Scarron, Paul

Geburtsdatum: 4. Juli 1610
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 7. Oktober 1660
Sterbeort: Paris
 
Dieser zu seiner Zeit recht erfolgreiche, heute oft als eine Art Kontrastfigur zur Klassik gesehene Autor stammt aus einer Juristen-Familie der bonne bourgeoisie parlementaire parisienne, erhält eine gute Bildung und lässt sich die Niederen Weihen erteilen, die ihm z.B. das Besetzen einer einträglichen Domherrenpfründe in Le Mans erlauben. Eine Reise nach Rom vervollständigt seine Bildung. Nach seiner Rückkehr findet er Anschluss an die Literatenkreise in Paris. Ab 1638 allerdings wird sein Leben durch eine fortschreitende Muskellähmung erschwert. 1652 heiratet er, obwohl selber nicht eben reich, eine mittellose 16-jährige kleinadelige Waise: Françoise d'Aubignée (die spätere Madame de Maintenon und Gattin "linker Hand" von Ludwig XIV.), die ihm durch kluge und wohlgesetzte Briefe aufgefallen war. Dank dem Witz und dem Galgenhumor Scarrons selbst, aber nicht zuletzt auch dank dem Charme und Esprit seiner jungen Frau ist sein Haus ein Treffpunkt von Literaten und geistig interessierten Aristokraten. Als ausgesprochener Vielschreiber, der er ist, betätigt Scarron sich in fast allen Gattungen und kann halbwegs vom Verkauf seiner Werke und von den Zuwendungen seiner Hauptmäzene, Kardinal de Retz und Finanzminister Fouquet leben (was ihn für den Verlust des Domherrenstuhls bei seiner Heirat entschädigt). Sein größter Erfolg ist Le Roman comique (2 Bde, 1651 und 1657), ein auch heute noch gut lesbarer burlesker Roman, dessen Rahmen- und Haupthandlung mit derber Komik den heroisch-galanten Roman persifliert und dessen eingelegte Novellen und Binnenerzählungen im galant-sentimentalen Ton spanischer Vorbilder gehalten sind. Scarron ist aber auch erfolgreich als Autor von Degen und Mantel-Stücken im spanischen Stil sowie als Verfasser einer burlesken Parodie von Vergils AEneis (Le Virgile travesti, 1648-52). Vielleicht zu Unrecht wurde ihm eine gegen den allmächtigen Minister Kardinal Mazarin gerichtete Polit-Satire (La Mazarinade, 1651) zugeschrieben, was Scarron nach der Niederschlagung des letzten bewaffneten Aufstands anti-absolutistischer Kräfte gegen Mazarin, der sog. Fronde (1648-52), in Schwierigkeiten bringt und zu einer mehrmonatigen Entfernung aus Paris veranlasst.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

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