École maternelle

Die Entwicklung der Integration der salles d'asile in das französische Bildungssystem endete durch einen Erlass am 2. August 1881. Dieses Dokument beschrieb im Großen und Ganzen den sozialen Status und den Platz der écoles maternelles im französischen Bildungssystem, als auch die vorrangigen Richtungen der Erziehung:

Les écoles maternelles, publiques ou libres, sont des établissements d'éducation où les enfants des deux sexes reçoivent les soins que réclame leur développement physique, intellectuel et moral. Les enfants peuvent y être admis dès l'âge de deux ans accomplis, et y rester jusqu'à ce qu'ils aient atteint l'âge de sept ans. (Zitiert nach Ministère de l'Éducation Nationale, 1986, S. 29.)

In diesem Erlass wurde die öffentliche école maternelle als eine freiwillige, kostenlose und weltliche Schule proklamiert mit Eigenschaften, die sie bis heute erhalten konnte und auf die sie stolz ist. Den ersten Platz in den Unterrichtsprogrammen bekam die moralische Erziehung. Ebenfalls wichtig waren Elemente einer Körpererziehung und einer künstlerischen Erziehung, Aktivitäten zur schriftlichen und mündlichen Kommunikation, Elemente der Geschichte und der Geographie, sowie manuelle Übungen.

Die offiziellen Texte in der Zeit von 1882 - 1887 bestärkten die Integration der école maternelle in den Aufbau der école primaire, von der sie nun die erste Stufe bildete, und konkretisierten ihre Aufgaben und Ziele.

So beschreibt der Erlass vom 28. Juli 1882 die Besonderheiten der école maternelle im Innern des Bildungssystems:

… ce n'est pas une école au sens ordinaire du mot : elle forme le passage de la famille à l'école, elle garde la douceur affectueuse et indulgente de la famille, en même temps qu'elle initie au travail et à la régularité de l'école… les directrices devront se préoccuper moins de délivrer à l'école primaire des enfants déjà fort avancés dans leur instruction que des enfants bien préparés à s'instruire. (Zitiert nach Ministère de l'Éducation Nationale, 1986, S. 29-30.)

Durch den Erlass vom Januar 1884 wurden die Beschäftigten der salles d'asile durch die Lehrerinnen (les institutrices) der école primaire ersetzt, und die Ecole normale d'institutrice erhielt den Auftrag, diese nunmehr sowohl für die école primaire, als auch für die école maternelle auszubilden.

Das Dekret vom 8. Januar 1887 enthielt Anweisungen für die Räumlichkeiten, das Mobiliar und das Unterrichtsmaterial. Nach der Realisierung dieses Dokuments waren alle Bänke aus den écoles maternelles verschwunden. Sie wurden durch ovale Tische, Stühle mit unterschiedlicher Höhe und Spielzeug unterschiedlichster Art ersetzt.

Das Gesetz vom 18. Januar 1887 war eine logische Folge des vorhergegangenen Dokuments. Es legte mit Genauigkeit die Wirkungsweise der écoles maternelles fest, konkretisierte den Inhalt des Unterrichts und sah die Unterteilung der Kinder in zwei Sektionen nach den folgenden zwei Kriterien vor: das Alter und die geistige Entwicklung. Die Wichtigkeit, die man diesem letzten Kriterium beimaß, hatte eine zunehmende Erschwerung der Anforderungen in den Bildungsprogrammen zur Folge. Die Disziplin, das Lesen, das Schreiben und das Rechnen nahmen erneut zuviel Platz ein.

Aber die Ideen von Marie Pape-Carpentier und Victor Duruy waren noch nicht vergessen worden, und den Vertretern einer intensiven Verschulung der Vorschulerziehung standen tatkräftige Gegner entgegen. Ausdrücklich genannt sei hier der Name der inspectrice générale des écoles maternelles, Pauline Kergomard. Im Jahre 1905 schickte sie ein Rundschreiben an die Präfekten und die Inspektoren, in dem sie, zur Charakterisierung der aktuellen Methoden, den Begriff «mörderische Erziehung» («éducation homicide») gebrauchte. Ihre Aktivitäten führten zu beachtlichen Veränderungen in der Doktrin der französischen Pädagogik hin zu der Respektierung des Kindes, einer Distanzierung zu allen stark verschulten Übungen, zu der Anerkennung des Spiels als natürliche Form der kindlichen Aktivität, als auch zu einer tieferen Kenntnis über die Psychologie des Kindes aus Sicht einer Pädagogik, die seine Entwicklung begünstigt.
Die Texte, die in den Jahren 1921-1922 erschienen, bekräftigten die Veränderungen und unterstrichen die Priorität der erzieherischen Rolle in den écoles maternelles:

…dans ces établissements, le souci d'éducation doit primer celui de l'instruction […] ce n'est pas dire que les enfants de l'école maternelle ne doivent rien apprendre; mais c'est dire qu'ils doivent apprendre en exerçant leurs sens et leurs muscles plus qu'en lisant les livres ou en écoutant des leçons. (Zitiert nach Ministère de l'Éducation Nationale, 1986, S. 32.)

Dies war ein Rückgriff auf eine Pädagogik, die auf das Alter des Kindes abgestimmt war. Die naturalistische Methode wurde bestätigt und die Benutzung von Alltagsgegenständen und von Spielzeug begünstigt. Als Konsequenz dieser Veränderungen wurden die Lehrpläne (les programmes d'enseignement) der école maternelle revidiert und nach dieser Doktrin ausgerichtet. Ein Beispiel aus dem Programm von 1921, das den Bereich der Sprache angeht, soll diese Veränderungen verdeutlichen:

  • Petite section : exercices de prononciation à l'aide des images et des exercices de mémoire. Aucune exercice de lecture.
  • Grande section : comme précédemment.

Die offiziellen Dokumente haben des Weiteren die Zeiteinteilung, die Unterteilung in Sektionen und die Arbeitsbedingungen der Lehrerinnen präzisiert. Die Arbeitszeiten und die Ferienordnung der Lehrerinnen der école maternelle wurden an die Regelungen ihrer Kolleginnen der école primaire angepasst. Die Ausbildungsregelungen für die Beschäftigten der école maternelle erfuhren ebenfalls weitgehende Veränderungen. Das Dekret vom 15. Juli 1921 teilt mit:

Seront nommées institutrices d'école maternelle ou de classes enfantines, de préférence à toutes autres candidates, les maîtresses qui auront obtenu au brevet supérieur la mention : pédagogie de l'école maternelle, puériculture, hygiène et sciences appliquées à la puériculture et à l'hygiène. (Zitiert nach Ministère de l'Éducation Nationale, 1986, S. 32.)

Seit Mitte der 20-iger bis zu den 70-iger Jahren jedoch wurden die écoles maternelles von Seiten des Staates nicht weiter beachtet. Dies ermöglichte einerseits die Verwirklichung der in den offiziellen Texten von 1921-1922 geforderten Veränderungen und gab andererseits der école maternelle die Möglichkeit, sich ohne äußere Einflussnahme durch zahlreiche Anweisungen, Dekrete und Erlasse zu entwickeln. Dies war zudem, vor allem seit den fünfziger Jahren, die Zeit einer «véritable généralisation de la préscolarisation», deren Resultat ein Zuwachs der Schulen und der Schülerzahlen sowie einer Verbesserung der gesellschaftlichen Akzeptanz war.

Die nächste durch Reformen gekennzeichnete Periode begann 1972 mit einem Dekret, das die Anstellung der Männer in der Funktion des Inspektors eines Departements (eine Einrichtung, die im Jahre 1910 unter dem Einfluss von Pauline Kergomard gegründet worden war) erlaubte. Die neuen Inspektoren werden seither für zwei Aufgaben ausgebildet: in jedem Fall für die école primaire und wahlweise für eine spezialisierte Pädagogik (Behinderte, Gehörlose, usw.) oder die école maternelle. Diese Situation wirkte sich günstig auf die Festigung der Verbindung zwischen der école maternelle und der école primaire aus.

Das Gesetz vom 11. Juli 1975 präzisierte die neuen Bedingungen für die Anmeldung in der école maternelle (zum Beispiel garantierte der Staat jedem Kind ab dem fünften Lebensjahr einen Platz in einer école maternelle oder, falls es diese nicht gibt, in einer Vorschulklasse einer école primaire) und ihre Aufgaben: Förderung der Persönlichkeit des Kindes, Vorbeugung schulischer Schwierigkeiten, Früherkennung von Behinderungen und Ausgleich von sozialen Ungleichheiten.

Im Jahre 1977 wurde ein Text (Rundverfügung Nr. 77-266 vom 2. August) über die Arbeitsmethoden in der école maternelle veröffentlicht. Dort liest man, dass der vorschulische Unterricht eine umfassende Erziehung und eine harmonische Entwicklung der Persönlichkeit anstrebt. Dies wird durch eine Pädagogik der Handlung und der Kommunikation gewährleistet. Diese Pädagogik, die «auf das Kind zentriert ist, entwickelt sich in realen Situationen und organisiert sich durch Aktivitäten, die alle eine Wichtigkeit haben, sowohl für die allgemeine Entwicklung des Kindes als auch für die Vorbereitung auf die école primaire».

Dieser Text wurde durch die Rundverfügung Nr. 86-046 vom 30. Januar 1986 «Orientations pour l'école maternelle» außer Kraft gesetzt. Doch dies bedeutete mehr als nur ein Austausch offizieller Dokumente. Es handelte sich um tiefgreifende Änderungen in der pädagogischen Lehre, die die «école maternelle explizit in den Dienst der bildungspolitischen Expansionspläne stellte» (Nieser, 1990, S. 96.). Sehr knapp geschrieben wurde der Akzent auf die Unterrichtsziele, insbesondere auf das Lernen gelegt, ohne eine nötige Strukturierung zu geben. Zu dieser Knappheit kam weiterhin eine extreme Ungenauigkeit. So gab diese Rundverfügung für die Ziele — Gewöhnung an das schulische Milieu, Sozialisierung und Lernen und Üben — lediglich allgemeine Orientierungen an, ohne die pädagogischen Ziele genauer zu konkretisieren.

Die nötige Konkretisierung wurde 1989 durch das Loi d'orientation sur l'éducation en France nachgereicht. Dieses Gesetz legte nicht nur die Rolle der école maternelle innerhalb der neuen Bedingungen fest und verkündete die Gründung des I.U.F.M., sondern richtete ebenfalls die neue Organisation des Unterrichts nach mehrjährigen Zyklen ein, deren Verwirklichung eine genaue Ausführung der vorgegebenen Unterrichtsinhalte, sowie die regelmäßige Kontrolle der erlangten Kenntnisse der Schüler vorsieht.

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