Urfé, Honoré d'

Geburtsdatum: 11. Februar 1568
Geburtsort: Marseille
Sterbedatum: 1. Juni 1625
Sterbeort: Villefranche-sur-Mer
 
Sein Name ist verbunden mit L'Astrée, einem so umfang- wie erfolg- und einflussreichen Schäfer-Roman. D'Urfé wird als jüngerer Sohn aus einer alten adeligen Familie früh für den Malteserorden bestimmt und besucht das Jesuiten-Kolleg in Tournon-sur-Rhône. Mit 17 veröffentlicht er ein erstes Schäfergedicht, mit etwa 20 hat er die Idee zu einem Schäferroman (roman pastoral) nach italienischen und spanischen Vorbildern, d.h. vor allem Tassos Aminta, Guarinis Il pastor fido, Montemayors Diana und Cervantes' Galatea. 1590 schließt er sich als junger Offizier der Armee der Katholischen Liga an (die den zunächst noch protestantischen neuen König Heinrich IV. nicht anerkennt und im Bündnis mit dem König von Spanien und dem Herzog von Savoyen gegen ihn einen Bürgerkrieg führt). Nach der Niederlage der Liga geht d'Urfé 1595 ins Exil nach Savoyen, mit dessen Herrscherfamilie er über seine Mutter verwandt ist. Hier heiratet er 1600 seine Jugendliebe, die (inzwischen geschiedene) Frau seines älteren Bruders, von der er sich jedoch bald wieder trennt. Nachdem endlich Ruhe eingekehrt ist in Frankreich, macht auch d'Urfé seinen Frieden mit Heinrich IV. und geht nach Paris, wo er dem König als gentilhomme ordinaire (eine Art Edeldomestik) dient und in den einschlägigen Salons verkehrt. Zugleich nimmt er seinen vor langer Zeit begonnenen Schäferroman wieder auf. Wie dessen Titel L'Astrée andeutet, spielt die Handlung nicht, wie in den o.g. literarischen Vorbildern, in einem räumlich und zeitlich fernen legendären Arkadien, sondern in Frankreich, genauer im Forez, d'Urfés Heimatgegend am Oberlauf der Loire. Immerhin wird sie zurückverlegt in das 5. Jh. n. Chr., d.h. die Zeit der Völkerwanderung, von deren Wirren, das Forez aber ausgenommen scheint.

1607 wird der erste Band der Astrée gedruckt, 1610, 1619 und 1624 drei weitere Bände, denen d'Urfés langjähriger Sekretär Baro 1627 einen fünften Band hinzufügt, der wohl grosso modo der originalen Konzeption entspricht. Die etwa 5000 (!) Seiten lange Astrée besteht aus einer Haupthandlung, in die nach dem Schubladenprinzip zahlreiche Nebenhandlungen, Binnenerzählungen sowie lange Diskussionen der Figuren über Liebesprobleme eingebettet sind. Die Haupthandlung erzählt die Geschichte der Liebe des anfangs 14-jährigen Céladon zu der 12-jährigen Astrée, die ihn wegen seiner vermeintlichen Untreue verstößt und erst nach langen, langen Prüfungen wieder aufnimmt. (In Bd. III z.B. lebt Céladon als angebliche Druidentochter unerkannt mit Astrée in engster Freundschaft zusammen, was ihn öfters in Bedrängnis bringt.)

Die Astrée hatte wegen der psychologischen Einfühlsamkeit der Personen-Darstellung, der eleganten Reden dieser Personen und des schönen Dekors, in dem die Handlung spielt, einen enormen und langandauernden Erfolg in adeligen, aber auch in bürgerlichen Kreisen. Sie diente als Vorlage für andere Schäferromane, Schäfergedichte, Schäferspiele, Schäferopern und -ballette, sowie für viele Gemälde, Stiche, Wandteppiche usw. Der männliche Protagonist Céladon wurde zum Prototyp des schmachtenden, schüchternen Liebhabers; sein Name ist ins französische Lexikon eingegangen in der Wendung "être un Céladon".

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

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