Flaubert, Gustave

Geburtsdatum 12. Dezember 1821
Geburtsort: Rouen
Sterbedatum: 8. Mai 1880
Sterbeort: Canteleu

Er gilt als einer der Klassiker des franz. Romans und bildet zusammen mit Stendhal und Balzac das Dreigestirn der großen realistischen Erzähler.

Er wächst auf in Rouen als jüngerer Sohn des Chefarztes des städtischen Krankenhauses und erlebt, da dessen Dienstwohnung, wie damals üblich, an das Krankenhaus angrenzt, das Leiden und Sterben dort aus nächster Nähe mit. Er selbst begibt sich früh in die Rolle eines Kranken (Epilepsie?), weshalb er seine Jurastudien 1844 abbricht. Dennoch macht er größere Reisen (die letzte 1850 in den Vorderen Orient, zusammen mit dem wenig jüngeren, aber schon am Beginn seines Erfolges stehenden Literaten Maxime Du Camp). Danach lebt Flaubert bei seiner inzwischen verwitweten Mutter und führt mit ihrem und seinem Erbe ein zurückgezogenes Dasein als schriftstellernder Rentier in Croisset nahe Rouen, das er nur noch für gelegentliche Aufenthalte in Paris verlässt, z.B. um sich dort mit seiner langjährigen Geliebten zu treffen, der Schriftstellerin Louise Colet, mit der er auch in vielen Briefen über literarische Fragen diskutiert.

Flaubert schreibt schon seit seiner Jugend unermüdlich, stellt aber so hohe Ansprüche an sich selbst, dass er lange Jahre alle Manuskripte unpubliziert in der Schublade lässt. Sein erstes gedrucktes Werk wird schließlich der 1851 begonnene Roman Madame Bovary (1857), der ihm sogleich einen Prozess wegen Verstoßes gegen die Sitten einträgt, dadurch aber ein Skandalerfolg wird. Madame Bovary erzählt die Geschichte einer jungen Dorfarzt-Gattin, die rasch unzufrieden mit ihrem lieben, aber biederen Mann ist, sich nach dem Vorbild von Romanen und Frauenmagazinen ein Leben in Leidenschaft und Luxus erträumt, mittels zweier Liebschaften und eines gewissen Luxuskonsums auch einige Schritte zur Realisierung eines solchen Lebens zu tun versucht, aber immer wieder eingeholt wird von der Trivialität und Enge ihrer realen Verhältnisse, bis sie schließlich von Schulden erdrückt Selbstmord begeht: das Scheitern einer romantischen Idealistin an einer materialistischen Welt.

Weniger erfolgreich, aber noch einflussreicher auf die Entwicklung des europäischen Romans ist Flaubert mit L'Éducation sentimentale (1869). Es ist die Geschichte des jungen Provinzlers Frédéric Moreau, der nach Paris geht, wo er eine große Zukunft in Politik, Literatur und Liebe erhofft, jedoch die ihm sich durchaus bietenden realen Chancen zugunsten irrealer, idealer Ziele verpasst, insbesondere einer langen schwärmerisch-unerfüllten Liebe zu einer verheirateten Frau, die ihn paralysiert. Nachdem auch seine kurze Begeisterung für die Ideale und Ziele der 48er Revolution verpufft ist, versinkt er in Mittelmäßigkeit, wird aber durch eine hübsche Erbschaft vor dem Schlimmsten bewahrt. Frédéric ist eine Symbolfigur des weniger tragischen als traurigen Weges der Quarante-huitards, d.h. der durch die Februarrevolution in Aufbruchstimmung versetzten, dann jedoch politisch frustrierten 48er Generation, der auch Flaubert sich zurechnete. Der Titel des Romans ist übrigens ironisch zu verstehen, da Frédéric (anders als z.B. Julien in Stendhals Le Rouge et le Noir oder Rastignac in Balzacs Le Père Goriot) von der geliebten verheirateten reiferen Frau gar keine bzw. eine ihn nur lähmende "éducation sentimentale" erfährt.

Die übrigen Werke Flauberts (Salambô, historischer Roman, 1862; La Tentation de Saint Antoine, 1874; Trois Contes, 1877; Bouvard et Pécuchet, Roman, unvollendet, 1881) werden heute kaum mehr gelesen. Die Bovary und die Éducation dagegen gelten als epochemachend für die Entwicklung des europäischen Romans, und zwar aufgrund der Idee Flauberts, seine Protagonisten nicht mehr (wie z.B. Balzac dies tat) als Ausnahmepersonen zu konzipieren, sondern als gänzlich unheroische Durchschnittscharaktere.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

Werke:

  • Madame Bovary
  • Salammbô
  • L'Éducation sentimentale
  • La Tentation de Saint-Antoine

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