Montaigne, Michel de

Geburtsdatum: 28. Februar 1533
Geburtsort: Saint-Michel-de-Montaigne
Sterbedatum: 13. September 1592
Sterbeort: Saint-Michel-de-Montaigne
 
Er ist ältester Sohn von Pierre Eyquem, einem kommunalpolitisch aktiven reichen Bürger und hohen Amtsträger der Stadt Bordeaux, und entstammt somit der Schicht des aus dem Bürgertum in den Adel hineinwachsenden Amtsadels (noblesse de robe). Er erhält eine umfassende Bildung (sein Hauslehrer, ein deutscher Arzt, spricht z.B. nur Latein mit ihm) und wird nach Jurastudien (in Toulouse?) 1554, also mit 21, Richter am Steuergericht von Périgueux und 1557 Richter am Parlement von Bordeaux, dem obersten Gerichtshof des Herzogtums Aquitanien. Seine jungen Jahre sind überschattet von der Rebellion der Stadt Bordeaux gegen die Auferlegung der Salzsteuer durch den König (1548), eine Rebellion, die von königlichen Truppen blutig unterdrückt wurde und die Stadt den Entzug ihrer Privilegien und die Gruppe der Patrizier etliche Köpfe kostete. So begleitet Montaigne 1554 seinen soeben zum Bürgermeister gewählten Vater zu Verhandlungen nach Paris und hält sich auch in den Folgejahren öfter im Auftrag von Stadt und Parlement dort auf, wobei es allerdings mehr und mehr um das Problem der Duldung der im franz. Südwesten stark vertretenen Protestanten geht, die durch den ständig repressiver werdenden katholisch orientierten Staat schikaniert werden. 1562 (dem Jahr, das später als Beginn der Religionskriege gilt) muss sich Montaigne in Paris, wo er offenbar als verkappter Protestant verdächtigt wird, feierlich zum Katholizismus bekennen. Nachdem er 1568 den Hauptteil des väterlichen Besitzes geerbt hat (darunter das Gut und Schlösschen Montaigne, nach dem er sich hinfort benennt), verkauft er 1570 sein Richteramt und gedenkt als Privatgelehrter und Landedelmann fern von der Politik auf seinen Besitzungen zu leben. Hier führt er zunächst eine noch für seinen Vater begonnene Übersetzung der Theologia naturalis von Raimundus Sebundus zu Ende und schreibt ab 1571 an dem, was sein Hauptwerk werden sollte, den Essais. Es sind dies mehr assoziativ als logisch strukturierte, thematisch äußerst vielfältige, kürzere und längere, mit einer immensen Menge von Lesefrüchten angereicherte Betrachtungen über die Welt und vor allem das Leben und das Sterben des Menschen in ihr. Montaignes Perspektive ist die eines den religiösen Dogmen skeptisch und auch allen sonstigen vermeintlich verbürgten Wahrheiten kritisch gegenüberstehenden Geistes, der von der Annahme ausgeht, dass man mittels Beobachtung und Analyse des Denkens und Handelns eines intim bekannten Individuums, nämlich seiner selbst, zu gültigen Aussagen über die Spezies Mensch insgesamt gelangen kann. Nach der erfolgreichen Publikation einer ersten zweibändigen Version der Essais 1580 (die 1582 und 1586 nachgedruckt wird) unternimmt Montaigne eine längere Reise, die ihn über Paris (mit Audienz bei König Heinrich III.) und viele Städte Süddeutschlands und Italiens bis nach Rom führt und über die er ein Tagebuch schreibt (das aber erst 1774 gedruckt wird). Noch während der Reise erhält er im Herbst 1581 die Nachricht, dass er zum Bürgermeister von Bordeaux gewählt worden ist. Etwas widerstrebend und nicht ohne brieflich von Heinrich III. in die Pflicht genommen worden zu sein, übernimmt er das Amt und übt es vier Jahre lang aus, wobei er einmal mehr zwischen Protestanten und Katholiken zu lavieren bzw. zu vermitteln bemüht ist und z.B. 1583 Verhandlungen zwischen Henri de Navarre, dem ihm persönlich bekannten Chef der protestantischen Partei, und Heinrich III. einzufädeln versucht und 1585 Bordeaux von einer aktiven Kriegsbeteiligung auf Seiten der katholischen Liga abzuhalten schafft. Hiernach allerdings zieht er sich wieder an seinen Schreibtisch zu den Essais zurück, von denen er 1588 eine stark überarbeitete und um einen dritten Band erweiterte zweite Ausgabe herausbringt. 1595 publiziert eine Freundin seiner letzten Jahre, Marie de Gournay, postum eine nochmals erheblich überarbeitete dritte Version. Die Essais stießen gleich bei ihrem Erscheinen auf großes Interesse und wurden jahrhundertelang viel gelesen. Sie wurden vor allem epochemachend als erstes europäisches Beispiel der anschließend vor allem in England beliebten Gattung Essay. Montaigne hatte großen Einfluss auch auf die ähnlich über den Menschen und die Welt nachdenkenden, allerdings die kürzere und gedrängtere Form des Aphorismus bevorzugenden franz. "Moralisten" des 17./18. Jh. Er gilt heute neben Rabelais als der bedeutendste Autor des 16. Jahrhunderts.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
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