Ronsard, Pierre de

Geburtsdatum: 6. September 1524
Geburtsort: Couture-sur-Loir
Sterbedatum: 27. Dezember 1585
Sterbeort: La Riche
 
Er gilt heute als der bedeutendste franz. Lyriker der 2. Hälfte des 16. Jh. Als Sohn aus altem adeligen Haus kommt er mit 12 aus dem heimatlichen Vendômois nach Paris an den Hof von Franz I. Dort dient er als Page zunächst bei dessen ältestem Sohn, dem Dauphin (=Thronfolger), der aber bald stirbt, und dann kurz bei dem dritten Sohn des Königs, Charles. Hiernach begleitet er die soeben mit dem schottischen König verheiratete Königstochter Madeleine nach Schottland und bleibt dort zwei Jahre. Mit 14 zurück in Paris ist er wieder Page bei Charles am Hof, reist aber auch nochmals nach Schottland. Mit 16, er hat gerade einen Diplomaten ins Elsass begleitet, erleidet er eine Schwerhörigkeit, die ihn zwingt, die eigentlich angestrebte Offiziers- und/oder Höflings- und Diplomatenkarriere aufzugeben. Stattdessen lässt er sich die niederen Weihen verabreichen, treibt humanistische Studien und begründet 1549 mit seinem wenig älteren Freund Joachim Du Bellay den Dichterkreis der Pléiade. Er beginnt mit Lyrik nach dem Vorbild der antiken Dichter Pindar, Horaz, Anakreon sowie neulateinischer Autoren der Zeit. 1550-52 publiziert er die Sammlung Les quatre premiers livres des Odes, womit er die Gattung Ode in der französischen Literatur etabliert. 1552-53 erscheinen Les Amours, eine in mehreren Neuauflagen erweiterte Sammlung von petrarkistischen Sonetten, die sich großenteils als von einer gewissen Cassandre Salviati inspiriert ausgeben, der Ronsard 1545 in einer ähnlich poetischen Szene begegnet sein will wie Dante seiner Beatrice oder Petrarca seiner Laura. Les Amours gilt als repräsentatives Werk der Lyrik der Pléiade, deren unbestrittener Chef Ronsard inzwischen ist. Allerdings beschränkt dieser sich bald nicht mehr auf ein Dichten fern vom Tagesgeschehen, sondern engagiert sich auf Seiten der Krone gegen die Reformierten (=die Protestanten calvinscher Couleur), u.a. in den Discours sur les misères de ce temps (1562). Mit dem schon ab 1554 projektierten Versepos La Franciade gedenkt er dem konfessionell polarisierten und seit 1562 von immer wieder aufflammenden Religionskriegen zerrissenen Frankreich ein nationales Epos zu geben, doch stellt er trotz mehrjähriger intensiver Bemühungen (1569-72) schließlich nur 4 von 24 geplanten Gesängen fertig (gedruckt 1572). Offensichtlich konnten sich Ronsard selbst und auch sein Publikum letztlich doch nicht mehr erwärmen für die apokryphe, allen humanistisch Gebildeten eigentlich inakzeptable Figur des Francus, jenes angeblichen Sohns des trojanischen Helden Hektor, der sich zusammen mit dem späteren legendären Rom-Gründer Äneas aus dem eroberten Troja gerettet und seinerseits "Francia" und sogar die Dynastie der Kapetinger gegründet habe. Nachdem er sich schon 1565 weitgehend auf seine Kirchenpfründen in der Touraine zurückgezogen hatte, versucht Ronsard 1578 noch einmal ein Come-back als Liebeslyriker mit den Sonnets pour Hélène.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
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