Marguerite de Navarre

Geburtsdatum: 11. April 1492
Geburtsort: Angoulême
Sterbedatum: 21. Dezember 1549
Sterbeort: Odos

Diese hochgebildete etwas ältere Schwester von König Franz I. und, durch ihre zweite Heirat (1527) mit Heinrich von Albret, Titularkönigin des 1512 zerschlagenen baskischen Königreichs Navarra, war den Zeitgenossen vor allem bekannt als eine neben und hinter ihrem königlichen Bruder politisch sehr aktive Frau sowie als Sympathisantin erst Luthers und dann eines über den konfessionellen Fronten stehenden "Evangelismus", in dessen Namen sie gefährdete pro-protestantische Intellektuelle wie z.B. den Bibel-Übersetzer Lefèvre d'Etaples oder den Lyriker Clément Marot beschützte oder in ihrem südwestfranzösischen Residenzstädtchen Nérac beherbergte.

Heute ist sie vor allem als Autorin ein Begriff. So publizierte sie 1524 die Versmeditation Dialogue en forme de vision nocturne und 1531 drei religiöse Langgedichte unter dem Titel des längsten von ihnen, Le Miroir de l'âme pécheresse, eine Sammlung, die das enorme Interesse spiegelt, das die rasch von Reformatoren und Anti-Reformatoren polarisierten gebildeten Schichten, nicht zuletzt auch der Adel, theologischen Problemen entgegenbrachten, insbes. der neuen Frage nach dem Verhältnis des einzelnen Gläubigen zu "seinem" Gott.

In die franz. Literaturgeschichte eingegangen ist Marguerite als die Autorin einer Novellensammlung mit Rahmenhandlung, L'Heptaméron, die wie praktisch alle Novellensammlungen der Zeit in der Tradition von Giovanni Boccaccios Il Decamerone (um 1350) steht. Das ab 1542 wohl per Diktat, z.T. auf Reisen, entstandene Werk sollte ursprünglich ebenfalls hundert, in der Fiktion an zehn Tagen von zehn Personen (fünf Damen und fünf Herren) erzählte Novellen umfassen; es blieb jedoch unvollendet durch den Tod Marguerites bei Nummer 72. Hauptthema ist, wie in allen Sammlungen dieser Art, die Anziehungskraft der Geschlechter aufeinander und die vielgestaltigen Verwicklungen, die sie zu verursachen pflegt. Neu ist Marguerites Behauptung absoluter Wahrheitstreue des Erzählten und neu auch ihre Idee, ihr Zehnergremium nach jeder Novelle mehr oder weniger ausführlich über deren jeweilige Moral diskutieren zu lassen. Da diese Diskussionen (wie im richtigen Leben!) häufig etwas konfus verlaufen und der Leser den sehr idealistischen Standpunkt der Autorin selbst nicht immer recht erkennt oder nicht nachvollziehen kann, wirkten sie schon auf jüngere Zeitgenossen wie Montaigne eher aufgesetzt und, im Gegensatz zu den Novellen selbst, etwas blutlos.

Das Werk wurde postum 1559 im Auftrag von Marguerites Tochter Johanna von Albret (der Mutter des späteren Königs Heinrich IV.) im Originaltext und mit dem etwa passenden Titel L'Heptaméron (=Sieben-Tage-Werk) veröffentlicht, nachdem schon 1558 unter dem Titel Histoires des amants fortunés ein Raubdruck erschienen war, dessen Text im Sinne des antireformatorischen Konzils von Trient (1545-49) theologisch und moralisch "gereinigt", d.h. mitunter ziemlich verstümmelt worden war.

Noch zu ihren Lebzeiten dagegen erschien eine Sammlung von Gedichten unter dem hübschen Titel Marguerites de la marguerite des princesses (1547). Erhalten sind darüber hinaus einige ungedruckt gebliebene Theaterstücke sowie zahlreiche Briefe.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
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