Mérimée, Prosper

Geburtsdatum: 28. September 1803
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 23. September 1870
Sterbeort: Cannes
 
Sein Platz in der franz. Literaturgeschichte ist gewissermaßen ganz vorne in der zweiten Reihe der zwischen Romantik und Realismus oszillierenden Autoren. Als Sohn gutbürgerlicher, geistig interessierter und sehr anglophiler Eltern besucht Mérimée das Lycée Napoléon alias (nach 1815) Henri-IV. Anschließend absolviert er ein Jurastudium.

Zugleich beginnt er sich als Autor zu betätigen, z.B. mit ersten dramatischen und erzählerischen Versuchen sowie einer Übertragung der Poems of Ossian, der damals vielgelesenen (auch z.B. von Goethe hochgeschätzten) Gesänge eines angeblichen altkeltischen Barden, die um 1770 ein gewisser James Macpherson gesammelt und ins Englische übersetzt haben wollte.

Früh auch findet Mérimée Zutritt zu Pariser Künstler- und Literatenkreisen. So lernt er schon 1822 z.B. Stendhal kennen, mit dem er befreundet bleiben wird, und in den Folgejahren auch die meisten Romantiker, darunter Hugo, dem er bei der denkwürdigen bataille d'Hernani (1830) applaudiert. 1825 und 26 bereist Mérimée England und 1830 Spanien (wo er die Familie der späteren Gattin des späteren Kaisers Napoléon III. kennenlernt, was ihm einst von Nutzen sein wird).

Sein erstes gedrucktes Werk ist 1825 Théâtre de Clara Gazul, eine Sammlung von Stücken, die angeblich von einer spanischen Schauspielerin dieses Namens verfasst seien und in denen gemäß der neuen romantischen Ästhetik die klassischen drei Einheiten missachtet werden. 1827 erscheint La Guzla, ou Choix de poésies illyriques, recueillis dans la Dalmatie, la Croatie et l'Herzégovine, eine Sammlung angeblicher Übertragungen angeblicher illyrischer Volkslieder, mit der Mérimée an der romantischen Modegattung (Volks-)Liedersammlung partizipiert, die 1806-08 von Clemens Brentano und Achim von Arnim mit Des Knaben Wunderhorn initiiert worden war.

1828 versucht sich Mérimée nochmals als Dramatiker und publiziert die unaufgeführt bleibenden Stücke La Jacquerie, scènes féodales und La Famille Carvajal, drame. Hiernach ist er praktisch nur noch Erzähler. Er beginnt, mäßig erfolgreich, mit einem historischen Roman à la Walter Scott (den Alfred de Vigny 1826 mit Cinq-Mars in Frankreich eingeführt hatte): dem im Jahr der Bartholomäusnacht, d.h. zur Zeit der Religionskriege, spielenden 1572 : Chronique du temps de Charles IX (1829).

Dauerhaften Ruhm erlangt er dann mit einer Serie von gut 25 Erzählungen, die zunächst (1829/30) in rascher, anschließend nur noch in lockerer Folge erscheinen und ihn zu einem Klassiker dieser Gattung machen. Die bekanntesten sind: Mateo Falcone, Tamango (beide 1829), Le Vase étrusque (1830), La Vénus d'Ile (1837), Colomba (1841) und Carmen (1847; 1874 von Georges Bizet zu seiner berühmten Oper verarbeitet).

Nach der Juli-Revolution 1830 hat Mérimée immer weniger Zeit zum Schreiben. Er hat sich nämlich dem neuen Regime des "Bürgerkönigs" Louis-Philippe angeschlossen und avanciert, im Anschluss an einige höhere Posten in diversen Ministerien und an die Ernennung zum Chevalier de la Légion d'honneur, 1834 zum obersten franz. Denkmalschützer (Inspecteur des monuments historiques de France), was ihn viel unterwegs sein lässt, auch im Ausland, und mehr und mehr ausfüllt.

Immerhin gewinnt er so nebenher den Stoff für etliche der damals bei Zeitschriften und Buchverlagen begehrten Reiseberichte (z.B. Notes d'un voyage dans le midi de la France, 1835; oder Notes d'un voyage en Corse, 1840). Doch ist, als er 1844 mit knapper Mehrheit in die Académie française gewählt wird, seine literarische Karriere im Grunde schon beendet.

Die Februarrevolution 1848 übersteht er unbeschadet in seinem Amt. Nach der Ernennung von Louis-Napoléon Bonaparte zum Staatspräsidenten auf Lebenszeit (Dez. 51) profitiert er von seiner alten Bekanntschaft mit dessen neuer spanischen Gattin. So wird er 1852 zum Officier der Ehrenlegion befördert. 1853, nachdem Bonaparte sich zum Kaiser Napoléon III hat ausrufen lassen (Dez. 52), wird Mérimée sogar zum Mitglied des parlamentarischen Oberhauses, des Sénat, ernannt und verkehrt am kaiserlichen Hof, was ihm die Missgunst vieler Literaten-Kollegen und die Feindschaft alter Romantiker-Freunde einträgt, insbes. Hugos, der inzwischen oppositioneller Republikaner geworden ist.

Ab 1856 gesundheitlich angeschlagen (Asthma) quittiert er 1860 nach 26 Jahren sein Denkmalschützeramt; einer möglichen Ernennung zum Minister für das Bildungswesen (1863) weicht er aus.
In seinen letzten Jahren macht er sich verdient als Vermittler der zeitgenössischen russischen Literatur in Frankreich. Schon 1849 hatte er eine Novelle von Puschkin nachgedichtet; später betätigt er sich, in Zusammenarbeit mit den Autoren selbst, als Übersetzer Puschkins (1856) und Turgenjews (1869).

Die Absetzung seines Protektors Napoléon am 4. Sept. 1870 überlebt Mérimée nur um wenige Wochen.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
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