Perrault, Charles

Geburtsdatum: 12. Januar 1628
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 16. Mai 1703
Sterbeort: Paris
 
Dieser heute vor allem dank seiner Märchen bekannte Autor ist geboren als jüngster von vier Brüdern aus wohlhabender Juristenfamilie. Er treibt dann Jurastudien und wird Anwalt. Früh auch beginnt er zu schreiben und wird 1653 von seinem ältesten Bruder, der einen hohen Posten in der Finanzverwaltung der Krone bekleidet, am Hof eingeführt. Hier und in Pariser Salons brilliert er als vielseitiger Literat und guter Unterhalter. Er wird Gefolgsmann des ab 1661 allmächtigen Ministers Colbert und wird dank ihm 1662 zunächst eine Art Zensor für alle dem König zugeeigneten Kunstwerke und später Oberaufseher aller königlichen Bauvorhaben (womit er maßgeblich an der Planung und Erbauung des Versailler Schlosses beteiligt sein wird). 1671 wird er mit Nachhilfe Colberts in die Académie française gewählt und zu derem Sekretär ernannt. Hier verliest er 1687 (inzwischen ist seine Karriere durch den Tod Colberts 1683 gestoppt) seinen Vers-Traktat Le Siècle de Louis XIV, worin er, nicht ohne auf den Beifall des Königs zu schielen, die Überlegenheit seiner eigenen Epoche über die Antike postuliert, die bis dahin in allem als vorbildhaft galt. Er löst hiermit unerwartet die heftige "Querelle des Anciens et des Modernes" aus, den wohl berühmtesten Literatenstreit der an querelles so reichen französischen Literaturgeschichte. Interessanterweise sind fast alle großen Autoren seiner Generation (Racine, La Fontaine und vor allem Boileau) zunächst gegen die These Perraults, dass die Neuzeit sich in Kunst und Wissenschaft mit der Antike nicht nur messen könne, sondern sie inzwischen überholt habe. Schon wenige Jahre später allerdings wird diese Vorstellung selbstverständliches Allgemeingut sein und vorsichtig z.B. auch von Boileau akzeptiert werden. 1694 veröffentlicht Perrault drei märchenähnliche Vers-Erzählungen. Nach deren Erfolg publiziert er 1697 die Contes de ma mère l'Oie, eine Sammlung von 8 Märchen mit jeweils einer ironisch-witzigen Moral in Versen am Schluss. Diese Sammlung bedeutet den Durchbruch einer anschließend sehr erfolgreichen Gattung, der contes de fées. Fast alle Märchen Perraults figurieren übrigens (ohne die ironisch-witzige Moral natürlich) in den vermeintlich so typisch deutschen Kinder und Hausmärchen der Gebrüder Grimm.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
Unsere Buchempfehlung: Contes de Fées

 

Terminkalender

S M D M D F S
 
 
 
 
 
1
 
2
 
3
 
4
 
5
 
6
 
7
 
8
 
9
 
10
 
11
 
12
 
13
 
14
 
15
 
16
 
17
 
18
 
19
 
20
 
21
 
22
 
23
 
24
 
25
 
26
 
27
 
28
 
29
 
30
 

Ferienhäuser

Hotels in Frankreich