Malherbe, François de

Geburtsdatum: 1555
Geburtsort: Caen
Sterbedatum: 16. Oktober 1628
Sterbeort: Paris

Dieser heute allenfalls als Name bekannte, in der franz. Literaturgeschichtsschreibung aber traditionell als eine Art Markstein betrachtete Autor ist geboren und aufgewachsen in Caen in einer protestantischen Richterfamilie. Er treibt dann Jurastudien in Caen (wo er früh auch in humanistischen Zirkeln verkehrt und Gedichte verfasst), in Basel und in Heidelberg, kalvinistischen Hochburgen der Zeit. 1577 konvertiert er jedoch zum Katholizismus und wird Sekretär des königlichen Statthalters (gouverneur) der Provence, des literaturbeflissenen Bastards von König Heinrich II., des duc Henri d'Angoulême, der auch Grand Prieur, d.h. Oberhaupt des Malteserordens ist. 1581 heiratet Malherbe in Aix die Tochter eines der Vorsitzenden Richter am obersten Gerichtshof (Parlement) der Provence. Seine ersten Werke (kürzere und längere lyrische Texte) sind geprägt von italienischen Vorbildern und von den Dichtungen der Pléiade-Schule, d.h. der fanzösischen Lyrikergeneration vor ihm. Als 1586 in einer der heißen Phasen der Religionskriege (1562-98) sein Protektor Henri d'Angoulême ermordet wird, kehrt Malherbe zurück nach Caen und wird dort städtischer Richter. Nach dem Ende der Religionskriege lebt und schreibt er wieder in Aix, sein Name wird allmählich bekannt in der Literaturszene der Zeit. Dennoch bleiben seine zahlreichen Versuche, erneut einen hochstehenden Mäzen zu finden oder gar am Hof Fuß zu fassen (z.B. 1600 mittels einer Begrüßungsode an die zweite Gemahlin von König Heinrich IV., Maria von Medici) lange erfolglos. 1605 endlich wird er Heinrich IV. vorgestellt, dann allerdings sogar zum écuyer (Schildknappen) du Roi und zum Königlichen Kammerherrn (gentilhomme de la Chambre) ernannt und somit geadelt. In den nächsten 20 Jahren ist Malherbe anerkannter Hofdichter, denn auch nach König Henris Ermordung 1610 bleibt er in der Gunst der Königin und gewinnt später die des allmächtigen Kardinals de Richelieu. In seiner Hofdichterrolle schreibt er zahllose Gelegenheitsgedichte (poésies de circonstance) zu zahllosen Anlässen, z.B. Prière pour le Roi allant en Limousin (1605, sein Einstiegsgedicht in Paris), Sonnets pour Alcandre (Rollenlyrik im Namen von Heinrich IV. an eine von dessen Geliebten), Ode au Roi Louis XIII allant châtier la rébellion des Rochelois (1628). Zugleich beherrscht er als Kritiker mit seinem Urteil die Pariser Literaturszene und umgibt sich mit jüngeren Literaten als Schülern. In dem Maße, wie seine Kreativität abnimmt, wird sein Stil nüchterner, klarer, ausgefeilter, formvollendeter; und während die meisten seiner dichtenden Zeitgenossen der typisch "barocken" Tendenz zum Gekünstelten und damit oft zum Hermetismus, d.h. dem gewollten Schwierigsein, folgen, ist Malherbe der Meinung, dass Dichtung verständlich sein soll. Ebenso verurteilt er das angeblich der Inspiration folgende Drauflosschreiben und vertritt das Prinzip des geduldigen Arbeitens und Feilens am Text. Mit den strengen formalen und sprachlogischen Maßstäben, die er so setzt, wird er einer der einflussreichsten Wegbereiter der französischen Klassik. Bekannt geblieben ist der Halbvers "Enfin vint Malherbe!", mit dem der spätere Klassiker Nicolas Boileau ihm Tribut zollen wird. Für die Romantiker des frühen 19. Jh. allerdings, die sich von den literarischen Normen der Klassik eingeengt fühlten und sich zu befreien versuchten, war Malherbe der Prototyp des inspirationslosen Verseschmieds - ein Klischee, das noch heute oft sein Bild in der Literaturgeschichte bestimmt.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

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Dessein de quitter une dame qui
ne le contentait que de promesse

Beauté, mon beau souci, de qui l'âme incertaine
A, comme l'Océan, son flux et son reflux,
Pensez de vous résoudre à soulager ma peine,
Ou je me vais résoudre à ne la souffrir plus.

Vos yeux ont des appas que j'aime et que je prise,
Et qui peuvent beaucoup dessus ma liberté ;
Mais pour me retenir, s'ils font cas de ma prise,
Il leur faut de l'amour autant que de beauté.

Quand je pense être au point que cela s'accomplisse
Quelque excuse toujours en empêche l'effet :
C'est la toile sans fin de la femme d'Ulysse,
Dont l'ouvrage du soir au matin se défait.

Madame, avisez-y, vous perdez votre gloire
De me l'avoir promis et vous rire de moi.
S'il ne vous en souvient, vous manquez de mémoire,
Et s'il vous en souvient, vous n'avez point de foi.

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