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Literatur des Mittelalters

Chrétien de Troyes

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Chrétien de Troyes (zweite Hälfte 12. Jh.). Er gilt als der eigentliche Begründer und zugleich bedeutendste Autor des Höfischen Romans (roman courtois), einer nach ihm noch jahrhundertelang florierenden Erzählgattung, in welcher der legendäre keltisch-bretonische König Artus und die Ritter seiner Tafelrunde eine zentrale Rolle spielen. Chrétien, dessen Schaffenszeit sich von 1165 bis 1190 erstreckt, von dem aber keinerlei konkrete Lebensdaten bekannt sind, schreibt seine in paarweise reimenden Achtsilblern verfassten Romane im champagnischen Dialekt und widmet sie u.a. der Gräfin Marie de Champagne oder Graf Philippe de Flandre. Sein Publikum sind also die genannten und andere fürstliche, d.h. hochadelige Mäzene sowie der an deren Höfen lebende kleinere und mittlere Militär- und Verwaltungsadel. Chrétiens Schaffen dokumentiert den Höhepunkt der Macht dieser größeren und kleineren Territorialfürsten (Herzöge, Grafen u.ä.). (Die französischen Könige waren im 11./12. Jh. nicht eben mächtig, und ihr Hof war damals nur einer unter vielen anderen, die als Macht- und Kulturzentren miteinander rivalisierten.)
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Die erhaltenen Werke Chrétiens (einige weitere gingen offenbar verloren) sind:

  • Érec et Énide, die Geschichte des jungen Artusritters Érec und seiner jungen Frau Énide, die über der Liebe die Pflichten höfischer Ritter und Damen sträflich vernachlässigen, aber durch das gemeinsame Bestehen von ritterlichen Prüfungen zum richtigen Verhalten zurückfinden und an den Hof von König Artus zurückkehren dürfen.
  • Cligès, die schwierige Geschichte eines byzantinischen Prinzen, der die Braut und dann Frau seines alten Onkels liebt und sie nach langem Warten schließlich – anders als Tristan die Isolde – heiraten kann.
  • Le Chevalier de la charette, die bunte Geschichte der Ritterabenteuer Lancelots und seiner ehebrecherischen Liebe zu Königin Guenièvre, der Gattin von König Artus.
  • Le Chevalier au lion, die Geschichte des Artusritters Yvain, der die Witwe eines von ihm im ritterlichen Zweikampf getöteten Burgherrn heiratet, sich bald aber von ihr beurlauben lässt und auf Ritterabenteuer auszieht, den gesetzten Rückkehr-Termin vergisst und seine Frau erst durch viele bestandene Prüfungen versöhnen kann.
  • Guillaume d'Angleterre, die Geschichte eines (nicht historischen) englischen Königs, der durch seltsame Fügungen des Schicksals in die Welt der Kaufleute, d.h. des Bürgertums gerät, aber durch weitere Fügungen wieder in die Welt des Adels zurückkehren kann.
  • Le Conte du Graal, der Versuch, in der Geschichte des jungen Ritters Perceval die Gattung des Höfischen Romans mit christlichen Elementen zu verbinden (unvollendet und von mehreren Fortsetzern weitergeführt).

Auch in Deutschland fand Chrétien großen Anklang: Érec et Énide sowie Yvain wurden bearbeitet von Hartmann von Aue, der Conte du Graal von Wolfram von Eschenbach – was zugleich zeigt, wie vorbildhaft die franz. Literatur insgesamt in Frankreichs Nachbarländern zu dieser Zeit war. Fast alle Romane Chrétiens wurden im 13. Jh. für ein städtisches Publikum in Prosa umgeschrieben.

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
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