Sorel, Charles

Geburtsdatum: um 1602
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 7. März 1674
Sterbeort: Paris
 
Sohn aus einer Pariser Juristenfamilie, betritt Sorel als ganz junger Mann 1623 höchst erfolgreich die literarische Bühne mit La vraie histoire comique de Francion, dem ersten französischen Picaro-Roman nach spanischen Vorbildern (z.B. dem Lazarillo de Tormes von 1554). Es ist die Geschichte eines jungen Provinzadeligen namens Francion, der zunächst ein Liebesabenteuer mit einer verheirateten Frau hat, dann aber eine ideale Geliebte wiederzufinden versucht, die nach Italien entschwunden ist und die er schließlich auch bekommt. Eingefügt in diese in der dritten Person erzählte Haupthandlung, die zunächst bei und in Paris, dann in und bei Rom spielt, sind längere Einschübe, in denen verschiedene Erzähler und Erzählerinnen, darunter der Protagonist selbst, in der Ich-Form rückblickend aus ihrem mehr oder weniger bewegten Leben berichten. Hierbei gibt Sorel in einer für die Zeit sehr realistischen Weise Einblick in die Lebensverhältnisse fast aller Schichten der damaligen franz. Gesellschaft, die im Rahmen spannender Handlungssequenzen nicht ohne Witz und Satire dargestellt werden. Der Francion wurde das ganze 17. Jh. hindurch ständig nachgedruckt und vielfach imitiert. 1627/28 publiziert Sorel einen weiteren, nur passabel erfolgreichen Roman, Le Berger extravagant. Es ist die quasi mit pädagogischen Intentionen erzählte Geschichte eines jungen Pariser Bourgeois, der nach allzu ausgiebiger Romanlektüre unter dem Spott seiner Freunde als Schäfer mit dem romanesken Namen Lysis zu leben versucht, schließlich aber von seiner Torheit geheilt wird. In diesem teilweise reichlich lehrhaften "Anti-Roman" (so der Titel der überarbeiteten Version von 1633/34) persifliert Sorel die von Honoré d'Urfés L'Astrée ausgelöste Mode der Schäfergedichte, Schäferstücke, Schäferromane und schäferlichen Gesellschaftsspiele aller Art. 1635 kauft er von einem Onkel das Amt eines Historiographe de France, das zwar nur mäßig dotiert ist, aber eine Beinahe-Sinecure darstellt, die es einem Literaten erlaubt, einigermaßen unabhängig von Mäzenen und von der Gunst des Publikums zu schriftstellern. Dies tut Sorel denn auch mit Fleiß noch viele Jahre, wobei er neben zwei weiteren Romanen vorwiegend ernsthaftere "livres d'histoire, de morale et politique" verfasst (z.B. eine Histoire de Louis XIII, 1646), jedoch an den großen Erfolg des Francion und den immerhin passablen des Berger nicht anknüpfen kann, die die Entwicklung der franz. Literatur beeinflusst haben und ihrem Autor bis heute eine gewisse Bekanntheit sichern. Von Interesse ist Sorel übrigens auch als Historiker der Literatur seiner Zeit (La Bibliothèque française, 1664, und De la connaissance des bons livres, 1671), wobei er der erste in Frankreich ist, der so etwas versucht.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

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