Laclos, Pierre-Ambroise François Choderlos de

Geburtsdatum: 18. Oktober 1741
Geburtsort: Amiens
Sterbedatum: 5. September 1803
Sterbeort: Tarent, Italien

Dieser meist unter dem Namen "Laclos" in den franz. Literaturgeschichten figurierende Autor verdankt seinen Ruhm einem einzigen Buch, dem Briefroman Les liaisons dangereuses (1782).
Er stammt aus einer neu geadelten Familie und wird Artillerieoffizier. Er sieht sich dann aber in seiner Karriere behindert durch den königlichen Erlass von 1774, der die obersten Offiziersränge (und auch den Zutritt zum Königshof) allen Personen verschloss, die nicht mindestens in vierter Generation adelig waren.

Laclos, der vorher mit anakreontischen Gelegenheitsgedichten, einigen erotischen Erzählungen und einem Opernlibretto literarisch nur dilettiert hatte, verarbeitet ab 1779, wo er sich auf einen unattraktiven Posten auf der Insel Aix vor Rochefort abgeschoben fühlt, seinen Groll in Les liaisons dangereuses. In diesem eigentlich als Attacke gegen den Hoch- und Hofadel gedachten Roman treiben zwei als Prototypen der aristokratischen Libertinage vorgestellte Figuren, nämlich ein altadeliger Vicomte und eine altadelige Marquise, zwei die Liebe nicht als Spiel, sondern als Ernst betrachtende neuadelige Frauen getäuscht und enttäuscht in den Tod bzw. ins Kloster. Da Laclos sich aber unvermerkt auch mit seinen als hochintelligent und souverän konzipierten Bösewichtern identifiziert und auch sie als gegen ihren Willen eigentlich liebend und damit als schließlich getäuscht und enttäuscht darstellt, gerät sein Roman zu einem Meisterwerk der psychologischen Analyse, das auch heute noch faszinieren kann.

Trotz der eindeutig moralischen Absicht des Autors, der seine Leser und vor allem Leserinnen vor den unkontrollierbaren Folgen der laxen adeligen Liebes- und Sexualmoral, der Libertinage, zu warnen gedachte und dies im Vorwort deutlich formuliert, wurden die Liaisons bis weit ins 19. Jh. meist als ein unmoralischer, ja pornographischer Text missverstanden und dementsprechend immer wieder verboten.

Laclos selbst wird nach dem sehr erfolgreichen, aber einen Skandal auslösenden Erscheinen des Buches auf einen unattraktiven Posten in La Rochelle strafversetzt und macht sich 1786 erneut unbeliebt, als er die überholte Konzeption der dortigen Befestigungsanlagen kritisiert.

Er heiratet, nimmt seinen Abschied als Offizier und wird Sekretär von Herzog Philippe d'Orléans ("Philippe Egalité", dem Vater des späteren "Bürgerkönigs" Louis-Philippe). 1792 dient er der Revolutionsarmee als Artillerieoffizier und wird General. 1793, im Jahr der Terreur, gerät auch er in Haft und in Köpfungsgefahr. 1794 rettet ihn der Sturz des Diktators Robespierre. Nach 1799 schließt Laclos sich dem neuen starken Mann Napoleon an und ist erneut General. Er stirbt auf einem der napoleonischen Italienfeldzüge an Ruhr.

Ein zweiter von ihm projektierter Roman kam über Pläne und Notizen nicht hinaus; die Liaisons dagegen gelten zu Recht als einer der besten franz. Romane überhaupt.
 
nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

Werke:

  • Les Liaisons dangereuses, 1782
  • De l'éducation des femmes, 1783

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