Scève, Maurice

(ca. 1500 - ca. 1560)
 
Er gilt mit seinem 449 Gedichte umfassenden Zyklus Délie, objet de plus haute vertu (1544) als der bedeutendste Autor der um 1550 blühenden sog. Lyoneser Dichterschule. Die jeweils aus zehn zehnsilbigen Versen bestehenden, also einstrophigen Gedichte sind allesamt sehr kunstvoll, oft hermetisch, und sind gerichtet an eine als grundsätzlich unerreichbar vorgestellte ideale Geliebte. Hiermit stehen sie stilistisch und thematisch in der Tradition der sog. petrarkistischen Lyrik, einer von Francesco Petrarca (1304-1374) inaugurierten und in ganz Mittel- und Westeuropa rezipierten und zwei Jahrhunderte hindurch imitierten Art der Liebesdichtung. Scève kannte sich übrigens nicht nur in der italienischen Literatur aus (sowie selbstverständlich in der lateinischen und griechischen), sondern auch in der spanischen, deren "siglo de oro" (Goldenes Zeitalter) gerade begann und zu deren ersten franz. Übersetzern er zählt. Seine Heimatstadt Lyon kann zu diesem Zeitpunkt übrigens mit Paris nicht nur wirtschaftlich konkurrieren, sondern auch kulturell, weil es nicht von einer Institution wie der Sorbonne kontrolliert und geistig erdrückt wird, sondern ein für alle Einflüsse offenes Zentrum ist, was sich z.B. auch in einer großen Zahl von Druckereien und einer beachtlichen Buchproduktion niederschlägt.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

Tags: 

Terminkalender

S M D M D F S
 
 
 
1
 
2
 
3
 
4
 
5
 
6
 
7
 
8
 
9
 
10
 
11
 
12
 
13
 
14
 
15
 
16
 
17
 
18
 
19
 
20
 
21
 
22
 
23
 
24
 
25
 
26
 
27
 
28
 
29
 
30
 
 
 

Ferienhäuser

Hotels in Frankreich