Nodier, Charles

Geburtsdatum: 29. April 1780
Geburtsort: Besançon
Sterbedatum: 27. Januar 1844
Sterbeort: Paris
 
Dieser Erzähler und Publizist gehört zwar nur der zweiten Reihe der größeren Autoren an, war jedoch bedeutsam als Mitbegründer der Romantik in Frankreich.

Nodier ist unehelicher, aber legitimierter und eine gute Bildung erhaltender Sohn eines unter der Revolution 1789 zum Bürgermeister von Besançon und zum hohen Richter aufsteigenden Anwalts, der nach 1794 jedoch ins politische Abseits gerät.

Auch Nodier selbst ist in seiner Heimatstadt früh politisch engagiert und aktiv, allerdings auf der antirevolutionären Seite. So wird er 1799 polizeiauffällig, als er ein pro-royalistisches Stück verfasst; 1804 kommt er wegen eines satirischen Gedichts gegen Napoleon kurz ins Gefängnis; 1805 beteiligt er sich sogar an einer Verschwörung gegen den frisch gekrönten Kaiser. Er hat allerdings jeweils das Glück, von einflussreichen Bekannten seines Vaters vor härteren Strafen bewahrt zu werden und irgendwo fern von Besançon untertauchen zu können. Immerhin treibt er in diesen turbulenten Jahren intensive insektenkundliche (!), sprachwissenschaftliche und literarische Studien, schriftstellert und heiratet auch (1808).

1812 wird er zum Kaiserlichen Bibliothekar der neuen franz. Provinz Illyrien berufen und verbringt ein Jahr in Laibach (Ljubljana, heute Hauptstadt von Slowenien), ein Aufenthalt, der ihn sehr prägt. Nach dem raschen Ende der Provinz Illyrien 1813 siedelt sich Nodier in Paris an, wo er bisher nur besuchsweise war und wo er nun von seiner Feder zu leben versucht.

Denn als Literat ist er längst kein Nobody mehr: So hatte er z.B. 1803 den kleinen Roman Le Peintre de Salzbourg, journal des émotions d'un coeur souffrant und 1804 den Gedichtband Essais d'un jeune barde publiziert. 1808 und 1810 war er mit zwei sprachwissenschaftlichen Schriften hervorgetreten. Daneben hatte er sich früh und regelmäßig als Literaturkritiker betätigt (der auch nach England und nach Deutschland schaute). Ab 1814 ist er zudem politischer Journalist, der sich endlich auf der für ihn richtigen Seite einsetzen kann, d.h. der der angestammten franz. Monarchie.

Seinen Durchbruch als Erzähler erzielt Nodier 1818 mit dem in Slowenien spielenden Räuberroman Jean Sbogar, der tragisch endenden Geschichte eines sozial engagierten, edlen Banditen. Zwar schreibt er hiernach noch vier weitere Romane, doch sein Name in der Literaturgeschichte verbindet sich vor allem mit den zahlreichen Novellen, die er in den 20er und 30er Jahren verfasst, darunter viele Grusel-Novellen nach englischen und deutschen Vorbildern (z.B. Smarra ou les Démons de la nuit, 1821; Trilby, 1822; La Fée aux miettes, 1832), mit denen er die "schwarze Romantik" der Gespenster- und Schauergeschichten in Frankreich einführt.

Nach seiner Ernennung zum Direktor der Pariser Bibliothèque de l'Arsenal (1824) unterhält Nodier in seiner Dienstwohnung einen Salon, der zum wichtigsten Treffpunkt der ersten Romantikergeneration wird, d.h. der etwas jüngeren Autoren um Victor Hugo (deren baldigen politischen Schwenk vom Royalismus zum Republikanismus und Liberalismus er jedoch nicht mitvollzieht, was 1833 seine Aufnahme in die Académie française sehr erleichtert).

nach: Prof. Gert Pinkernell,
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