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L'Abbé Prévost ist geboren in Hesdin als jüngerer Sohn eines aus dem reichen Bürgertum stammenden procureur du roi, d.h. eines Richters, dem sein (gekauftes) Amt adelsähnliche Privilegen verschafft, ohne ihn jedoch schon de jure zu adeln. Da der ältere Bruder Prévosts das väterliche Amt erben soll, steht er selbst vor der Alternative Armee oder Kirche.
Nach Studien bei den Jesuiten, die er am Collège d'Harcourt abschließt, nimmt er als Offiziers-Aspirant 1712 am Spanischen Erbfolgekrieg teil, wird dann aber 1717 Novize im Jesuitenorden, den er wiederum verläßt, um am spanisch-französischen Krieg 1718/19 teilzunehmen. 1721 wird er schließlich doch Mönch, aber bei den Benediktinern. In den nächsten Jahren lebt er in verschiedenen Klöstern, studiert Theologie, erwirbt sich Anerkennung als Prediger, übt seine Feder (z.B. als Mitarbeiter an einem historiographischen Gemeinschaftswerk der Benediktiner, der vielbändigen Gallia christiana).
1727 beginnt er einen Roman, dessen erste zwei Bände 1728 erscheinen: Mémoires et Aventures d'un homme de qualité qui s'est retiré du monde. Prévost versucht nun, um mehr Zeit zum Schreiben zu haben, sich in ein Kloster mit laxeren Regeln versetzen zu lassen. Als dies nicht gelingt, verlässt er heimlich sein Pariser Kloster und schreibt in einem Versteck. Mit dem Honorar der Bücher III und IV der Mémoires geht er nach London, um sich dem königlichen Haftbefehl (lettre de cachet) zu entziehen, die sein Prior wegen unerlaubten Sich-Entfernens gegen ihn erwirkt hat.
In London wird Prévost Hauslehrer eines jungen Mannes aus bester Familie, verliebt sich aber in dessen Schwester und wird auf Betreiben des Vaters ausgewiesen. Er geht nach Holland, wo er 1731 die Bücher V und VI der Mémoires publiziert, denen er gleich noch einen siebten Band anfügt: L'Histoire du chevalier des Grieux et de Manon Lescaut, einen Roman, der sichtlich seine eigene, offenbar so leidenschaftliche wie frustrierende und Schuldgefühle auslösende Liebe zu der Haager Edelkurtisane Lenki Eckhardt verarbeitet, die er kurz zuvor kennengelernt hatte. Ebenfalls 1731 publiziert Prévost in Utrecht vier Bände eines schon in England begonnenen Romans: Histoire de Cleveland, fils naturel de Cromwell. Hiernach arbeitet er an einer Biographie des Anti-Richelieu-Verschwörers François de Thou (1733). Inzwischen hat er zusammen mit Lenki Schulden angehäuft; er flieht nach London, wo er eine Ein-Mann-Zeitschrift nach dem Muster von Addisons Spectator produziert: Le Pour et le Contre, das in Paris erscheint und hier das neue England-Interesse der gebildeten Leser befriedigen soll. 1734 sitzt er wegen Wechselbetrugs kurz im Gefängnis und wird ausgewiesen. Er geht heimlich zurück nach Frankreich (wo ein Neudruck von Manon Lescaut gerade von der Zensur verboten und beschlagnahmt worden ist). Aus einem Versteck nimmt er Kontakt mit dem Benediktinerorden auf und erhält vom Papst die Erlaubnis für ein verkürztes zweites Noviziat (1735). Offenbar ist der Orden weitgehend mit der Einhaltung eines frommen Scheins zufrieden, Prévost schreibt jedenfalls pausenlos weiter: neben den Faszikeln von Le Pour et le Contre erscheint 1735 der Roman Le Doyen de Killérine.
Nach seinem Noviziat wird Prévost aumônier beim Prince de Conti, d.h. eine Art Privatpfarrer in hochadeligem Haus. Hier schreibt und schreibt er: 1737/38 die letzten Bände des Cleveland, 1739/40 die des Doyen de Killérine, 1740 das 20. und letzte Faszikel von Le Pour et le Contre. Hiernach entwickelt er sich zum Spezialisten für romanähnliche historische Sachbücher und Biographien (Mémoires pour servir [...] l'histoire de Malte, Histoire de Marguerite d'Anjou, Histoire de Guillaume le Conquérant), sowie für Reisebeschreibungen (Voyages du capitaine Robert Lade). 1746 beginnt er eine Histoire générale des voyages, zunächst als Übersetzung englischer Reisebücher, dann in eigener Autorschaft. (1760, bei Bd. XV hört er auf und lässt andere Autoren weiterschreiben.) Daneben erwirbt er sich große Meriten als Übersetzer von Werken eines der Initiatoren des europäischen "empfindsamen Romans", Samuel Richardson (1689-1761): 1751 Lettres anglaises, ou Histoire de Miss Clarisse Harlowe (Orig. 1748), 1755 Nouvelles lettres anglaises, ou Histoire du chevalier Grandisson (Orig. 1754). Ob auch die 1742 erschienene französische Übersetzung Paméla, ou la vertu récompensée (Orig. 1740) schon von Prévost stammt, ist zweifelhaft.
1753 veröffentlicht er eine leicht überarbeitete und moralisierte Fassung von Manon Lescaut, die nunmehr in der Regel ohne den Rest der Mémoires et Aventures d'un homme de qualité gedruckt wird und heute als Prévosts Meisterwerk gilt. Es ist die Geschichte des jungen Kleinadeligen Des Grieux, der vor dem Beginn seines geplanten Theologiestudiums der hübschen, ihrerseits fürs Kloster bestimmten Manon Lescaut begegnet, mit ihr nach Paris durchbrennt und aus Liebe zu ihr (die Geld en masse verbraucht) nach und nach alle seine Vorstellungen von Anstand und Ehre über Bord werfen muss, bis er schließlich nach Manons tragischem Tod von seinem alten Freund Tiberge wiedergefunden und zur einer braven Theologenexistenz zurückgeleitet wird.
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