Écoles à tricoter

Der Ausdruck «école maternelle» erschien zum ersten Mal im Jahre 1848, seine Geschichte geht jedoch bis auf das Jahr 1770 zurück, als der Steintalpfarrer Oberlin in den acht Dörfern, die seiner Pfarrei in Ban-de-la-Roche (Vogesen) damals angehörten, die ersten Kleinkinderschulen gründete, die écoles à tricoter genannt wurden.

Oberlins erste Sorge war es, für die Kinder des Dorfes, deren Eltern den ganzen Tag arbeiten mußten, eine Betreuungsmöglichkeit zu schaffen. Jedoch, wie man in seinem Brief an den Nationalkonvent lesen kann, ignorierte der Pfarrer keinesfalls die erzieherische Funktion dieser Einrichtungen:

Es sind ungefähr siebenundzwanzig Jahre, seitdem ich für acht Dörfer und Weiler acht Lehrerinnen aufstellte. Diese guten Mädchen, die meine verstorbene Frau und ich unterrichteten, belehrten ihre jungen Zöglinge mittelst Figuren aus der Geschichte oder dem Thier- und Pflanzenreich, auf welche ich die Namen auf Französisch und Patois nebst einer kurzen Beschreibung geschrieben hatte. Sie theilten sie ihnen zuerst auf Patois mit, hernach sagten sie ihnen die französische Benennung und ließen dieselbe dann insgesammt französisch wieder hersagen. Um ihre Hände zu gleicher Zeit zu beschäftigen, lehrten sie die Kinder das Stricken, welches damals in jener Gegend noch unbekannt war. Hierauf machten sie denselben Vergnügungen durch solche Spiele, die den Körper üben, die Gliedmaßen gelenkig machen, zur Gesundheit beitragen und wodurch sie hauptsächlich in Ehrbarkeit und ohne Streit spielen lernten. An schönen Tagen ging man mit ihnen spazieren, wobei die Kinder Pflanzen pflückten, deren Namen ihnen die Vorsteherinnen sagten und dieselben sodann mehrmals wiederholen ließen. — Diese ganze Unterrichtsweise glich vollkommen einem Spiel, einer fortlaufenden Unterhaltung. (Zitiert nach: Erning, 1976, S. 11-12.)

Obwohl die Kirche diese Initiative unterstützte, verbreitete sich das Werk Oberlins zumindest in Frankreich nicht weiter. Nach seinem Tod wurde im Jahre 1827 eine Stiftung gegründet, die seine Arbeit fortsetzen wollte. Aber nur sehr langsam und auf einem anderen Weg haben sich die Institutionen der Vorschule verbreitet.

Dazu bedurfte es zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch des Erfolges der infant schools in England. Sie wurden durch einen Philanthropen, den Industriellen Robert Owen, gegründet und setzten das Fundament sowohl für die écoles gardiennes in Belgien und Holland, als auch für die escuelas de parvalos in Spanien, die asilis in Italien und die salles d'asile in Frankreich.

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