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Der französische Wortlaut dieser auf Altfranzösisch und Althochdeutsch geschworenen Eide ist der älteste erhaltene Text in französischer Sprache. (Althochdeutsche Texte sind noch einige ältere erhalten). Sie sind überliefert als Zitate in der lateinisch verfassten Chronik des Nithard (9. Jh.), die ihrerseits in einer Abschrift aus dem 10. Jh. vorliegt. Die Eide wurden geschworen von dem ostfränkischen König Ludwig dem Deutschen und dem westfränkischen König Karl dem Kahlen sowie ihren Gefolgsleuten, und zwar beim Abschluss eines Bündnisses dieser beiden Halbbrüder gegen ihren ältesten Bruder, Kaiser Lothar. Dieser nämlich gab sich nach dem Tod ihres Vaters, Kaiser Ludwigs des Frommen († 840), und der von ihm testamentarisch verfügten Dreiteilung des Frankenreichs nicht mit dem ihm zugewiesenen Mittelreich "Lotharingen" zufrieden, sondern beanspruchte, da er ja die Kaiserwürde geerbt hatte, die Oberhoheit über das gesamte Reich (also grosso modo das Gebiet des jetzigen Frankreichs, der Benelux-Staaten, der alten Bundesrepublik plus Thüringen, der Schweiz, Westösterreichs und Norditaliens). Bei ihrem Treffen in Straßburg schwörten zunächst die offenbar zweisprachigen beiden Könige, und zwar Ludwig der Deutsche, damit er auch von Karls Gefolgsleuten verstanden wurde, in "romana lingua", danach Karl analog in "teudisca lingua". Hiernach schwörten jeweils die sichtlich nicht zweisprachigen Gefolgsleute, nämlich die Karls in ihrer französischen und die Ludwigs in ihrer deutschen Sprache. |
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Die beiden französischen Textpassagen lauten:
[Ludwig:] Pro deo amur et pro christian poblo et nostro commun salvament, d'ist di in avant, in quant deus savir et podir me dunat, si salvarei eo cist meon fradre Karlo et in aiudha et in cadhuna cosa, si cum om per dreit son fradra salvar dift, in o quid il mi altresi fazet, et ab Ludher nul plaid nunqua prindrai, qui meon vol cist meon fradre Karlo in damno sit. [Karls Gefolgsleute:] Si Lodhuvigs sagrament, que son fradre Karlo jurat, conservat, et Karlus meus sendra de sue part lo franit, si returnar non l'int pois, ne io ne neuls, cui eo returnar int pois, in nulla adhiuda contra Lodhuvig nun li iv er.
Für Gottes Liebe und für [die des] christlichen Volkes und unsere gemeinsame Rettung, von diesem Tag vorwärts [= in Zukunft], in soweit Gott Wissen und Können mir gibt, so werde beistehen ich diesem meinen Bruder Karl sowohl in Hilfeleistung als auch in jeder Angelegenheit, so wie man zu Recht seinem Bruder beistehen soll, auf das, dass er mir genauso tue; und mit Lothar kein Abkommen werde ich niemals treffen, das meines Willens diesem meinen Bruder Karl zum Schaden sei. // Falls Ludwig den Eid, den er seinem Bruder Karl schwört, wahrt und Karl mein Herr seinerseits ihn bricht, wenn abhalten nicht ihn davon ich kann, [dann] weder ich noch irgendjemand, den ich davon abhalten kann, in irgendeiner Hilfeleistung gegen Ludwig nicht ihm dort werde [ich] sein.
Wie man sieht, hatte Nithard bzw. der Schreiber des altfranzösischen Textes große Schwierigkeiten, die Sätze, die er gehört hatte, zu verschriftlichen, denn er hatte, wie damals üblich, Lesen und Schreiben nur anhand von lateinischen Texten gelernt. So etwas wie eine eigene französische Schriftsprache gab es nämlich noch nicht, weil bis weit über das Jahr 1000 hinaus alles, was für aufschreibenswert gehalten wurde, von lateinkundigen Spezialisten, meist theologisch gebildeten Klerikern, in Latein aufgeschrieben wurde (wobei dieses Latein, das sog. Kirchen- oder Mittelllatein, allerdings längst nicht mehr demjenigen entsprach, das um die Zeitenwende herum im alten Rom gesprochen worden war und desses literarisches Register wir als klassisches Latein aus den Werken eines Caesar, Cicero, Ovid, Horaz oder Vergil kennen)
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