Pisan, Christine de

frz. Schriftstellerin (1363 - ca. 1430)

Diese heute relativ bekannte Autorin gilt als die erste Schriftstellerin der franz. Literatur, die (samt ihren drei Kindern) mehr oder weniger von ihrer Feder zu leben geschafft hat.

Geboren in Venedig als Tochter des Astrologen und Arztes Tommaso da Pizzano, kommt sie als Mädchen nach Paris, als ihr Vater Leibarzt von König Charles V wird. Sie erhält eine gute Bildung (die sie später durch die fleißige Lektüre antiker und zeitgenössischer Autoren erweitert) und wird sehr jung mit dem Höfling Étienne de Castel verheiratet.

Nach ihrer frühen Verwitwung (1389) und ihrer Verarmung durch Erbschaftsprozesse beginnt sie zu schreiben. Hierbei entwickelt sie das System, von ihren Werken nach deren Fertigstellung Prachthandschriften anfertigen zu lassen, die sie gegen fürstliches Entgelt fürstlichen Mäzenen widmet und überreicht, vor allem der franz. Königin Isabeau de Bavière und den zur Königsfamilie gehörenden Herzögen Louis d'Orléans, Jean de Berry und Philippe de Bourgogne.

Christine beginnt als Lyrikerin unter dem Einfluss von Eustache Deschamps, wobei sie z.B. in sehr persönlich wirkender Weise den Verlust des geliebten Gatten beklagt (Ballades du veuvage, Cent ballades d'amant et de dame).

Sie schreibt dann mehr lehrhaft-philosophische Werke, u.a. ein Lehrbuch für angehende Fürsten (L'Épître d'Othéa, 1400), Betrachtungen über das Wirken Fortunas in ihrem eigenen Leben und in der antiken Geschichte (La Mutation de Fortune, 1403), und schließlich politisch motivierte Werke, in denen sie vor allem auf die vielen Kriege und Bürgerkriege im Frankreich des intermittierend geistesgestörten Königs Charles VI (1380–1422) reagiert, hinter dem ständig verschiedene Personen und Parteien um die Macht im Staate kämpfen und dabei immer wieder auch England in ihre Streitereien hineinziehen (z.B. Le Livre des faits d'armes et de chevalerie, 1410; Le Livre de paix, 1412; Lamentations sur les maux de la guerre, 1420).

Ebenfalls politisch intendiert ist eine apologetische Biografie (1405) des Protektors ihres Vaters und großen Königs Charles V (1364–1380), der mit Hilfe seines tüchtigen Feldherrn Du Guesclin die Engländer fast aus Frankreich hinausgedrängt und das Land vorübergehend befriedet hatte.

Heute wird Christine von Literatur- und Sozialwissenschaftlerinnen auch als eine Feministin avant la lettre geschätzt: 1399 kritisiert sie die Misogynie der Männer ihres gesellschaftlichen Umfeldes, und insbesondere die von Jean de Meung im Rosenroman, womit sie die sog. Querelle du Roman de la rose entfesselt, den ersten Pariser Literatenstreit in der Geschichte der franz. Literatur, in den sie selbst mit ihrer Épître au dieu d'amours (ebenfalls 1399) eingreift. 1400 verfasst sie Le Dit de la rose, der die fiktive Gründung eines die Frauen schützenden "Rosenordens" beschreibt. Von 1404 datiert ein Traktat zur richtigen Erziehung der Mädchen, Le Livre des trois vertus. 1405 stellt sie ihr aus heutiger Sicht interessantestes Werk fertig, Le Livre de la Cité des dames, den utopischen Entwurf einer Gesellschaft, die den Frauen gleiche Rechte gewährt.

1429 wird sie noch Zeugin der Heldentaten von Jeanne d'Arc, der "Jungfrau von Orléans", der sie nach schon längerem Schweigen einen Lobpreis widmet (Dictié en l'honneur de la Pucelle, 1429). Hiernach ist nichts mehr bekannt von ihr.

In ihren fast 40 Schaffensjahren ist Christine de Pizan die mit Abstand produktivste aller Autoren ihrer Generation.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
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