Béranger, Pierre-Jean

Geburtsdatum 19. August 1780
Geburtsort: Paris
Sterbedatum: 16. Juli 1857
Sterbeort: Paris

Dieser heute auch von vielen Literaturstudenten und sogar -professoren fast oder gar nicht gekannte Autor galt um 1830 als einer der ganz großen Lyriker Frankreichs.

Béranger stammte (anders als sein adelig klingender Name vermuten lässt) aus kleinen Pariser Verhältnissen. Nach der frühen Trennung seiner Eltern lebte er zunächst bei den Großeltern in Paris, dann bei einer Tante in der Provinz. 1796 kam er zurück in seine Heimatstadt. Eine Schulbildung hatte er nicht genossen, immerhin hatte die Tante ihn Lesen und Schreiben gelehrt. Er schlug sich zunächst mehr schlecht als recht durch, z.B. als Betreuer einer Bücherstube oder als Schriftsetzer, doch übte er auch schon seine Feder.

1803 schickte er einige Gedichte an den jüngeren Napoleon-Bruder Lucien Bonaparte und erhielt über ihn eine kleine Pension sowie 1809 einen Schreiberposten in der Schulverwaltung (université), der ihm Zeit ließ zum Lesen und Schriftstellern und den er bis 1821 behielt.

Nach fleißigen, aber erfolglosen Versuchen als Dramatiker, Epiker und seriöser Lyriker entdeckte Béranger 1812 sein Talent, auf bekannte Melodien neue Texte zu dichten, die zunächst zum Vortrag und Mitsingen in einschlägigen Weinlokalen gedacht waren und Liebes-, Trink- und Lebenslust feierten.

Schlagartig in ganz Frankreich bekannt wurde er 1813 mit dem verdeckt politischen Chanson Le Roi d'Yvetot, einem Loblied auf einen gutherzigen und friedlichen Dorf-"König", der ein liebenswertes Gegenbild darstellte zu dem pausenlos Krieg führenden und immer diktatorischer regierenden Kaiser Napoleon.

Nach dessen Sturz 1814 und der Rückkehr der alten Königsfamilie der Bourbonen mit Louis XVIII ging Béranger jedoch bald wieder in die Opposition und schrieb satirische Chansons gegen die Träger und Nutznießer der Restauration, d.h. die aus der Emigration zurückgekehrten Adeligen, machthungrige Jesuiten, zum neuen Regime übergelaufene Militärs und opportunistische Bourgeois. Daneben verfasste er Loblieder auf den einst gehassten Napoleon und wurde hiermit zu einem der Väter der gegen 1820 entstehenden Napoleon-Legende, d.h. des Mythos vom großen Kaiser, der mit starker Hand nicht nur den Ruhm Frankreichs gemehrt und Europa vom Joch absolutistischer Despoten befreit habe, sondern angeblich auch um das Wohl der kleinen Leute besorgt gewesen sei.

Als Béranger 1821 eine zweibändige Gesamtausgabe seiner Gedichte publizierte (eine erste Sammlung, Chansons morales et autres, war schon 1815 erschienen) wurde sie, weil er darin auch König und Kirche nicht schonte, verboten. Er selbst kam erstmals kurz ins Gefängnis, was sein Ansehen enorm erhöhte. Die 1825 erschienene Sammelband Chansons nouvelles konsekrierte ihn zum populärsten Dichter der Zeit, dessen eingängige Texte in allen Bevölkerungsschichten, zumal auch den unteren, ankamen. Als er 1828 nach dem Erscheinen seiner vierten Sammlung (Chansons inédites) erneut, u.a. wegen "Majestätsbeleidigung", ins Gefängnis musste, hagelte es Proteste aus ganz Europa, so berühmt war er inzwischen auch außerhalb Frankreichs.

Nach der Juli-Revolution von 1830 schloss sich Béranger dem neuen Regime des "Bürgerkönigs" Louis-Philippe an, was ihn allerdings der geliebten und fruchtbaren Oppositionellenrolle beraubte. Zwar versuchte er es mit einem vage kritischen Engagement für die von den neuen Mächtigen vernachlässigten unteren Schichten, doch den alten Biss hatte er nicht mehr. 1833 gab er eine letzte Sammlung heraus (Chansons nouvelles et dernières), die teils noch aus vor 1830 entstandenen politisch agressiveren Texten bestand, teils schon aus solchen, die nur humanitäre und soziale Zuwendung predigen.

Hiernach publizierte er kaum noch, sondern verwaltete seine Position einer im ganzen Land geachteten und hofierten moralischen Autorität. 1848 wurde er ohne sein Zutun in die Nationalversammlung gewählt, zog sich aber bald aus der Politik zurück. In seinen letzten Jahren musste Béranger noch erleben, wie sein Werk rasant an Wertschätzung verlor und seine Einnahmen schrumpften. Zwar ordnete nach seinem Tod Kaiser Napoléon III ein Staatsbegräbnis für ihn an und druckte ein flinker Verleger schnell noch seine Memoiren sowie eine Sammlung Dernières chansons, doch geriet sein Name kurz danach schon in Vergessenheit.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur

Ce n'est plus Lisette

Quoi! Lisette, est-ce vous?
Vous, en riche toilette!
Vous, avec des bijoux!
Vous, avec une aigrette!
Eh! non, non, non,
Vous n'êtes plus Lisette.
Eh! non, non, non,
Ne portez plus ce nom.

Vos pieds dans le satin
N'osent fouler l'herbette.
Des fleurs de votre teint
Où faites-vous emplette?
Eh! non, non, non,
Vous n'êtes plus Lisette.
Eh! non, non, non,
Ne portez plus ce nom.

Dans un lieu décoré
De tout ce qui s'achète,
L'opulence a doré
Jusqu'à votre couchette.
Eh! non, non, non,
Vous n'êtes plus Lisette.
Eh! non, non, non,
Ne portez plus ce nom.

Votre bouche sourit
D'une façon discrète.
Vous montrez de l'esprit;
Du moins on le répète.
Eh! non, non, non,
Vous n'êtes plus Lisette.
Eh! non, non, non,
Ne portez plus ce nom.

Comme ils sont loin ces jours
Où, dans votre chambrette,
La reine des amours
N'était qu'une grisette!
Eh! non, non, non,
Vous n'êtes plus Lisette.
Eh! non, non, non,
Ne portez plus ce nom.

Quand d'un cœur amoureux
Vous priziez la conquête,
Vous faisiez dix heureux,
Et n'étiez pas coquette.
Eh! non, non, non,
Vous n'êtes plus Lisette.
Eh! non, non, non,
Ne portez plus ce nom.

Si l'Amour est un dieu,
C'est près d'une fillette.
Adieu, madame, adieu:
En duchesse on vous traite.
Eh! non, non, non,
Vous n'êtes plus Lisette.
Eh! non, non, non,
Ne portez plus ce nom.

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