Sévigné, Madame de

Geburtsdatum: 5. Februar 1626
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 18. April 1696
Sterbeort: Grignan
 
Sie ist den Franzosen ihre Briefschreiberin par excellence.

Geboren als Marie de Rabutin-Chantal in Paris, verliert sie mit anderthalb Jahren ihren aus altem burgundischen Adel stammenden Vater (der bei der Belagerung der hugenottischen Festungsstadt La Rochelle umkommt) und mit sechs auch ihre einer neuadeligen Bankiersfamilie angehörende Mutter. Ihre fromme Großmutter Chantal möchte hiernach eine Nonne aus ihr machen, doch kommt sie ins Haus der Großeltern mütterlicherseits, wo sie eine vorzügliche Erziehung genießt und insbesondere Singen, Tanzen, Reiten, Latein, Spanisch und Italienisch lernt sowie eine gute literarische Bildung erhält.

Versehen mit der stattlichen Mitgift von 300.000 Francs heiratet sie 1644 18-jährig den aus alter bretonischer Familie stammenden Marquis de Sévigné, mit dem sie 1646 eine Tochter und 1648 einen Sohn bekommt. Nachdem sie ihren Mann 1651 durch ein Duell verloren hat (es ging dort um die Ehre seiner Geliebten), bleibt sie ledig und lässt ihren Besitz von ihrem treusorgenden Onkel, dem Abbé de Coulanges, verwalten. Sie selbst lebt teils auf ihren Gütern in der Bretagne, meist aber in Paris, wo sie, als geistreiche Unterhalterin und anregende Gesprächspartnerin geschätzt, in besten Kreisen verkehrt (z.B. dem um den Finanzminister und großen Mäzen Fouquet) und auch mit bekannten Literaten Kontakt hat, z.B. Mlle de Scudéry, die sie in ihrem Erfolgsroman Clélie (1657) sehr schmeichelhaft porträtiert.

Nachdem 1669 ihre geliebte Tochter den comte de Grignan geheiratet hat und Anfang 1671 mit ihm in die ferne Provence entschwunden ist, beginnt Mme de Sévigné Briefe an sie zu verfassen. Hierin schildert sie effektvoll und lebendig sowie manchmal drastisch nicht nur ihre wechselnden Befindlichkeiten und sonstiges Persönliches, sondern auch das, was sich in Paris und Versailles um sie herum tut und was als Reflex der großen Politik an ihre Ohren gelangt.

Auf den Geschmack gekommen, schreibt sie bald nicht nur an ihre Tochter (die sie samt deren Familie zwischendurch natürlich des öfteren sieht), sondern auch an zahlreiche andere Adressaten, z.B. ihren Cousin, den Literaten Roger Bussy-Rabutin, - zunehmend in Kenntnis dessen, dass ihre Briefe herumgezeigt, vorgelesen, kommentiert und häufig sogar abgeschrieben werden. Nach und nach entwickelt sie so ihre Briefkunst zu einer literarischen Gattung sui generis, deren Form sie elaboriert und reflektiert, ohne jedoch an eine von ihr besorgte oder lizensierte Publikation zu denken.
Einige erste Briefe wurden denn auch, mehr beiläufig, erst 1696 bzw. 97 von Bussy-Rabutin abgedruckt, eingestreut in seine Memoiren und in eine Auswahlausgabe seiner eigenen Korrespondenz. Eine nicht sehr umfangreiche Anthologie historisch interessanter Briefe bzw. Briefextrakte erschien (auf der Basis von Abschriften) erst 1725, eine Auswahl aus der Korrespondez mit der Tochter (ebenfalls nach Abschriften) 1726, also lange nach dem Tod der Schreiberin. 1744 und 1754 ließ eine Enkelin aus dem Nachlass ihrer Mutter jeweils vier Bände mit insgesamt gut 600 Briefen herausgeben, wobei sie deren Text jedoch im Sinne ihrer jansenistisch strengen Frömmigkeit moralisch und sprachlich "reinigen" ließ und die Originale hiernach verbrannte. Spätere Editionen wurden dadurch angereichert, dass Mme de Sévigné inzwischen als die große Briefschreiberin bekannt war und man systematisch in adeligen Nachlässen und Familienarchiven nach Briefen von ihr fahndete, wobei man nicht nur auf bisher Unbekanntes, sondern immer wieder auch auf Abschriften stieß, die den Originaltexten offenkundig näher waren als die "gereinigten" Versionen von 1744 und 1754.
Alles in allem sind von 1725 bis heute mehrere 100 Ausgaben Sévignéscher Briefe erschienen, ganz überwiegend in Auswahl-Editionen und sehr häufig mit Texten, die in dieser oder jener Hinsicht gekürzt und bearbeitet, d.h. für ein bestimmtes Publikum, z.B. jugendliche Leser, aufbereitet sind.

Für Historiker sind Mme de Sévignés Briefe (naturgemäß nur im Original-nahen Text) zugleich eine unschätzbare Informationsquelle über das Leben des Hochadels unter Ludwig XIV.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
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