Du Bellay, Joachim

Geburtsdatum: 1522
Geburtsort: Liré
Sterbedatum: 1. Januar 1560
Sterbeort: Paris

Du Bellay gilt neben Pierre de Ronsard als der repräsentativste franz. Lyriker der Mitte des 16. Jh.

Er war jüngerer Sohn aus einer ärmeren Linie der alten angevinischen Adelsfamilie Du Bellay. Nach früher Verwaisung und einer offenbar freudlosen Jugend unter der Vormundschaft seines ältesten Bruders René ging er um 1540 nach Poitiers, um dort Jura zu studieren, schloss sich zugleich aber einigen humanistisch gebildeten Literaten an, in deren Kreis er erste Gedichte verfasste. 1543 lernte er bei der Beerdigung eines Verwandten den wenig jüngeren Dichterkollegen Ronsard kennen, dem er 1547 nach Paris folgte, um dort vor allem Studien der lateinischen und griechischen Literatur zu treiben. Wenig später gründete er mit ihm sowie fünf anderen, heute kaum mehr bekannten Autoren den Dichterkreis der Pléiade (=Siebengestirn).

Anfang 1549 publizierte er das seinerzeit nur mäßig beachtete, jedoch im 19./20. Jh von patriotischen Literarhistorikern zu einem Schlüsseltext erklärte Büchlein La Défence et illustration de la langue française, eine Art Manifest der Theorien und der Praxis der Pléiade. Im ersten Teil proklamiert Du Bellay das Französische zur Literatursprache von der gleichen Dignität wie das Griechische, Lateinische oder Italienische. Der zweite Teil ist eine Poetik (eine der vielen, die damals in ganz Europa verfasst wurden), die vor allem allerlei Regeln zum Dichten vermittelt, dabei aber eine stärkere Orientierung der franz. Literatur, insbes. der Lyrik, am Formenschatz der inzwischen als vorbildhaft geltenden italienischen vorschlägt, unter Abkehr von der als mittelalterlich-gestrig erklärten eigenen franz. Tradition, wie sie vor allem von dem eine Generation älteren Clément Marot repräsentiert wurde.

Gleichzeitig mit der Défence veröffentlichte er L'Olive et quelques autres œuvres poétiques, eine Sammlung von 50 petrarkistischen Sonetten, die er Marguerite de France widmete, einer Schwester von König Henri II. Ende 1550 brachte er diese erste Sonett-Sammlung der franz. Literatur in einer zweiten, auf 115 Stücke erweiterten Auflage heraus.

Seinen humanistischen Interessen folgend betätigte er sich auch als Übersetzer aus dem Lateinischen und ließ 1552 eine Teilübertragung von Vergils Äneis und andere Übertragungen drucken. Anfang 1553 publizierte er eine weitere Gedichtsammlung, Recueil de poésie. Inzwischen hatte er sich bei einer Krankheit eine starke Schwerhörigkeit zugezogen, die ihm, dem ohnehin Depressiven, das Leben zusätzlich verdüsterte.

Im April 53 trat er, da er nach dem Tod seines Bruders René einen Neffen zu versorgen hatte, in die Dienste eines arrivierten Verwandten, Kardinal Jean du Bellay, Erzbischof von Paris und Frankreichs Oberdiplomat in Italien (bei dem schon Rabelais Sekretär und Leibarzt gewesen war). Ihm folgte er, wohl auch in der Hoffnung, so eine diplomatische Karriere beginnen zu können, nach Rom und verbrachte dort vier Jahre als sein Majordomus. Obwohl ihm die Stadt neue Horizonte eröffnete und er dort einen Freund in dem Literatenkollegen Olivier de Magny gewann, hatte er offenbar wenig Freude an seiner Situation. Auch erschien ihm römische Hof aufgrund der Schaukelpolitik des Papstes zwischen Frankreich und Deutschland/Spanien wie ein Schlangennest.

Im Spätsommer 1557 kehrte er zurück nach Paris, wo er Anschluss an die alten und an neue Literatenkollegen fand und sich mit Gedichten zu verschiedenen offiziellen und anderen Anlässen auch am Königshof zu etablieren versuchte, ähnlich wie es Freund Ronsard soeben geschafft hatte. Anfang 1558 brachte er sein wohl bestes Werk heraus, Les regrets, eine Sammlung von 191 größtenteils in Rom verfassten Sonetten von vielfältiger Thematik, aber mit einem gemeinsamen Unterton von Heimweh, Frustration und Desillusion. Zugleich allerdings ließ er den Sammelband Divers jeu rustiques erscheinen, dessen Versnovellen und Gedichte verschiedener Machart einen witzigen, manchmal sogar heiteren Du Bellay präsentieren. Den melancholischen wiederum zeigt Le premier livre des antiquités de Rome, eine Ende 58 gedruckte Sammlung von 32 Sonetten, deren Hauptthema die damals überall in Rom und Umgebung verstreuten antiken Ruinen sind bzw. das Gefühl von Vergänglichkeit und Vergeblichkeit, das sie in Du Bellay auslösten.

Ebenfalls 1558 konnte er einen beachtlichen Karrieresprung verzeichnen mit seiner Ernennung zum Großvikar Jean du Bellays, d.h. zu dessen Stellvertreter als Bischof und eventuellem Nachfolger. Allerdings profiertierte er kaum mehr von seiner neuen Position, denn er starb, depressiv und schon länger krank, mit 37 am Neujahrstag 1560.

1568/69 erschien die erste Gesamtausgabe seiner Werke, die in der Folgezeit mehrfach nachgedruckt wurde.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

France, mère des arts, des armes et des lois,
Tu m'as nourri longtemps du lait de ta mamelle:
Ores, comme un agneau qui sa nourrice appelle,
Je remplis de ton nom les antres et les bois.

Si tu m'as pour enfant avoué quelquefois,
Que ne me réponds-tu maintenant, ô cruelle?
France, France, réponds à ma triste querelle.
Mais nul, sinon Echo, ne répond à ma voix.

Entre les loups cruels j'erre parmi la plaine,
Je sens venir l'hiver, de qui la froide haleine
D'une tremblante horreur fait hérisser ma peau.

Las, tes autres agneaux n'ont faute de pâture,
Ils ne craignent le loup, le vent, ni la froidure:
Si ne suis-je pourtant le pire du troupeau.

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