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Literatur des Mittelalters

Le Roman de la rose

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Rosenroman (ca. 1225–1280). Ein langer allegorischer Roman von über 22.000 paarweise reimenden Versen. Er wurde begonnen von (dem sonst unbekannten) Guillaume de Lorris und ab Vers 4059 fortgesetzt von Jean de Meung (der auch als Übersetzer und Bearbeiter lateinischer Texte bekannt ist).

Der Roman de la rose war ein enorm erfolgreiches Werk und hat die franz. Literatur bis weit ins 16. Jh. hinein beeinflusst (und mittels einer Übertragung auch die italienische). Es ist die als Bericht eines Traums angelegte Geschichte eines Ich-Erzählers, der in den Paradiesgarten Amors gelangt, dort in dessen Dienste tritt und sich in eine Rose verliebt (die die Frau symbolisiert). Bei seinen Annäherungsversuchen an sie wird er zwar von vielerlei allegorischen Figuren unterstützt (Amors, Bel-Acueil, Richece, Beauté, Hardement usw.), aber von ebenso vielen behindert (u. a. Jalousie, Malebouche, Paour, Honte und vor allem Dangier).

Die ursprüngliche, im ersten Teil erkennbare Gesamtkonzeption des Roman de la rose ist die einer idealistischen höfischen ars amatoria (Liebeskunst bzw. Liebeslehre). Der ungleich längere zweite Teil zeigt jedoch eine ironische, oft satirische Distanz zur höfischen Welt. Der Autor ergeht sich hier in vielen gelehrten und moralisierenden (häufig misogynen) Abschweifungen und spiegelt eine realistische, fast materialistische, d.h. insgesamt eher bürgerlich-nüchterne Denkungsart und Mentalität.

Jean de Meung ist einer der vielen Zeugen dafür, wie die wachsenden Städte mit ihrer reichen Oberschicht, dem Patriziat, aber auch mit ihrem zunehmenden Reservoir an Intellektuellen und Künstlern das kulturelle Leben mitzubestimmen, wenn nicht zu dominieren beginnen. (Das 13. Jh. ist bekanntlich auch die hohe Zeit der gotischen Kathedralen und Rathäuser.)

nach: Prof. Gert Pinkernell,
Französische Literatur
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