Chénier, André

Geburtsdatum: 29. Oktober 1762
Geburtsort: Konstantinopel
Sterbedatum: 25. Juli 1794
Sterbeort: Paris

Obwohl er im 18. Jh. lebte und schrieb, ist Chénier insofern ein Autor des 19., als seine Lyrik erst nach dem Erscheinen einer Sammelausgabe 1819 bekannt und dann für die Entwicklung der franz. Dichtung sehr bedeutsam wurde.

Er wurde geboren als ältester Sohn eines jung nach Konstantinopel (=Istanbul) ausgewanderten verarmten franz. Adeligen, der dort als Tuchhändler wohlhabend geworden war und eine junge Frau aus dem damals nicht unbedeutenden griechischen Bevölkerungsanteil der Stadt geheiratet hatte.

1765 (im Siebenjährigen Krieg) ging der Vater wegen schlechter Geschäfte zusammen mit seiner Frau und seinen fünf Kindern zurück nach Frankreich, Chénier wurde von einem Onkel in Carcassonne aufgenommen. Erst 1773, mit elf, kam er zu seiner Mutter, die sich in Paris niedergelassen hatte, nachdem der Vater zum franz. Konsul in Salé (Marokko) ernannt worden war, wo er meistens auch lebte.

Chénier erhielt nun eine solide klassische Bildung im Collège de Navarre. Daneben begegneten er und sein wenig jüngerer Bruder Marie-Joseph (der sich später einen Namen als Dramatiker machte) im als "griechisch" firmierenden Salon der gesellschaftlich sehr aktiven Mutter vielen Literaten, Malern, Naturforschern und — denn die antike griechische Kunst wurde gerade wiederentdeckt — Archäologen. Hier auch las er ab ca. 1778 seine ersten Gedichte vor und sah sich ermutigt.

Nach einem enttäuschenden Versuch als Offiziersanwärter in Straßburg (1782/83) machte er eine Bildungsreise durch Italien und die Schweiz. Danach verbrachte er einige Jahre als intellektuell vielseitig interessierter, etwas kränkelnder junger Lebemann in Paris, schrieb weiterhin Lyrik sowie einige Langgedichte im Stil der Epoche und fing zwei Versepen an (Hermès und L'Amérique), die unvollendet blieben. 1787 wurde er, etwas in Geldnot geraten, Sekretär des französischen Botschafters in London, obwohl er, wie viele Franzosen der Zeit, England nicht mochte und sich dort unwohl fühlte.

Als er 1790 nach Paris zurückkehrte, schloss sich Chénier den gemäßigten Revolutionären an und betätigte sich publizistisch für die Sache einer konstitutionellen Monarchie und meritokratischen Gesellschaftsverfassung. Ab 1791 attackierte er mit Pamphleten die radikalen Revolutionäre, die Jacobiner. Als diese 1792 die Macht eroberten und das Terrorregime des sog. Wohlfahrtsausschusses unter Robespierre begann, tauchte Chénier unter und lebte versteckt in Versailles. Anfang 1794 kehrte er nach Paris zurück – zu früh, denn er wurde verhaftet und wegen "Verheimlichung von Dokumenten" verurteilt.

Auf seine Hinrichtung wartend schrieb er scharfe polit-satirische Gedichte (iambes) und die berühmte Ode à une jeune captive, die er er aus dem Gefängnis schmuggeln konnte. Am 25. Juli wurde er guillotiniert, zwei Tage vor dem Sturz Robespierres und dem Ende der "Terreur".

Während Chénier zu seinen Lebzeiten nur kurze Zeit als Publizist und Pamphletist bekannt war, gründet sein späterer Ruhm auf seiner Lyrik, d.h. vor allem auf den meist schon in den 1780er Jahren verfassten bucoliques (Hirtengedichten), élégies, épigrammes, odes, hymnes und poèmes. Diese Texte sind dank der Schönheit ihrer Sprache und der Ausdruckskraft ihrer Bilder ein Höhepunkt der klassizistischen, d.h. an griechischen und lateinischen Vorbildern geschulten Lyrik des 18. Jh.; sie blieben allerdings zu Cheniers Lebzeiten bis auf Ausnahmen ungedruckt. Als sie schließlich 1819 gesammelt erschienen, wirkten sie (vielleicht auch dank der nostalgischen Grundstimmung, die sie prägt) wie eine Offenbarung auf die neue Dichterschule der Romantiker. Nach 1850 wurde Chénier erneut zu einem wichtigen Vorbild, diesmal für die Dichterschule der Parnassiens.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
 
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