Das Zweite Kaiserreich

Nach einem Staatsstreich am 2. Dezember 1851 änderte Louis-Napoléon Bonaparte die Verfassung und ersetzte die 2. Republik durch ein Kaiserreich. Seine feierliche Krönung fand ein Jahr später am Jahrestag der Kaiserkrönung seines berühmten Onkels, Napoléon I., statt. Zuerst übernahm er die absolute Macht. Das Parlament (in dieser Zeit "Corps législatif" genannt) besaß keinerlei Gesetzesinitiative. Es konnte lediglich vom Kaiser vorgelegte Gesetzesvorlagen billigen.

Mit Unterstützung von Armee, Polizei und Kirche gelang es Napoléon III. die Situation im Land zu entspannen. Die Opposition zog sich aus dem politischen Geschehen zurück oder schloss sich dem Regime an. Einzelne Attentate gegen den Kaiser (z.B. am 14. Januar 1858 durch den revolutionären Italiener Felice Orsini) schlugen fehl und mündeten in verstärkten Verfolgungen und Verbannungen von Republikanhängern. Wirtschaftlich gelang es Napoléon III. Frankreich zu Wachstum und Wohlstand zu führen. Durch gezielte Initiativen entwickelte seine Regierung ein modernes Bankensystem, förderte den Eisenbahnbau und führte breit angelegte Arbeitsbeschaffungsprogramme durch. Besonders sichtbar sind auch heute noch seine städtebaulichen Großprojekte in Marseille, Bordeaux und vor allem in Paris. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde eine der größten europäischen Städte nach einem Gesamtkonzept neugestaltet. Breite, mit Gaslaternen beleuchtete Boulevards ersetzten dunkle, schmutzige Sträßchen und es entstanden zahlreiche pompöse Paläste, Brücken und Plätze. Die Pariser Oper verkörpert vielleicht am Besten den Glanz dieser Epoche. Die Weltausstellungen von Paris in den Jahren 1855 und 1867 sollten auch nach Außen hin die industriellen Errungenschaften demonstrieren.

Seit 1861 verstärkten sich die republikanischen Tendenzen in der Opposition. Um dem Entstehen einer Gegenbewegung zuvorzukommen, änderte Napoléon III. seinen Regierungsstil. Er überließ dem Parlament einige Kompetenzen, erweiterte die Pressefreiheit und erlaubte die Bildung von Arbeiterkoalitionen. Außenpolitische Misserfolge (Mexikanischer Krieg 1862 – 1867, Deutsch-Österreichischer Krieg 1866) und eine globale Wirtschaftskrise schwächten die Position des Kaisers. Selbst die Einführung des parlamentarischen Systems im Jahre 1870 kam zu spät, um das Kaiserreich noch zu retten. Napoléon III. suchte einen Ausweg im Krieg, den er am 19. Juli 1870 Preußen erklärte, um die deutsche Einheit zu verhindern. Frankreich trat absolut unvorbereitet in diesen Krieg ein und nach der Niederlage bei Sedan am 1. September geriet der Kaiser zusammen mit 100000 Soldaten in Kriegsgefangenschaft. Bei dieser Nachricht brach in Paris ein Arbeiteraufstand aus, der zur Ausrufung der 3. Republik am 4. September 1870 führte. Nach seiner Freilassung ging Napoléon III. nach London ins Exil, wo er 3 Jahre später starb.

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