaut, Claude Chabrol), führte nicht immer zwangsläufig zu kommerziellen Erfolgen. Als Ausgleich zu dieser relativ anspruchsvollen Filmart entwickelte sich die Filmkomödie, die mit Max Linder, Jacques Tati, Louis de Funès, Bourvil, Fernandel, Pierre Richard, Gérard Depardieu, Christian Clavier, Dany Boon u.a. Millionen Zuschauer auf der ganzen Welt zum Lachen brachten. Ebenfalls vielbesucht waren die Kostüm- und Abenteuerfilme mit Gérard Philipe, Jean Marais, Jean-Paul Belmondo, Alain Delon und Jean Reno, sowie einige kommerzielle Produktionen von Leos Carax, Jean-Jacques Beineix und Luc Besson.

 

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