Eulaliasequenz

La Cantilène de Sainte Eulalie (ca. 880).
 
Es ist der älteste bekannte literarische Text in französischer Sprache und die Übertragung einer lateinischen "Sequenz", d.h. einer beim Gottesdienst per Sing-Sang vorgetragenen Erzählung, vom Märtyrertod der Hl. Eulalia.
 
Der wohl in Nordostfrankreich entstandene Text besteht aus 30 paarweise assonierenden (=nur mit den Vokalen und nicht auch den Konsonanten der Reimsilben reimenden) Versen unterschiedlicher Länge. Er lässt, wie alle sehr frühen franz. Texte, die Schwierigkeit der Verschriftlichung volkssprachlicher Wörter und Sätze durch sonst in der Regel lateinisch schreibende Kleriker erkennen.
 
Die Eulaliasequenz ist eines der Zeugnisse dafür, dass gegen 900 im franz. Sprachraum die Laien auch das eher schlichte Kirchenlatein nicht mehr verstanden. (Schon 812 hatte das Konzil von Tours aus diesem Grund beschlossen, dass die Predigten nicht mehr in Latein, sondern in "lingua romanica" zu halten seien.) Sie ist zugleich aber ein Zeugnis auch dafür, dass das geistige und potenzielle literarische Leben nach wie vor von den Bedürfnissen der Kirche bestimmt wurden, die ihrerseits die einzige Institution war, die die materiellen und organisatorischen Möglichkeiten hatte, intellektuell und künstlerisch besonders begabte Individuen von den Zwängen der Alltagsarbeit freizustellen, zu fördern und zu unterhalten. Der Anfang der Eulaliasequenz lautet:
 
Buona pulcella fu Eulalia,/ bel auret corps, bellezour anima./ Voldrent la veintre li deo inimi,/ voldrent la faire diaule servir./ Elle non eskoltet les mals conseillers,/ qu'elle deo raneiet chi maent sus en ciel,/ Ne por or ned argent, ne paramenz,/ por manatce regiel ne preiement./ Niule cose non la pouret omque pleier,/ [...] / Tuit oram que por nos degnet preier/ qued avuisset de nos Christus mercit/ post la mort e a lui nos laist venir/ par souue clementia.
 
Gute Jungfrau war Eulalia, schön hatte sie [den] Körper, schöner [die] Seele. [Es] wollten sie besiegen die Gottes Feinde, wollten sie machen dem Teufel dienen. Sie nicht hört die bösen Ratgeber, dass sie Gott verleugnet, der wohnt oben im Himmel, nicht für Gold, noch Silber, noch Schmuck, [noch] durch Drohung königliche, noch Bitte. Irgendeine Sache nicht (=keine Sache) konnte sie jemals beugen (=abbringen). [...] Alle beten wir, dass für uns sie geruht zu bitten, dass habe für uns Christus Gnade nach dem Tod und zu ihm uns lasse kommen durch seine Milde.
 
Die Eulaliasequenz ist eines der Zeugnisse dafür, dass spätestens ab 800 im franz. Sprachraum die Laien auch das eher schlichte Kirchenlatein nicht mehr verstanden. (Schon 813 hatte das Konzil von Tours aus diesem Grund beschlossen, dass die Predigten nicht mehr in Latein, sondern in "lingua romanica" zu halten seien.) Sie ist zugleich ein Zeugnis dafür, dass das geistige und potenzielle literarische Leben nach wie vor von den Bedürfnissen der Kirche bestimmt wurden, die ihrerseits die einzige Institution war, die die materiellen und organisatorischen Möglichkeiten hatte, intellektuell und künstlerisch besonders begabte Individuen von den Zwängen der Alltagsarbeit freizustellen, zu fördern und zu unterhalten.
 
nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

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