Saint-Simon, Henri de

= eigentlich Claude-Henri de Rouvroy, Graf von Saint-Simon
 
Geburtsdatum: 17. Oktober 1760
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 19. Mai 1825
Sterbeort: Paris
 
Der in der Regel schlicht unter Saint-Simon figurierende Autor ist zwar kein belletristischer Literat, aber durch seinen starken Einfluss auf viele Schriftsteller, insbes. die Generation der Romantiker, ein wichtiger Name in der franz. Literaturgeschichte.

Aus hochadeliger Familie stammend, wird Saint-Simon (ein entfernter Verwandter des gleichnamigen Memoirenautors) zunächst Offizier und kämpft nach 1776 im amerikanischen Befreiungskrieg gegen England auf Seiten der Aufständischen, die insgeheim von Frankreich unterstützt werden.

1789 sympathisiert, wie so viele liberale Adelige, auch er zunächst mit der Revolution 1789, 1794 aber entkommt er nur knapp der Guillotine. Durch die Enteignung seiner Güter während des Terrorregimes verarmt, zieht er nach der Machtergreifung des gemäßigten Directoire (1795) eine Spedition auf, wird fast reich, sieht sich dann aber von einem Geschäftspartner geprellt und ruiniert.
Hiernach lebt er mühsam als freischwebender Intellektueller, treibt naturwissenschaftliche und philosophische Studien und beginnt, gesellschafts- und staatstheoretische Schriften zu verfassen, die zunächst meist ungedruckt bleiben, z.B. Lettres d'un habitant de Genève à ses contemporains (1802), Essai sur l'organisation sociale (1804), Introduction aux travaux scientifiques du XIXe siècle (1807), Histoire de l'homme (1810), Mémoire sur la science de l'homme (1814).

Zur Zeit der Restauration nach Napoleons Sturz 1815 wird Saint-Simon allmählich bekannt, zunächst als Publizist mit kurzlebigen, aber einflussreichen Zeitschriften, z.B. L'Industrie (1816-18). Zum Quasi-Propheten und zum Vordenker der in den 1830er und 40er Jahren sehr bedeutsamen wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Schule der Saint-Simoniens wird er schließlich mit den Schriften Du système industriel (1820-22), Catéchisme des industriels (1823/24) und De l'organisation sociale (1824).

Hierin vertritt er die damals ganz revolutionäre Ansicht, dass nur die industriels, d.h. die mit ihrer Arbeitskraft Güter und Dienstleistungen produzierenden Individuen, nützliche Mitglieder der Gesellschaft seien und dass der dem Einzelnen zustehende Anteil am gemeinsam erwirtschafteten Wohlstand nach seiner eingebrachten Leistung zu bemessen sei, womit parasitäre Klassen wie der Adel oder Rentiers leer ausgingen, während z.B. sowohl die Unternehmer als auch die Arbeiter jeweils ihre angemessene Entlohnung erhielten.

Saint-Simon gilt zugleich als Mitbegründer der wissenschaftlichen Soziologie und des politischen Sozialismus. Mit seinem postum gedruckten Buch Le Nouveau Christianisme (1825), das die Fürsorge für die Ärmeren und eine gerechte Berücksichtigung der unteren Bevölkerungsschichten speziell auch zur Aufgabe des Christen erhebt, ist er einer der Väter der um und nach 1900 florierenden katholischen Soziallehre geworden, die sich als christliche Alternative zum atheistischen Sozialismus à la Marx verstand.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
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