Stael, Germaine de

eigentlich Anne-Louise-Germaine de Staël-Holstein,
 
Geburtsdatum: 22. April 1766
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 14. Juli 1817
Sterbeort: Paris
 
Diese als Person und Autorin gleichermaßen interessante, in der Literaturgeschichte schlicht "Mme de Staël" genannte Frau ist geboren und aufgewachsen in Paris als Tochter des aus Genf stammenden Bankiers und zeitweiligen franz. Finanzministers (1777 und erneut 1789) Jacques Necker.

Im Salon ihrer schöngeistig interessierten Mutter lernt sie viele Autoren der Spätaufklärung kennen und entwickelt sie ihre vielfältigen Talente. Früh auch macht sie Schreibversuche, verfasst z.B. mit 12 eine Komödie. 1786 ehelicht sie mit knapp 20 den erheblich älteren schwedischen Botschafter Baron von Staël-Holstein, der sie am Königshof einführt und mit dem verheiratet sie vier Kinder haben wird (von denen das erste früh stirbt und das letzte außerehelich gezeugt ist), ehe sie sich 1800 von ihm trennt, nachdem sie mehrfach nebenher Geliebte hatte, aber auch häufig unfreiwillig von ihm entfernt leben musste.

1789 sympathisiert Mme de Staël, wie so viele liberale Adelige, zunächst mit der Revolution 1789. Ihr Salon ist ein Treffpunkt der gemäßigten Revolutionäre, und große Teile der ersten Verfassung von 1790 werden hier ausgearbeitet. Auch weiterhin versucht sie den Gang der Dinge mitzubestimmen, und zwar direkt über eine (allerdings nicht sehr umfängliche) publizistische Tätigkeit und indirekt über die Einflussnahme auf einflussreiche Männer, z.B. den comte de Narbonne, der seit 1788 ihr Geliebter ist und 1790/91 kurz Kriegsminister wird.

Als die Gemäßigten 1792 zunehmend ins politische Abseits, wenn nicht in Köpfungsgefahr geraten, flüchtet Mme de Staël auf das elterliche Landgut Coppet bei Genf, wo sie andere Paris-Flüchtlinge beherbergt, oder sie geht auf Reisen, z.B. 1793 nach England.

1794 lernt sie den (verheirateten) politischen Publizisten und späteren Romancier Benjamin Constant kennen, mit dem sie bis 1811 eine intermittierende, nervenaufreibende Beziehung unterhält (aus der wohl 1797 ihr viertes Kind hervorgeht), aber auch die Entwürfe ihrer und seiner politischen Schriften diskutiert.

Nach dem Sturz Robespierres (1794) und dem Ende der Schreckensherrschaft kehrt sie 1795 nach Paris zurück, hat aber auch mit den neuen Machthabern des Directoire ihre Probleme und wird zeitweilig aus der Hauptstadt verbannt. Ab 1799 ist sie einer der Eckpfeiler des Widerstandes gegen den neuen starken Mann, Napoléon Bonaparte, den sie zusammen mit Constant zunächst unterstützt hatte, dem sie aber schon bei ihrer ersten Begegnung 1797 unsympathisch war und der sie 1802 aus Paris verbannen wird.

1800 publiziert Mme de Staël die bedeutende Abhandlung De la littérature considérée dans ses rapports avec l'état moral et politique des nations. Hierin formuliert sie als eine der ersten die Theorie, dass literarische Werke geprägt sind durch das konkrete Umfeld, innerhalb dessen sie entstehen, worunter sie sinnfälligerweise vor allem die jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse versteht, allerdings auch die klimatischen und sonstigen äußeren Bedingungen der betreffenden Region. In diesem Sinn ruft sie die quasi zwischen Nord und Süd plazierten franz. Literaten auf, sich nicht mehr nur an der heidnischen mediterranen Kultur der Antike zu inspirieren, sondern auch an der christlich geprägten Kultur des mittelalterlichen Mittel- und Nordeuropas, womit sie der beginnenden Romantik den Weg weist.

1802 erscheint ihr erster Roman: der wohl nicht zuletzt von ihrem schwierigen Verhältnis zu Constant inspirierte Briefroman Delphine. In dessen Mittelpunkt steht eine für die damalige Zeit relativ emanzipierte Frau, die ihr Glück mit dem Mann, den sie liebt und der sie ebenfalls liebt, nicht findet, weil er nicht die Kraft hat, sich gegen die herrschenden Konventionen aus seiner Ehe zu lösen.
Auch Mme de Staëls zweiter Roman, Corinne ou l'Italie, der 1805/06 nach einer längeren Italienreise entsteht und 1807 sehr erfolgreich erscheint, zeigt eine für die damaligen Verhältnisse relativ emanzipierte Frau, die mit ihrer Liebe zu einem zwar gutwilligen, aber dieser Emanzipiertheit nicht gewachsenen Mann scheitert.

Nach einer Deutschlandreise 1803/04, auf der sie den Literaturkritiker und -historiker August-Wilhelm Schlegel kennenlernt (den sie als Mentor für sich sowie als Hauslehrer für ihre Kinder gewinnt), aber auch viele andere Autoren kontaktiert, darunter Wieland, Schiller und Goethe, schreibt Mme de Staël ihr meistgelesenes, langfristig wirksamstes Buch: De l'Allemagne. Es wird jedoch sofort nach seinem Druck 1810 verboten und kommt erst 1813 in London heraus. De l'Allemagne versucht den Franzosen ein stark idealisiertes Deutschland als Kontrast und z.T. auch als Vorbild für das militaristische und von Napoleon zentralistisch und diktatorisch regierte Frankreich jener Jahre vorzustellen. Das Bild eines regionalistisch-vielfältigen, musik-, philosophie- und literaturbegeisterten, mittelalterlich-pittoresken, aber auch etwas verschlafenen und damit insgesamt harmlos-freundlichen Deutschlands, das es so entwirft, wird nach 1815 jahrzehntelang die Sicht der franz. Eliten prägen und ihnen verschleiern, dass ihr Nachbarland dabei ist, Frankreich demographisch, wirtschaftlich und militärisch zu überholen.

Die letzten Lebensjahre, bevor sie 1817, erst 51-jährig, kurz nach einem Schlaganfall stirbt, verbringt Mme de Staël überwiegend auf ihrem Landsitz Coppet. Hier schreibt sie an ihren Memoiren (postum als Dix années d'exil erschienen) und anderen Schriften, beherbergt Freunde und Intellektuelle, darunter z.B. Lord Byron, und bringt im März 1812 insgeheim noch ein letztes Kind von einem Geliebten zur Welt (den sie 1816 heimlich heiraten wird).

Häufig ist sie aber auch auf Reisen, die sie 1812 (!) nach Wien, Moskau, Sankt Petersburg und Stockholm, 1813 nach London, 1814 für längere Zeit nach Paris und 1816 nach Pisa führen. Hier verheiratet sie ihre (und Constants) Tochter Albertine mit einem duc de Broglie und wird damit zur Stamm-Mutter einer ganzen Reihe bedeutender franz. Persönlichkeiten dieses Namens bzw. aus dieser Familie.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
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