L'Hermite, Tristan

(eigentlich François L'Hermite, seigneur du Solier)

Geburtsdatum: 1601
Geburtsort: Janaillat
Sterbedatum: 11. September 1655
Sterbeort: Paris
 
Dieser kaum noch bekannte, doch von den Zeitgenossen sehr geschätzte und in vielerlei Hinsicht interessante Autor stammt aus alter, aber verarmter Adelsfamilie. Schon als 5-Jähriger wird er Page bei einem legitimierten Bastard von König Heinrich IV., wobei er, teils als Spielgefährten, viele hochadelige Personen kennenlernt. Mit 13 ersticht er in einem Duell einen königlichen Gardisten und muss fliehen. Nach einem unsteten Wanderleben vor allem in England und Schottland kommt er 1619 nach Frankreich zurück und wird schließlich von dem jungen König Ludwig XIII. begnadigt. 1621 avanciert er zum gentilhomme ordinaire (einer Art Edeldomestik) bei Gaston d'Orléans, dem turbulenten jüngeren Bruder des Königs, dem er bis 1634 dient und mehrfach bei dessen Verbannungen vom Hof ins Exil folgt. Nachdem er schon seit etwa 1624 unter dem Pseudonym "Tristan" schreibt, versucht er ab 1634 als Autor zu leben, d.h. von den Zuwendungen verschiedener Mäzene, aber auch von der Vermarktung seiner Werke, was nicht ausschließt, dass er von Zeit zu Zeit wieder in die Dienste hochstehender Personen tritt, z.B. Gastons oder des duc de Guise.
 
Tristan ist sowohl als Lyriker (als der er beginnt) wie auch als Dramatiker und Romancier bedeutend. 1633 ist das Gedichtbändchen Plaintes d'Acante sein Durchbruch, 1638 gibt er seine Lyrik gesammelt als Les amours de Tristan heraus. 1636 verfasst er das erste und erfolgreichste seiner rd. 10 Stücke, die Tragödie La Marianne, die den Herodes-Mariamne-Stoff aus der Bibel, d.h. der jüdischen Geschichte behandelt. 1642 stellt er Le Page disgrâcié fertig, einen autobiographischen Roman im Stil der Picaro-Romane, der den jungen Tristan als Spielball eines launischen Schicksals darstellt und einer der ersten autobiographischen Romane der franz. Literatur ist. Bald nach seinem Tod gerät Tristan (ähnlich wie Théophile de Viau) in den Schatten der Generation der Klassiker, die nach ihm die literarische Bühne betritt und alle Autoren davor als zweitrangig erscheinen lässt.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

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