Kardinal de Retz

eigentlich Jean-François Paul de Gondi: frz. Schriftsteller und Geistlicher, Kardinal.
 
Geburtsdatum: 20. September 1613
Geburtsort: Montmirail
Sterbedatum: 24. August 1679
Sterbeort: Paris

Dieser nicht zuletzt als turbulentes Subjekt interessante Autor ist geboren als Pierre de Gondi in einer Familie italienischer Herkunft, die dank der Protektion von Catherine de Médicis (der zweiten Gemahlin von König Heinrich IV.) zu Reichtum und Adelstiteln gekommen war. Da er nur jüngerer Sohn ist und ein Großonkel Bischof, wird er mit 10 tonsuriert. Nach dem frühen Tod seiner Mutter und dem Rückzug seines frommen Vaters in ein Kloster kommt er zu den Jesuiten auf das Pariser Collège de Clermont, wo er als schwieriger, aber hochbegabter Schüler gilt, der z.B. sechs Fremdsprachen kann. Mit 19 wird er Priester und betätigt sich mit großem Erfolg als mondäner Prediger. Mit 29 wird er Titularbischof von Korinth und designierter Nachfolger seines Großonkels, der inzwischen zum Erzbischof von Paris avanciert ist. Als der Hochadelige und Ehrgeizige, der er ist, beschäftigt er sich aber nicht nur mit Theologie, sondern auch mit seinen zahlreichen Mätressen und vor allem mit der Politik, d.h. den Machtkämpfen hinter den Kulissen des Hofes. Nachdem er sich schon vor 1642 an den Intrigen der Königin Anna von Österreich und des Hochadels gegen den allmächtigen Kardinal de Richelieu beteiligt hatte, spielt er eine zentrale Rolle (auch als gefürchteter Pamphletist) im Fronde-Aufstand (1648-52), gegen den Nachfolger Richelieus, Kardinal Mazarin. 1651 zieht er sich einen Kardinalshut an Land und ist nun der Cardinal de Retz, als der er in die Literaturgeschichte eingehen wird. Nach dem Sieg Mazarins 1652 bekommt Retz Festungshaft, kann aber 1654 auf abenteuerliche Weise fliehen und lebt im Exil in Spanien, Italien, der Schweiz und (schließlich ist er ja Kardinal) in Rom. 1662 endlich wird er von Ludwig XIV. begnadigt, nachdem er auf die Nachfolge seines Onkels verzichtet hat. Er erhält als Entschädigung die reiche Abtei Commercy zugewiesen, bleibt jedoch vom Hof (wo sich für einen Hochadeligen alles Wesentliche abspielt) ausgeschlossen. Zurückgezogen in Commercy diktiert er schließlich (1671-75?) seine Mémoires, in deren Zentrum die Jahre vor und während der Fronde stehen, d.h. seine hohe Zeit als Meisterintrigant hinter und vor den Kulissen. Die in der Fiktion an eine hochstehende Dame gerichteten Mémoires (die erst postum 1717 erschienen sind) gelten aufgrund der psychologischen Intuition, mit der Retz beobachtet, sowie der Präzision und Pointiertheit, mit der er formuliert, als ein Meisterwerk der Gattung und wurden bis ins 19. Jh. hinein als eine Art Lehrbuch in der Kunst der politischen Intrige und des Machtpokerns gelesen.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
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