Goncourt, Edmond und Jules

Diese den im 19. Jh. gar nicht so seltenen Typ des Autoren-Tandems verkörpernden Brüder gelten als Begründer der literarischen Strömung des Naturalismus.
 
Sie sind Enkel eines kurz vor der Revolution durch den Kauf eines Rittergutes (seigneurie) in den Adelsstand getretenen Großvaters und Söhne eines ebenfalls sehr wohlhabenden napoleonischen hohen Offiziers. Beide absolvieren sie Pariser Gymnasien, Edmond studiert Jura und arbeitet einige Jahre als Ministerialbeamter.

1849/50, d.h. nachdem auch Jules erwachsen ist, zieht Edmond sich aus dem Berufsleben zurück. Die Brüder machen nun, obwohl Jules etwas kränklich ist, zusammen längere Reisen, deren Eindrücke sie in Wort und Bild festhalten. Auf den Geschmack gekommen, betätigen sie sich danach gemeinsam als freie Schriftsteller: Kunstkritiker, Theaterkritiker, Historiker, Dramatiker und schließlich Romanciers. Hierbei haben sie die Idee, in ihren Romanen die Doktrin der zeitgenössischen positivistischen Philosophie zu exemplifizieren, nach der der Mensch vor allem durch sein Erbgut (la race), seine Zeit (le moment) und sein soziales Umfeld (le milieu) determiniert sei. Damit kreieren sie eine literarische Schule: den Naturalismus.
 
Ihre wichtigsten – allesamt zu zweit verfassten – Romane sind: Les hommes de lettres (1860), die Geschichte eines Literaten in seinem Milieu; Renée Mauperin (1864), die Geschichte einer jungen Großbürgerin in ihrem Milieu; Manette Salomon (1867), die Geschichte einer Frau im Künstlermilieu und vor allem Germinie Lacerteux (1864), die Geschichte eines Dienstmädchens, das quasi idealtypisch alles Gute und Böse erlebt, was einem Dienstmädchen widerfahren kann (z.B. dass sie von dem Mann, den sie liebt, gewissenlos ausgenutzt wird und schließlich in Schulden versinkt).
 
Ein kulturhistorisches Dokument ersten Ranges ist das Tagebuch (Journal), das die Brüder ab 1851 führen und das Edmond nach Jules' frühem Tod (1870) allein fortsetzt.
 
Edmond stiftet 1896 die Académie Goncourt, die noch heute jährlich im Herbst einen französischen Roman mit dem Prix Goncourt auszeichnet, dem begehrtesten und werbewirksamsten der zahllosen französischen Literaturpreise.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

Werke:

  • Renée Mauperin, 1864
  • Germinie Lacerteux, 1865
  • Manette Salomon, 1867
  • Madame Gervaisais, 1869

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