Beckett, Samuel

Geburtsdatum: 13. April 1906
Geburtsort: Dublin
Sterbedatum: 22. Dezember 1989
Sterbeort: Paris

Geboren als britischer Staatsbürger, wurde er 1921 Ire aufgrund der Entlassung Irlands in die Unabhängigkeit. Ab 1937 lebte er ständig in Frankreich. Seine ersten Texte verfasste er in englischer Sprache, in seiner mittleren und fruchtbarsten Phase schrieb er überwiegend Französisch, später wechselte er, oft von Text zu Text, die Sprache und übertrug sich häufig selber in die jeweils andere.
Beckett wuchs auf in einem Vorort Dublins in einer bürgerlichen protestantischen Familie. Seine Kindheit und Jugend wurden überschattet von dem langen erbitterten Kampf, durch den die überwiegend katholischen Iren dem protestantischen England nach fast 400 Jahren Fremdherrschaft die Unabhängigkeit abtrotzten.

1923, d.h. mit 17, begann Beckett am renommierten Dubliner Trinity College ein Studium der Fächer Französisch und Italienisch, in dessen Rahmen er 1926 erstmals nach Frankreich und 1927 erstmals nach Italien reiste.

Nach dem Abschluss seines Studiums war er 1928-30 zwei Jahre Englisch-Lektor an der Pariser École Normale Supérieure, der französischen Elitehochschule für die Lehramtsfächer. In Paris erhielt er Zugang zu Literatenkreisen und wurde Vertrauter seines 24 Jahre älteren Landsmanns James Joyce, der sich schon vor längerer Zeit aus dem unruhigen Irland dorthin zurückgezogen und inzwischen mit dem als Skandalroman betrachteten Ulysses (1922) eine gewisse Berühmtheit erlangt hatte. Ebenfalls in Paris machte Beckett seine ersten ernsthaften schriftstellerischen Versuche, unter anderem mit Lyrik und zunächst in englischer Sprache. Überwiegend von hier aus auch fuhr er mehrfach nach Deutschland, weil er sich in Kassel in eine dort lebende Kusine verliebt hatte.
1930 kehrte er zurück nach Dublin und wurde Assistent im Fach Französisch am Trinity College. Doch erlebte er die geregelte Tätigkeit als Last, kündigte und ging 1932, nach einer längeren Reise durch Deutschland, wieder nach Paris - und wenig später nach Dublin.

1933, nach dem plötzlichen Tod seines Vaters, eines kleinen mittelständischen Unternehmers, widersetzte er sich dem Druck seiner Mutter, als Partner seines Bruders in die Firma einzutreten. Vielmehr ließ er sich in London nieder, wo er mühsam und oft depressiv von Zuwendungen der Mutter lebte und als Autor Fuß zu fassen versuchte. Ein Bändchen erzählende Texte, das er unter dem obszön deutbaren Titel More Pricks than Kicks 1934 publizierte, blieb jedoch erfolglos und wurde überdies verboten; für seinen ersten Roman, Murphy, fand er lange Zeit keinen Verleger.

Nach einer neuerlichen halbjährigen Deutschlandreise 1936/37 (deren Tagebuch 2003) aufgetaucht ist, ließ Beckett sich 1937 in Paris nieder. Dieses wurde ihm nun zur zweiten Heimat, trotz des lebensgefährlichen Messerstichs eines Unbekannten gleich im ersten Jahr. Sicher war an seinem Entschluss zu bleiben die junge Pianistin Suzanne Deschevaux-Dumesnil nicht unbeteiligt, die ihn als Genesenden im Krankenhaus besucht hatte und seine Lebenspartnerin sowie später (1961) seine Frau wurde. Auch sprachlich französisierte er sich, indem er Murphy (der 1938 endlich in London erschienen war) selbst ins Französische übertrug.

1939 wurde er vom Kriegsausbruch bei einem Besuch in Irland überrascht, das neutral blieb. Er kehrte aber sofort nach Paris zurück und schloss sich Ende 1940 dem französischen Widerstand, der Résistance an. Als 1942 seine Guppe an die Gestapo verraten wurde, tauchte Beckett unter und ging mit Partnerin Suzanne in die unbesetzte Südhälfte Frankreichs, in das Dorf Roussillon. Hier verdingte er sich als Erntehelfer und Gelegenheitsarbeiter und schrieb nachts an seinem vorerst letzten englischsprachigen Roman, Watt (gedruckt erst 1953).

Nach der Libération 1944 kehrte er im April 1945 zurück nach Paris und meldete sich nach einem Besuch in Irland freiwillig als Rot-Kreuz-Helfer. Als solcher arbeitete er bis zum Jahresende, überwiegend als Dolmetscher, in einem Lazarett im normannischen Saint-Lô. Wieder in Paris, zog er sich ins Private zurück und trat, als nunmehr französischsprachiger Autor, in seine fruchtbarste Schaffensphase ein. Zunächst hatte er allerdings Mühe, seine Bücher gedruckt zu bekommen, bis Suzanne den Inhaber der Editions de Minuit für ihn gewann.

Es entstanden 1946 der Roman Mercier et Camier (publiziert erst 1970) und 1948 die Romane Molloy und Malone meurt (beide gedruckt 1951). Ebenfalls 1948 entstand das Stück En attendant Godot, für das sich lange kein Theater fand, bis es Anfang 1953 endlich aufgeführt wurde und durch seinen überraschendem Erfolg Beckett zu einer der Galionsfiguren des Theaters des Absurden machte.
Ab 1946 entstanden die Erzählungen des Bandes Textes pour rien (1956), 1949 der Roman L’Innommable (gedruckt 1953) und 1954-56 ein weiteres Stück: Fin de partie (Uraufführung 1957).
1953 fing Beckett an, beginnend mit Molloy, seine französisch verfassten Werke ins Englische zu übertragen. Dies brachte ihn dazu, teilweise wieder englisch zu schreiben, wobei er diese englischen Texte wiederum meist, mehr oder weniger anschließend, ins Französische übertrug.

1956 konzipierte er, beginnend mit All that fall, für den englischen Radiosender BBC eine Serie von Hörspielen, ein Genus, das in Frankreich damals kaum bekannt war und mit dem sich Beckett eine für ihn neue Welt erschloss.
1957/58  verfasste er den Roman From an Abandoned Work, 1958 das hörspielartige Stück Krapp’s last Tape.
1960 schrieb er französisch den Roman Comment c'est und englisch das Stück Happy Days (Uraufführung 1961 in New York), das er 1962 als Oh les beaux jours übertrug (Uraufführung 1963 in Venedig).
1961 wurde Beckett erstmals mit einem Literaturpreis ausgezeichnet, dem ''Prix international des éditeurs''.
1963 verfasste er, neben den Hörspielen Words and Music und Cascando, die Komödie Play. Im selben Jahr wurde unter Mitwirkung des Autors das Hörspiel All that fall als Tous ceux qui tombent für das französische Fernsehen adaptiert und gesendet.

Hiermit war Beckett professionell in der Welt der Bilder angekommen, die ihn schon immer interessiert hatte. 1964 konzipierte er ein Filmdrehbuch und drehte in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Alan Schneider (der 1961 schon den Godot verfilmt hatte) und mit dem Stummfilmstar Buster Keaton in der Hauptrolle den stummfilmartigen Streifen Film, der im Jahr darauf in Venedig den „Prix de la Jeune Critique“ erhielt.

Film blieb der letzte originäre Film Becketts, denn 1965 wendete er sich dem Medium Fernsehen zu und verfasste als sein erstes genuines Fernsehstück Dis Joe, das er der BBC anbot. Da sich die Produktion dort verzögerte, das Stück aber inzwischen ins Deutsche übertragen worden war, entschloss sich der Süddeutsche Rundfunk, es unter der Regie des Autors zu produzieren. Es wurde 1966, an dessen 60. Geburtstag, gesendet und öffnete ihm die Tore des SDR, der in den 70er Jahren noch mehrere Stücke von und mit ihm produzierte.

1966 erschien unter dem Titel Comédie et actes divers ein Sammelband französisch verfasster bzw. ins Französische übertragener Stücke.

1967 konnte Beckett sich in Berlin als Theaterregisseur versuchen mit einer Inszenierung von Endspiel (Fin de partie).

Spätestens ab dem Ende der fünfziger Jahre war er ein anerkannter Autor. Er figurierte sogar, obwohl von Natur aus eher scheu und notorisch depressiv, ein wenig als Star im Pariser Literaturbetrieb. Seine Texte wurden rasch zum Druck angenommen und seine Stücke umgehend aufgeführt oder produziert.

1969 erhielt er den Nobelpreis für Literatur, blieb der Überreichungszeremonie aber fern.

In den Folgejahren verfasste er neben der Erzählung Le Dépeupleur (1970) und einigen – meist relativ wortlosen – Fernsehstücken zahlreiche weitere kürzere Texte, die in Zeitschriften abgedruckt wurden und hin und wieder gesammelt in Bandform erschienen.

Insgesamt allerdings zog er sich als Person mehr und mehr zurück und verschwand auch als Autor langsam aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit. Viele Leute waren bei der Nachricht von seinem Tod erstaunt, dass er überhaupt noch gelebt hatte.

Heute wird er, trotz gelegentlicher Ehrenrettungen immer weniger gelesen. Zumal seine erzählenden Werke (die in der Regel keine erkennbare Handlung besitzen und eine Atmosphäre von Sinnentleerung, Überdruss und Aussichtslosigkeit evozieren) gelten nicht zu Unrecht als schwer verdauliche Kost. Sein Ruhm beruht vor allem auf dem nach wie vor erfolgreichen Godot, dessen Titel „Warten auf Godot“ auch in Deutschland zur Redewendung geworden ist und dessen vier Figuren ein typisch menschliches Verhalten vorzuleben scheinen, nämlich das illusionäre Warten auf eine vermeintlich nahe Erfüllung und/oder Erlöserfigur (die in der ersten, vielleicht politisch motivierten Konzeption des Werkes eine Verkörperung de Gaulles gewesen sein könnte).

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

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