Lefèvre d'Étaples, Jacques

Geburtsdatum: ca. 1450
Geburtsort: Etaples
Sterbedatum: 1536
Sterbeort: Nérac
 
Sein Name verbindet sich vor allem mit La Sainte Bible en français (1523-30), der ersten vollständigen und textgetreuen franz. Übersetzung der Bibel, genauer von deren quasi offizieller lateinischen Version, der "Vulgata".

Ganz wie der fast zeitgleich arbeitende Luther (der allerdings von den griechischen und hebräischen Originaltexten ausgeht) verfolgt auch Lefèvre die reformatorische Intention, den normalen Gläubigen die Möglichkeit zu geben, selbst die Bibel zu lesen oder sich vorlesen zu lassen und deren Wortlaut ohne die Vermittlung der katholischen Geistlichkeit und ihrer Deutungskonventionen auszulegen. Entsprechend wurde Lefèvre von der auf Erhaltung ihres Deutungsmonopols bedachten Pariser Universität bzw. deren theologischer Fakultät, der Sorbonne, schon 1523 beim Erscheinen von Teil I, des Neuen Testaments, attackiert und wurde seine Gesamt-Bibel 1530, nach der Drucklegung im damals weltoffenen, reichen und noch pro-reformatorischen Antwerpen, vom Pariser Parlement verboten.
Obwohl sie mehrfach nachgedruckt wurde, erreichte Lefèvres Bibel im französischen Sprachraum nicht dieselbe Bedeutung wie die luthersche im deutschen, u.a. auch deshalb nicht, weil die frankophonen Protestanten die etwas spätere (ziemlich hölzerne) Übersetzung von Pierre Robert Olivetan (1535 ff.) bevorzugten.

Lefèvre hatte übrigens, nach einem Theologiestudium in Paris, 1491 und 1499 Bildungsreisen nach Padua und Pavia als Zentren der humanistischen Gelehrsamkeit in Italien unternommen und in diesen Jahren seine eigene Gelehrtenkarriere mit textkritischen Editionen von Schriften des großen altgriechischen Philosophen Aristoteles begonnen, womit er einer der ersten französischen Humanisten und Gräzisten war.

Nachdem er sich 1505 in der von Guillaume Briçonnet, einem der vielen Reformtheologen der Zeit, geleiteten Pariser Abtei Saint-Germain-des-Prés niedergelassen hatte, publizierte er auch textkritische Editionen verschiedener Teile der lateinischen Bibel (z.B. 1509 die Psalmen und 1512 die Paulus-Briefe). Als 1521 Briçonnet Bischof von Meaux wurde, folgte ihm Lefèvre dorthin und begann mit seiner Bibel-Übersetzung. Er musste allerdings erleben, wie sein Protektor Briçonnet sehr bald, u.a. weil er Anhänger des gerade exkommunizierten Luthers predigen ließ, von den Konservativen in der Kirche attackiert wurde und wie auch er selbst nach der nicht zuvor genehmigten Publikation des Neuen Testaments zum Ketzer erklärt wurde.

Lefèvre flüchtete 1525 in die freie Reichsstadt Straßburg, eine Hochburg des Humanismus, und 1529 nach Nérac, an den Hof der zu dieser Zeit noch offen mit dem Protestantismus à la Luther sympathisierenden Schwester von König Franz I., Marguerite de Navarre. Hier beendete er die Übersetzung auch des Alten Testaments und verbrachte er seine letzten Jahre.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

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