Musset, Alfred de

Geburtsdatum: 11. Dezember 1810
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 2. Mai 1857
Sterbeort: Paris
 
Musset zählt zu den großen romantischen Autoren der franz. Literatur.

Er wächst auf in Paris als wohlbehüteter Sohn adeliger Eltern und absolviert seine Schulzeit mit Glanz im Traditionsgymnasium Henri-IV. Hiernach beginnt er lustlos ein Jura- und dann ein Medizinstudium, betätigt sich aber vor allem als junger Lebemann. Daneben ist er ein frühreifer Dichter, der sich ab 1828 im Kreis um Victor Hugo, dem Cénacle, bewundern lässt.
Schon 1830 erscheinen die Contes d'Espagne et d'Italie, eine Sammlung äußerst formvollendeter Gedichte im Stil der Romantik, voller Exotik und exaltierter Gefühle. 1832, nach dem Tod seines Vaters in der großen Typhusepidemie dieses Jahres, beschließt er (wohl auch dank der Erbschaft) als Schriftsteller zu leben.

1833 lernt er die sechs Jahre ältere Romanautorin George Sand kennen und beginnt mit ihr ein romantisch-leidenschaftliches Liebesverhältnis, das sie jedoch auf einer gemeinsamen Italienreise (Winter 33/34), ihn betrügend, beendet. Die tiefe Krise, die dies auslöst, inspiriert Musset zu Gedichten voller Weltschmerz (gesammelt publiziert als Nuits, 1835 u. 1837), aber auch zu dem autobiografischen Roman Confessions d'un enfant du siècle (1836), dessen Protagonist Octave einer jener typisch romantischen, d.h. desillusionierten, sich selbst und ihrer Umwelt problematischen Helden ist.

Schon seit 1830 schreibt Musset auch Theaterstücke, die er nach dem Misserfolg des ersten aufgeführten Stücks (La Nuit vénétienne, 1830) jedoch nur noch zum Lesen bestimmt und in Sammelbänden publiziert. So erscheinen 1832 und 34 je ein Band Spectacles dans un fauteuil und 1840 ein Band Comédies et Proverbes.

Die bekanntesten und auch noch gelegentlich aufgeführten Stücke sind Les caprices de Marianne (1833), Fantasio und On ne badine pas avec l'amour (beide 1834), sowie Lorenzaccio (1833/34). Die Ersteren handeln von enttäuschter Liebe – ein Thema, das den offensichtlich leicht entflammten, aber narzistischen Musset noch länger beschäftigen wird. Lorenzaccio, die Geschichte eines den Täter am Ende nur frustrierenden Tyrannenmords, spiegelt die politische Enttäuschung Mussets und vieler Intellektueller seiner Generation, die große Hoffnungen in die Juli-Revolution von 1830 gesetzt hatten und sich betrogen fühlten durch das rasch von der Großbourgeoisie vereinnahmte und ab 1832 zunehmend autoritäre und repressive Regime des neuen "Bürgerkönigs" Louis-Philippe.

Neben seinen zahlreichen Theaterstücken und seiner Lyrik verfasst Musset in den für ihn höchst fruchtbaren 1830er Jahren auch eine Reihe Erzählungen. 1838 erhält er einen bescheidenen Posten als wenig belasteter Bibliothekar im Innenministerium.

1840 verursacht eine schwere Krankheit einen tiefen Einbruch. Danach leidet er an häufigen Despressionen, schreibt nur noch wenig und flüchtet sich in Liebesaffären und Alkoholkonsum, was seinen Zustand weiter verschlechtert. Immerhin erhält er 1845 das Kreuz der Ehrenlegion und erlebt er 1847 die sehr erfolgreiche Aufführung eines seiner Stücke, Un Caprice (1837). 1852 wird er (nach vergeblichen Anläufen 1848 und 1850) in die Académie française gewählt, nachdem er sich dem neuen Regime von Louis-Napoléon Bonaparte angeschlossen hat.

Als bleibende Leistung Mussets gilt heute sein dramatisches Werk, das er nach dem Misserfolg gleich zu Beginn nicht mehr mit Blick auf die gerade herrschende romantische Theaterdoktrin verfasste, sondern nach seinen eigenen, gemäßigt klassizistischen Vorstellungen, die sich letztlich als richtiger erwiesen haben als z.B. die seines zunächst erfolgreicheren Konkurrenten Victor Hugo, dessen Stücke schon seit langem kaum mehr aufgeführt werden.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
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