Die Dritte Republik

Nach der Niederlage im Französisch-Preußischen Krieg und der Gefangenschaft Napoleons III., wurde am 4. September 1870 in Paris die 3. Republik ausgerufen und somit das 2. Kaiserreich beendet. Die Republikaner Gambetta und Favre bildeten eine provisorische «Regierung der Nationalen Verteidigung» und setzten den Krieg erfolglos fort. Auf Grund der militärischen Unterlegenheit war die Regierung jedoch gezwungen, am 28. Januar 1871 einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Die provisorische Regierung war aber nicht befugt die Nation zu repräsentieren und es wurden Neuwahlen zur Nationalversammlung ausgerufen. Das neue Parlament wählte den erfahrenen Adolphe Thiers zum Präsidenten, der am 26. Februar 1871 den Präliminarfrieden mit Bismarck unterzeichnete. Am 1. März 1871 ratifizierte die Nationalversammlung diesen Vertrag, nach welchem Deutschland außer 5 Milliarden Francs Entschädigung noch das Elsass und Lothringen bekam. Dass die unpopuläre monarchistisch geprägte Nationalversammlung einen Vertrag mit derart ungünstigen Bedingungen akzeptierte, löste in Paris einen Aufstand (Oktober 1870 – Mai 1871) aus, der als Pariser Kommune bekannt ist. Nach zweimonatiger Belagerung und achttägigen Barrikadenkämpfen im Mai 1871 wurde die Pariser Kommune schließlich blutig niedergeschlagen.

Der darauffolgende Frieden brachte jedoch keine Erleichterung: das Fallen der Agrarpreise führte zur Beschleunigung der Landflucht und zur Verstärkung der allgemeinen Wirtschaftskrise. Die politische Situation blieb ebenfalls nicht stabil. Monarchistische Abgeordnete stürzten am 24. Mai 1873 Thiers durch ein Misstrauensvotum, um den Enkel Karls X., den Grafen von Chambord, als Thronanwärter durchzusetzen. Die Bedingungen des Grafen von Chambord (Abschaffung der Trikolore als Nationalflagge, Einführung der absoluten Monarchie) konnten jedoch nicht akzeptiert werden und mit knapper Mehrheit wurde Mac-Mahon zum neuen Präsidenten ernannt. Er fand aber keine Mehrheit in der Nationalversammlung und trat vorzeitig am 30. Januar 1879 zurück. Der Republikaner Jules Grévy wurde zum neuen Präsidenten gewählt. Ihm folgte Sadi Carnot (1887-1894). Zu dieser Zeit verbreitete sich eine nationalistische Bewegung um den Kriegsminister Georges Boulanger, der den mangelnden sozialen Fortschritt und die Instabilität der Regierungen als Anlass nahm, einen Staatsstreich vorzubereiten. Er versammelte seine Anhänger (Boulangisten) mit dem Ziel, die Präsidentschaft abzuschaffen, die Kammer aufzulösen und die Verfassung zu erneuern. Er schreckte jedoch im entscheidenden Moment vor der Anwendung von Gewalt zurück und die Regierung konnte den Staatsstreich verhindern. Boulanger trat zurück und flüchtete nach Belgien. Nach der Ermordung Carnots bei einem Attentat in Lyon wurde Jean Casimir-Perier (1894-1895) und darauf Félix Faure (1895-1899) zum Präsidenten gewählt. Seit 1898 wurde Frankreich durch die Dreyfus-Affäre erschüttert, die das Land in zwei Lager spaltete. Die nationalistischen und antisemitischen Kreise beharrten auf der Schuld des jüdischen Offiziers Alfred Dreyfus, während die Intellektuellen für seine Rehabilitation eintraten. Aus diesen Debatten entstanden einerseits die Parti Sozialiste, die Parti Radical und der Gewerkschaftsbund CGT, andererseits die Action française unter Charles Maurras. Unter den nächsten beiden Präsidenten Emile Loubet (1899-1906) und Armand Fallières (1906-1913) verschärften sich die Spannungen zwischen Bourgeoisie und Arbeitern, die den Streik als wirksames Mittel im Klassenkampf entdeckt haben. Ebenfalls konfliktbeladen waren die Beziehungen zwischen Staat und katholischer Kirche. Eine Reihe von Gesetzen verankerte den Laizismus und einen konsequenten Ausschluss der Kirche aus dem öffentlichen Schulsystem.

Die außenpolitische Situation war ebenfalls nicht einfach, da sich Frankreich für längere Zeit in einer Art Isolation befand. Dem 1913 gewählten Präsidenten Raymond Poincaré (1913-1920)  gelang es Frankreichs Position durch die Bildung der Triple Entente mit Großbritannien und Russland, als Gegenpol zum Dreierbund zwischen Deutschland, Österreich-Ungarn und Italien, zu stärken. Dadurch wurde in der Folge Frankreich in den 1. Weltkrieg hineingezogen.
 
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