Marot, Clément

Geburtsdatum: 23. November 1496
Geburtsort: Cahors
Sterbedatum: 12. September 1544
Sterbeort: Turin

Er gilt als der bedeutendste franz. Lyriker der ersten Hälfte des 16. Jh. Sein Vater ist der angesehene Dichter Jean Marot, der ab 1506 als Sekretär von Königin Anne de Bretagne und später im Range eines Kammerherrn (chambellan du roi) am franz. Hof lebt und seinem Sohn früh zu einer Stelle als Page bei einem secrétaire du roi, d.h. einem hochrangigen Höfling verhilft. Ab ca. 1511 dichtet Clément Marot selbst, angeleitet vom Vater und von dessen Kollegen Jean Lemaire de Belges. 1514 verfasst er das Langgedicht Le Temple de Cupido zur Hochzeit von König Ludwig XII. Tochter Claude mit François de Valois (der im Folgejahr als Franz I. auf den Thron kommen wird). Nachdem er dem neuen jungen König mit weiteren Gedichten positiv aufgefallen ist, wird er von ihm 1519 an seine Schwester Marguerite de Navarre empfohlen, die ihn in ihr Personal aufnimmt. Als nunmehr etablierter Höfling und Dichter betätigt sich Marot bei allen möglichen Anlässen in allen lyrischen Gattungen der Zeit und verfasst épîtres, ballades, rondeaux, blasons, chansons, chants, élégies, épitaphes, complaintes etc. Diese gibt er von Zeit zu Zeit gesammelt heraus, und zwar erstmals 1532 unter dem etwas burschikosen Titel L'Adolescence clémentine (dem 1534 eine Suite de l'adolescence clémentine folgt) und 1538 (sowie, nochmals erweitert, 1544) unter dem seriöseren Titel Les OEuvres. 1532 hat Marot als erster die Idee, nach quasi humanistischen Editionsprinzipien Werke der älteren franz. Literatur zu edieren, nämlich die Dichtungen François Villons (15. Jh.) und den Rosenroman (13. Jh.). Ab 1538 arbeitet er an dem ersten Versuch einer künstlerisch adäquaten Nachdichtung der biblischen Psalmen in Versen und Strophen, die 1541 als Trente psaulmes de David mis en français erscheinen und ihm (zunächst) viel Lob einbringen. Marots literarhistorische Bedeutung liegt darin, dass er (im Sinne seiner beiden Lehrmeister) einerseits die reiche eigenständige franz. lyrische Tradition fortführt, sich andererseits aber als einer der ersten franz. Autoren an der formalen Eleganz der inzwischen tonangebenden italienischen Lyrik inspiriert, wobei er das Sonett in Frankreich einführt. Sein Lebenslauf spiegelt die wirren Verhältnisse der Zeit: Zunächst passabel situierter Höfling in den Fußstapfen seines Vaters, hat er ab 1526 Schwierigkeiten als "luthériste" und wird dreimal unter Vorwänden ins Gefängnis gesteckt, aus dem ihn aber der König bzw. dessen Schwester Marguerite jeweils befreien. 1534, nach dem Beginn der offenen Repression der Protestanten, flüchtet er mit anderen Leidensgefährten nach Ferrara an den Hof der Herzogin Renée d'Este (der mit Luthers Lehren sympathisierenden jüngeren Tochter von Ludwig XII.), wo er aber bald von der Inquisition verfolgt wird, so dass er weiter nach Venedig flieht. 1536 kehrt er nach Frankreich zurück und schwört dem Protestantismus ab. Wieder aufgenommen am französischen Hof erreicht er den Höhepunkt seiner Anerkennung und verlebt einige relativ unbeschwerte Jahre. Als 1542 die Trente Psaumes überraschend verboten werden, weil auch der Reformator Calvin sie lobt und seinen Anhängern empfiehlt, flieht Marot nach Genf, bald aber, weil er sich dort nicht glücklich fühlt, weiter nach Savoyen. Er stirbt wenig später verbittert in Turin. Die Beurteilung Marots in den Literaturgeschichten war und ist bis in die jüngste Zeit hinein nicht immer frei von konfessionell geprägten Motiven. Ungünstig für ihn war auch, dass die tonangebenden Lyriker der Generation nach ihm, die Dichtergruppe der sog. Pléiade, sich zwar de facto an ihm schulten, sich verbal aber von ihm absetzten und ihn abwerteten um ihre Eigenständigkeit zu betonen.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
De sa grande amie

Dedans Paris, ville jolie,
Un jour passant mélancolie
Je pris alliance nouvelle
À la plus gaie demoiselle
Qui soit d'ici en Italie.

D'honnêteté elle est saisie,
Et crois (selon ma fantaisie)
Qu'il n'en est guère de plus belle
Dedans Paris.

Je ne vous la nommerai mie,
Sinon que c'est ma grand'amie,
Car l'alliance se fit telle
Par un doux baiser que j'eus d'elle,
Sans penser aucune infamie
Dedans Paris.

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