Pasquier, Etienne

Geburtsdatum: 7. Juni 1529
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 30. August 1615
Sterbeort: Paris
 
Der lange Zeit nur neben seinem Juristenberuf schriftstellernde Pasquier ist wichtig als Autor des historiografischen Werkes Les recherches de la France, das erstmals 1560 und dann 1565, 1596, 1607 und 1621 (also postum) in überarbeiteten und jedes Mal um neue Kapitel erweiterten Versionen erschien, was das Interesse bezeugt, auf das es bei den Zeitgenossen stieß. Diese eher essayistischen "Annäherungen an Frankreich", genauer an das Thema des Werdens und der Identität der franz. Nation, sind langfristig äußerst wirksam geworden dadurch, dass sie nicht, wie bis dahin üblich, die Römer oder die Franken oder gar den legendären Trojaner Francus an den Anfang der franz. Geschichte setzen, sondern die keltischen Gallier (womit sie quasi indirekt für Asterix und Obelix verantwortlich sind!). Pasquiers Hauptziel ist der Nachweis einer geradezu exemplarischen konstitutionellen und kulturellen Eigenständigkeit Frankreichs, die schon bei den Galliern angelegt gewesen, nach dem Intermezzo der Römerzeit wiederbelebt und dann von Königen, intellektueller Elite und Volk kontinuierlich weiterentwickelt worden sei. Dieser durchaus so etwas wie nationalistische Züge tragende Nachweis dient seinerseits der Propagierung der Idee, dass das Interesse der in langer Zeit organisch gewachsenen Nation Vorrang habe vor den wechselnden Partikularinteressen und insbesondere vor den religiösen Motiven, aus denen die katholische und die protestantische Partei das Recht ableiteten, das Land mit Bürgerkriegen zu spalten und in diese sogar ausländische Mächte hineinzuziehen. Pasquier war mit seiner Idee vom Vorrang des Interesses der Nation einer der Begründer der langsam wachsenden überkonfessionell denkenden Gruppe der "politiques", die Frankreich zu befrieden versuchten, dies allerdings erst 1598 unter dem vom Protestantismus zum Katholizismus konvertierten König Heinrich IV.) schafften. Der aus einer bürgerlichen Pariser Familie stammende und sich u.a. auch als Pamphletist und als Lyriker betätigende Pasquier war studierter Jurist (Toulouse, Pavia) und wirkte seit 1549 als Anwalt am Parlement von Paris, dem obersten Gerichtshof für den größten Teil Frankreichs. 1585 wurde er (sicherlich auch dank seiner Recherches) hoher Beamter am königlichen Rechnungshof. 1588 nahm er als Abgeordneter der Stadt Paris an der Versammlung der Generalstände teil. Er ist ein typischer Vertreter der neuen noblesse de robe (des sog. Amtsadels), einer aus dem höheren königlichen Justiz- und Verwaltungspersonal samt ihren Familien bestehenden Schicht zwischen dem höheren Bürgertum (aus dem sie kommt) und dem alten Adel (in den sie hineinstrebt).

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

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