Mauriac, François

Geburtsdatum: 11. Oktober 1885
Geburtsort: Bordeaux
Sterbedatum: 1. September 1970
Sterbeort: Paris

Der als achter franz. Autor mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Romancier gilt als einer der bedeutendsten Autoren des renouveau catholique, einer sich um 1890 herausbildenden linkskatholischen, d.h. sich an der katholischen Soziallehre orientierenden Bewegung.

Mauriac wächst auf als fünftes und jüngstes Kind einer gutsituierten Familie in Bordeaux und wird nach dem frühen Tod seines Vaters von seiner frommen Mutter geprägt. Seine Schulzeit verbringt er auf katholischen Privatschulen, öffnet sich jedoch schon als älterer Schüler den sozialen Problemen seiner Zeit und neigt einer der Amtskirche reserviert gegenüberstehenden Religiosität zu. Nach einem mit der licence abgeschlossenen Literaturstudium in Bordeaux beginnt er 1908 in Paris ein Aufbaustudium zum Archivar an der École des Chartes, bricht aber ab und widmet sich der Literatur und dem literarischen Journalismus.

Er debütiert mit pathetisch-frommen Gedichten, die er unter dem Titel Les mains jointes 1909 gesammelt herausgibt. 1911 folgt die Lyriksammlung Adieu à l'adolescence. Hiernach wechselt er die Gattung und veröffentlicht 1913 seinen ersten Roman, L'Enfant chargé de chaînes, dem schon 1914 der nächste folgt, La Robe prétexte.

Nachdem er 1913 geheiratet hat (er wird in rascher Folge dreimal und später noch ein viertes Mal Vater) und am 1. Weltkrieg überwiegend als Sanitäter teilgenommen hat, publiziert er in der Zwischenkriegszeit eine ganze Serie von Romanen, die seinen Ruhm begründen und ihm 1933 die Aufnahme in die Académie française verschaffen.

Die bekanntesten Titel sind: La Chair et le Sang (1920), Préséances (1921), Le Baiser au lépreux (1922), Génitrix (1923), Le Désert de l'amour (1925), Thérèse Desqueyroux (1927), Noeud de vipères (1932), Le Mystère Frontenac (1933). Die Handlungen dieser Romane spielen meist im Milieu wohlhabender Grundbesitzer und Geschäftsleute in der südwestfranz. Provinz, d.h. einer Sozialkategorie, die nach dem 2. Weltkrieg wirtschaftlich stagnierte oder gar von der Substanz zehrte und entsprechend auf sich selbst fixiert war. Zentrales Thema sind Ehekrisen, die sich meist daraus ergeben, dass nicht nur die Frauen die Sexualität als unrein und lästig erleben, sowie innerfamiliärer, bis zum Psychoterror gehender Konformitätsdruck in einer engen und auf den Schein von Ehrbarkeit fixierten Welt.

1937 macht Mauriac mit dem Stück Asmodée einen gelungenen Versuch auch als Theaterautor, den er mit Les mal aimées (1945), Le Passage du Malin (1947) und Le Feu sur la terre (1950) weniger glücklich wiederholt. Sein hauptsächliches Genre ist und bleibt der Roman, wobei er nach den oben aufgeführten noch etwa 10 weitere verfasst, die allerdings nicht an deren Erfolg anknüpfen können.
Wenn Mauriac dennoch seine Position als bekannter und geachteter Intellektueller halten kann, so nicht zuletzt, weil er seit der Mitte der 30er Jahre sein Prestige als Romancier auch publizistisch einsetzt und sich mit politischen Artikeln engagiert, zunächst als linkskatholischer Antifaschist (was ihm zur Zeit des Vichy-Regimes 1940–1944 Schwierigkeiten eintragen wird) und nach dem Weltkrieg als christlich-humanitärer Kämpfer gegen Unrecht jeder Art. Als solcher tadelt er insbes. die summarischen Gerichtsverfahren, mit denen 1944/1945 bei der auf die Libération folgenden épuration die "collabos" (Kollaborateure) abgeurteilt werden, und rügt er die 1945 beginnenden grausamen Repressionsversuche und Kriege, mit denen Frankreich seine Kolonialgebiete in Südostasien und in Afrika zu halten versucht.

Sicher geschieht es auch in Anerkennung seines journalistischen OEuvres, als ihm 1952 der Literatur-Nobelpreis zuerkannt wird. Während des Algerienkriegs (1954-62) macht Mauriac sich mit seinen kritischen Kolumnen (Bloc-notes) in Le Figaro und im Express als Anwalt der Menschenrechte verdient, die dem in der Defensive befindlichen franz. Militär nicht sonderlich am Herzen lagen. In seinen späten Jahren verfasst er auch eine mehrbändige Autobiografie.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

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