Architektur der Moderne

Noch während des Historismus verbreitete sich Eisen als Werkstoff, der in dieser Phase jedoch noch sorgfältig versteckt wurde. So z.B. verfügt die Opéra Garnier in Paris über eine Metallkuppel unter einer neubarocken Verkleidung. Sporadisch wurden Metallkonstruktionen auch als Hauptbaustoff für Brücken (Pont des Arts in Paris) und öffentliche Gebäude (Bibliothek Sainte-Geneviève in Paris) verwendet, besonders wegen der Minderung der Feuergefahr. Den Durchbruch für die Eisenarchitektur erreichte Gustave Eiffel mit dem Bau des Eiffelturms zur Weltausstellung 1889. Mit der zunehmenden Spezialisierung unterschiedlicher Berufszweige in der Architektur ermöglichte den Ingenieuren nicht nur den Architekten zu unterstützen, sondern selbständige Projekte zu verwirklichen. Zuerst traten die Ingenieure beim Bau von Viadukten, Brücken und Industriegebäuden als Architekten in Erscheinung. Dies beeinflusste jedoch nicht nur die Entwicklung der Industriearchitektur, sondern auch das allgemeine Bauwesen.

Die Funktionalität der Gebäude war entscheidend und bestimmte das Aussehen der nun nach Außen hin sichtbaren Konstruktionen. Die breite Verwendung von Glas verstärkte diesen Effekt und machte nun den Bau von öffentlichen Gebäuden in diesem Stil möglich. Beim Gard du Nord und dem Grand Palais in Paris handelt es sich um solche Glas/Eisen Konstruktionen. Die Warenhäuser Bon-Marché und Printemps weisen ebenfalls eine Eisenstruktur auf. Als dritter Werkstoff kam der Beton zum Einsatz, der direkt zwischen die Eisenrippen gegossen wurde und durch seine hohe Spannfähigkeit gewagtere Konstruktionen erlaubte. Aus Eisen und Beton wurden z.B. der Schlachthof in Lyon, das Théâtre des Champs-Elysées in Paris und die Kirche Notre-Dame in Le Raincy erbaut.

Seit der Weltausstellung im Jahre 1900 bekam der Funktionalismus durch die Art Nouveau ein gestalterisches Konzept, wobei das Dekor durch die Funktion des Gebäudes bestimmt wurde. Wie der Jugendstil in Deutschland verwendete die Art Nouveau in Frankreich asymmetrische Ornamente aus langen geschwungenen Linien und Pflanzen. Um 1900 prägte der Art Nouveau Architekt Hector Guimard durch die phantasievolle Gestaltung der Metroeingänge das Pariser Stadtbild, wie z.B. die noch heute erhaltene Métrostation Abbesses. Von Paris aus und Nancy, dem zweiten Zentrum des französischen Jugendstils, der oft auch als Ecole de Nancy bezeichnet wird, verbreitete sich die Art Nouveau in ganz Frankreich. Schöne Art Nouveau Gebäude sind die Villa Majorelle in Nancy, die Halle de Sources in Vichy, das Haus Canivet in Paris u.a. Obwohl die Art Nouveau in Frankreich von relativ kurzer Dauer war, half sie doch den Historismus zu überwinden und Wege für die Moderne Architektur zu eröffnen.

Die jungen Architekten des 20. Jh.s demonstrierten eine komplette Ablehnung aller bisherigen Traditionen und suchten ihre Inspiration eher in der zeitgenössischen Malerei oder Literatur. Dies erklärt die Vielfältigkeit der Erscheinungsformen und Bauverfahren, die jetzt Einzug in die Moderne Architektur erhalten. Das Palais Idéal in Hauterives (1879-1912) des Briefträgers Ferdinand Cheval (inspiriert von surrealistischen Werken), die Wallfahrtskirche Notre-Dame-du-Haut bei Ronchamp (1955) von Le Corbusier (plastischer Stil), das Centre national d'art et de culture G. Pompidou in Paris (1977) von Renzo Piano und Richard Rogers (High-Tech-Stil) und das Finanzministerium in Paris (1987) von Paul Chemetov und Borja Huidobro (Brutalismus) machen die tiefgreifenden Unterschiede in der Modernen Architektur Frankreichs deutlich.

Heute kann man nur bedingt von der Modernen Architektur Frankreichs sprechen, da die Architektur des 20. Jh.s die nationalen Grenzen überschritt und talentierte Architekten zunehmend international tätig wurden. Ausländische Architekten wie Borja Huidobro (Chile), Ieoh Ming Pei (USA), Carlos Ott (Kanada), Kenzo Tange (Japan), Ricardo Bofill (Spanien) u.a. schufen neben den bedeutenden französischen Architekten der Moderne (Le Corbusier, Paul Chemetov, Jean Nouvel...) bedeutende Bauwerke in den französischen Städten.

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