Descartes, René

Geburtsdatum: 31. März 1596
Geburtsort: Descartes
Sterbedatum: 11. Februar 1650
Sterbeort: Stockholm

Descartes gilt den Franzosen als einer ihrer wichtigsten Denker, dessen Name sogar, mit dem Adjektiv cartésien, ins franz. Lexikon eingegangen ist.

Er wurde geboren als viertes Kind einer kleinadeligen Familie der Touraine; sein Vater war Gerichtsrat (conseiller) am Parlement von Rennes, dem Obersten Gerichtshof der Bretagne. Da seine Mutter gut ein Jahr nach seiner Geburt starb und der Vater sich rasch wieder verheiratete, verlebte Descartes seine Kindheit bei einer Amme und einer Großmutter. Mit 8 kam er als Internatsschüler auf das Jesuitenkolleg von La Flèche, das er 1614 mit einer soliden klassischen, aber auch mathematischen Bildung verließ sowie mit überwiegend positiven Erinnerungen an seine Lehrer und Mitschüler, von denen einer, der spätere Pariser Privatgelehrte und Naturforscher Marin Mersenne (1588-1648) sein Freund blieb.

Bis 1616 studierte Descartes Jura in Poitiers und legte ein juristisches Examen ab, so als wolle er in die Fußstapfen seines Vaters treten. Anschließend absolvierte er aber an einer Pariser "Académie" für junge Adelige einen Lehrgang in Fechten, Reiten, Tanzen und gutem Benehmen und verdingte sich (ebenfalls noch 1616) bei dem berühmten Feldherrn Moritz von Nassau im holländischen Breda, so als wolle er die andere Option eines jungen Adeligen ausüben, nämlich eine Offizierskarriere. In Breda stieß er auf den 6 Jahre älteren Arzt und Naturforscher Isaac Beeckmann, der ihn für die Physik begeisterte und dem er dankbar für diese "Erweckung" sein erstes naturwissenschaftliches Werk widmete, das mathematisch-physikalisch orientierte Musicae compendium (1618).

1619, nach Reisen durch Dänemark und Deutschland, verdingte sich Descartes nochmals als Soldat, nunmehr bei Herzog Maximilian von Bayern, unter dem er auf kaiserlich-katholischer Seite an der Eroberung Prags teilnahm, d.h. den ersten Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges (1618-48).

Im November 1619, kurz nachdem er in Prag die Arbeitsstätte der Astronomen Tycho Brahe  (1546-1601) und Johannes Kepler (1571-1630) besichtigt hatte, hatte er eine Art Vision: ihm kam die Idee, dass es "eine universale Methode zur Erforschung der Wahrheit" geben müsse und dass er berufen sei, sie zu finden, wobei er keine Erkenntnis akzeptieren dürfe außer der, die er in sich selbst oder dem "großen Buch der Welt" endeckt und auf ihre Plausibilität und Logik hin überprüft habe.

1620 hängte Descartes also den Soldatenrock an den Nagel, machte die Pilgerfahrt, die er der Jungfrau Maria zum Dank für die Vision gelobt hatte, und ging einige Jahre lang auf jeweils vielmonatige Reisen durch Deutschland, Holland, die Schweiz und Italien, wobei er Einblicke jeglicher Art zu gewinnen und mit den verschiedensten Leuten, vor allem Gelehrten, Gespräche zu führen versuchte.
1625, nachdem er sein Erbe liquidiert und so angelegt hatte, dass es ihm ein auskömmliches Leben erlaubte, ließ er sich nieder in Paris. Hier verkehrte er mit Intellektuellen und in der guten Gesellschaft (bestand auch siegreich ein Duell), las, schrieb (z.B. den kleinen Traktat Regulae ad directionem ingenii = Regeln zur Leitung des Intellekts, 1628) und machte sich einen Namen als scharfsinniger Kopf. Insbesondere beeindruckte er auf einer Abendgesellschaft den Kardinal Pierre de Bérulle so sehr, dass dieser ihn zu einer Privataudienz einlud und ihn danach aufforderte, seine Theorien ausführlicher darzustellen und damit die Philosophie zu reformieren.

Descartes zog deshalb 1629 aus Paris nach Holland, wo ihn vielleicht die noch bestehende (aber bald in die Brüche gehende) Freundschaft mit Beeckmann sowie zweifellos das anregende geistige Klima reizte, das in diesem multireligiösen und wirtschaftlich blühenden Land mit großer Schul- und Hochschuldichte herrschte. Hier verbrachte er, zwar im Austausch mit Intellektuellen unterschiedlichster Herkunft und Ausrichtung, aber dennoch relativ zurückgezogen, die nächsten 18 Jahre, wobei er seltsam unstet die Städte und Wohnungen wechselte (mit einer Dienstmagd aber auch ein Kind, ein Mädchen, zeugte, dessen Tod mit fünf Jahren ihn erschütterte). Vor allem jedoch schrieb er fleißig, darunter auch zahlreiche Briefe, die er über seinen Pariser Freund Mersenne, der allein seine jeweilige Adresse kannte, mit Gelehrten aus ganz Europa sowie auch einigen geistig interessierten hochstehenden Damen wechselte.

Die ersten Monate in Holland arbeitete Descartes an einem Traktat zur Metaphysik, in dem er einen klaren und definitiven Gottesbeweis zu führen hoffte. Er legte ihn jedoch beiseite, um an einem großangelegten naturwissenschaftlichen Werk zu arbeiten, das er in der sich langsam profilierenden Naturwissenschaftssprache Französisch verfasste und nicht mehr, wie seine bisherigen Texte, in dem die Geisteswissenschaften dominierenden Latein. Diesen Traité du Monde (=Abhandlung über die Welt), wie er heißen sollte, ließ er jedoch unvollendet, als er vom Schicksal Galileis erfuhr, der soeben (1633) von der Inquisition zum Widerruf seiner Kopernikus und Kepler bestätigenden Theorien gezwungen worden war.

1637 publizierte er im holländischen Leiden den Discours sur la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences, plus la Dioptrique, les Météores et la Géométrie qui sont des essais de cette méthode (=Rede/Vortrag über die Methode, seine Vernunft gut zu führen und die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen, dazu die Lichtbrechung, die Meteore und die Geometrie als Versuchsanwendungen dieser Methode). Der als populärwissenschaftliches Werk auf hohem Niveau angelegte Discours sur la méthode (den auch Damen lesen können sollten) wurde Descartes' langfristig wirksamstes Buch, das nach Meinung vieler Franzosen den franz. Nationalcharakter im Sinne einer auf Logik und Systematik bedachten analytischen Intellektualität geformt hat: eben des esprit cartésien. Fixpunkte des Discours sind eine Erkenntnistheorie, die nur das als richtig akzeptiert, was durch die eigene schrittweise Analyse und logische Reflexion als plausibel verifiziert ist; eine Ethik, gemäß der das Individuum sich im Sinne bewährter gesellschaftlicher Konventionen pflichtbewusst und moralisch zu verhalten hat; eine Metaphysik, die zwar (durch logischen Beweis) die Existenz eines vollkommenen Schöpfer-Gottes annimmt, aber kirchenartigen Institutionen wenig Raum lässt; eine Physik, die die Natur als durch zwar gottgegebene, aber allgemeingültige Gesetze geregelt betrachtet (Wunder z.B. also ausschließt) und dem Menschen ihre rationale Erklärung und damit letztlich ihre Beherrschung zur Aufgabe macht.

Langfristig weniger wirksam, aber in Fachkreisen zunächst offenbar anstößiger waren die nächsten Werke von Descartes: die 1641 gedruckten Méditations sur la philosophie première, dans laquelle sont démontrées l'existence de Dieu et l'immortalité de l'âme (so der Titel einer franz. Übersetzung von 1647) und die Principia philosophiae (=Grundlagen der Philosophie, 1644). Sie veranlassten Utrechter und Leidener Theologen zu einer derart agressiven Polemik, dass Descartes 1645 an einen Umzug nach England dachte und in den Folgejahren mehrmals Holland fluchtartig zu Reisen nach Frankreich verließ.

Sicher ließ ihn diese Situation nachdenken über die Beweggründe menschlichen Verhaltens und ist vielleicht nicht unbeteiligt an dem Traktat Les passions de l'âme (=die Leidenschaften der Seele, 1649), den er für seine eifrigste, kritischste und kompetenteste Briefpartnerin Elisabeth von Böhmen verfasste. Hierin interpretiert Descartes nicht nur die direkten Reflexe, z.B. die Angst, sondern auch die spontanen Gefühlsregungen, z.B. Liebe oder Hass, als nur zu natürliche Ausflüsse der kreatürlichen Körperlichkeit des Menschen, verpflichtet diesen als ein zugleich mit einer Seele begabtes Wesen aber zu ihrer Kontrolle durch den Willen und zu ihrer Überwindung durch vernunftgelenkte Regungen wie z.B. selbstlosen Verzicht oder großmütige Vergebung.

Ende 1649 folgte Descartes einer Einladung Königin Christinas von Schweden, einer langjährigen Briefpartnerin, nach Stockholm, wo er jedoch die erhoffte Ruhe nicht recht fand, u.a. weil er morgens um fünf am königlichen Frühstückstisch erscheinen musste. Auf einem seiner Wege dorthin erkältete er sich und erlag Anfang 1650 einer Lungenentzündung.

Descartes' Ethos der Pflicht und der Selbstüberwindung hat die Literatur der französischen Klassik des 17. Jahrhunderts stark beeinflusst. Die berühmte Maxime "cogito, ergo sum" (=ich denke, also bin ich existent), die seiner Erkenntnistheorie zugrundeliegt, ist gebildeten Europäern bis heute geläufig. Als die dauerhafteste geistige Leistung Descartes' sollte sich allerdings sein Beitrag zur Mathematik erweisen: die Entwicklung der analytischen Geometrie.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
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