Malraux, André

Geburtsdatum: 3. November 1901
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 23. November 1976
Sterbeort: Créteil

Er ist einer der in Frankreich so zahlreichen Autoren, die von der Schriftstellerei in die Politik und zurück gewechselt sind.

Seine Jugend in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf dem Pariser Montmartre wird überschattet von der Trennung der Eltern, seine Biografie bis ca. 1945 ist wegen seiner Neigung zu selbstgestrickten Legenden in vielen Punkten nebulös. Unstrittig ist, dass er sich früh für Kunst interessiert, sich in den Kreisen der Kubisten und Surréalisten bewegt und ab 1920 surrealistische Texte verfasst.
1921 heiratet er und geht wenig später mit seiner jungen Frau Clara Goldschmidt nach Südostasien, das damals weitgehend franz. Kolonialgebiet ist und wo sie sich für die Kunst des kambodschanischen Volkes der Khmer interessieren. 1923 wird Malraux vorgeworfen, im Urwald gefundene Kunstobjekte entwendet zu haben. Der Prozess, der schließlich mit Freispruch endet, hält ihn drei Jahre in Phom Penh fest, während derer er zum engagierten Linken und Antikolonialisten wird.

Die Beschäftigung mit Asien inspiriert ihn zu seinem ersten Buch, La Tentation de l'Occident (1926), einer Art philosophischem Briefroman, in dem ein junger Chinese und ein junger Franzose ihre Kulturen vergleichen. Seine Geltung als Romancier verdankt Malraux, der immer wieder große Reisen unternimmt und dabei viele international bedeutende linke Intellektuelle kennenlernt, vor allem seiner vielleicht hieraus resultierenden Erfindung, aktuelle politische Ereignisse und Entwicklungen in Action-Romanen mit hohem intellektuellem Anspruch zu verarbeiten.

1928 ist sein Debüt in diesem Sinne Les Conquérants, ein Roman über den ersten kommunistischen Aufstand in China (1925-1927), den Malraux angeblich selbst miterlebt hatte. Im Mittelpunkt steht ein Franzose, der eine Mischung aus Tatmensch und Denker ist. 1930 folgt La Voie royale, ein Roman um einen Archäologen und einen Abenteurer im Urwald Indochinas, inspiriert von Malraux' eigenen Forschungsreisen. 1933 kommt La Condition humaine heraus, ein Roman um drei Teilnehmer am kommunistischen Aufstand in Schanghai 1927, die ihr politisches Engagement mit einem voll akzeptierten Tod bezahlen. La Condition humaine gilt als Malraux' bedeutendstes Werk, erhielt den Prix Goncourt und hatte großen Einfluss auf eine ganze Generation "engagierter" Romanciers.
1937 folgt L'Espoir, ein filmartig diverse Kriegsepisoden reihender (1938 in der Tat verfilmter), noch optimistischer Roman über den Spanischen Bürgerkrieg, an dem der Autor 1936/1937 als Mitglied der Internationalen Brigaden auf Seiten der später (1939) von Franco besiegten republikanischen Regierungstruppen teilgenommen hatte.

Nach dem Kriegsausbruch 1939 wird Malraux eingezogen und gerät beim "Blitzkrieg" 1940 in deutsche Gefangenschaft. Er kann aber flüchten und lebt mehr oder weniger untergetaucht in der unbesetzten "zone libre", wo er die Niederlage Frankreichs in einem nächsten Roman – seinem letzten – verarbeitet, La Lutte avec l'ange, von dem aber nur Teil I 1943 als Les noyers de l'Altenburg in der Schweiz erscheint, nachdem der Rest angeblich 1942 von der deutschen Geheimpolizei (Gestapo) konfisziert und vernichtet worden ist.

Ab 1943 ist Malraux aktiv in der sich seit der deutschen Niederlage in Stalingrad verstärkenden Résistance gegen die Besatzer, 1944 wird er Offizier bei den französischen Truppen, die sich mit amerikanischer Hilfe neu formieren und an der Befreiung Frankreichs, der Libération, beteiligen. Nach Kriegsende wechselt er kurz in die Politik: Er, der ursprüngliche Linke und Sympathisant des PCF, wird, nachdem er zum Patrioten mutiert ist, 1945 Informationsminister unter dem eher rechten Regierungschef de Gaulle.

Nach dessen Rücktritt 1946 schlüpft Malraux wieder in seine Intellektuellenrolle, verfasst allerdings keine literarischen Texte mehr, sondern betätigt sich als politischer Redner, als Vortragsreisender sowie vor allem als Kunsttheoretiker, Kunsthistoriker und Kunstkritiker. 1959/1960 wird er unter dem 1958 in die Politik zurückgekehrten de Gaulle erster Kulturminister der neuen 5. Republik.

1967 unternimmt er einen letzten Ausflug in die Literatur im engeren Sinne mit seinen autobiografischen Antimémoires.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
Unsere Buchempfehlung: Als wir zwanzig waren: Meine Erinnerungen an Andrè Malraux und die Pariser Bohème

 

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